1960er Jahre: Die Schule an der Uhlandstraße war das erste Schulbauprojekt nach dem Krieg. - © Stadt herford (Archiv Gunther Jach)
1960er Jahre: Die Schule an der Uhlandstraße war das erste Schulbauprojekt nach dem Krieg. | © Stadt herford (Archiv Gunther Jach)

Herford Auflösung Mittwochrätsel: Realschule an der Uhlandstraße

In den 1960er Jahren gab es noch vereinzelt Ohrfeigen. Jungen und Mädchen wurden anfangs streng getrennt voneinander unterrichtet

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das alte Foto der vergangenen Woche aus der von Gunther Jach archivierten Nachkriegs-Dokumentation der Stadtverwaltung "15 Jahre danach" zeigte die heutige, 1914 gegründete, Otto-Hahn-Realschule an der Uhlandstraße im Jahr 1960. Die erheblichen Bombenschäden aus dem Krieg sind behoben und es wurde sogar als erstes Schulbauprojekt nach dem Krieg angebaut, weil der Andrang der Schüler so groß wurde, dass in Schichten unterrichtet wurde. Marco Darnauer schreibt: "Das Foto ist mir sehr gut bekannt, da ich jeden Tag aus dem Wohnzimmerfenster auf die Otto-Hahn-Realschule schaue. Der Opa meiner Frau war früher selber Lehrer an dieser Schule und hatte einen besonders kurzen Arbeitsweg." Die Schweine von nebenan mit dem Schulbrot gefüttert Helfried Horstmann erinnert sich: "Unsere Familie ist seit den 1920er Jahren mit der Schule verbunden. Meine Mutter bekam dort 1929 die ,Mittlere Reife', meine Schwester in den 1950er Jahren und mich selbst hat die Schule 39 Jahre lang geprägt. Sechs Jahre als Schüler (Abschluss 1964) und 33 Jahre als Religionslehrer. Zu meiner Schülerzeit war die Realschule Uhlandstraße fast die einzige Realschule in Herford. Die heutige Geschwister-Scholl-Schule nahm erst gegen Ende der 1950er Jahre jahrgangsweise ihren Unterrichtsbetrieb auf und die Ernst-Barlach-Schule gab es noch gar nicht. Erst gegen Ende der 1960er Jahre wurde die Schule in Otto-Hahn-Schule umbenannt. Die Schüler wurden in reinen Mädchen- bzw. Jungenklassen unterrichtet. Viele Mitschüler kamen aus dem näheren Umkreis, sogar aus Enger und Löhne. Mit dem Fahrrad durfte man nur zur Schule kommen, wenn man mehr als drei Kilometer entfernt wohnte. Man bekam dann einen Fahrradausweis für den Fahrradparkplatz. Lehrer Salzenberg, der selbst radelnd zur Schule kam, kontrollierte das streng. Schulbusse mit kostenlosem Transport gab es damals nicht. Während meiner Zeit als Religionslehrer haben viele Schüler in den 10. Klassen einen an sich selbst gerichteten Brief geschrieben, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Diese Briefe habe ich eingesammelt, und den Schülern zu dem entsprechenden Geburtstag zugesandt. Dadurch bin ich mit vielen in Kontakt geblieben, auch nach meiner aktiven Zeit und habe viele freudige Antwortbriefe erhalten. Gerne war ich Lehrer, denke an viele schöne Begegnungen mit den Schülern und Kollegen zurück und möchte diese Erfahrungen in meinem Leben nicht missen." Rita Frentrup schreibt: "Bisher bin ich nur ein einziges Mal in dieser Schule gewesen und zwar, als es um die Abstimmung des Bürgerentscheides zu den ,Safety Cones? am Bergertor ging, der erste Bürgerentscheid in NRW gegen eine künstlerische Arbeit im Stadtraum. Anfangs war ich auch dagegen, aber nachdem ich die Modelle im Marta gesehen habe, habe ich meine Meinung geändert und für die Pylonen gestimmt, ausschlaggebend war das schöne blaue Licht." Jörg Wellmann erinnert sich: "In den Pausen wurden wir durch die Letztklässler von dem überdachten Pausengang auf dem Schulhof ,ins Freie? vertrieben (Hackordnung). Rektor war damals Walter Röhrmann. Der neue Rektor hieß 1969 Dieter Düllmann. Als der Sexualkundeatlas im Schulplan aufgeführt wurde, machte Düllmann das Thema zur Chefsache und unterrichtete uns. Nahezu zeitgleich fand eine Namenswahl der Schule statt, zwischen dem Herforder Daniel Pöppelmann und dem Frankfurter Wissenschaftler Otto Hahn. Das Ergebnis ist bekannt, Otto-Hahn-Realschule. Während der Schulzeit kamen wir zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule. Sensation, als das erste Mofa auf den Schulhof fuhr Es war eine Sensation, als mein Mitschüler Rolf H. mit einem Mofa der Marke Rixe Drei-Gang auf den Schulhof fuhr. Unsere Abschlussfahrt fand 1972 für sieben Tage auf einem ,Kartoffeldampfer? mit 3-Etagen-Betten nach Amsterdam statt. In jeglicher Hinsicht war es eine interessante Fahrt. Meine Lehrer hießen Pörtner, Niedernolte, Döpke, Piepkorn, Wietmann, Tiemann (Herford), Tiemann (Löhne), Schwarze, Mileticz, Margenberg und sicherlich noch manch andere. Ein weiterer Lehrer in Bio hieß Stiefelhagen und 2014 fand die schöne 100-Jahr-Feier mit dem Ehemaligentreffen statt." Christel Großmann weiß noch: "Ich habe diese Schule bis 1959 besucht. Anschließend wurden wir für ein Jahr in die neue Geschwister-Scholl-Schule umgesiedelt." Helmut Altenhöner ging durch die fast unveränderte Eingangstür des Schulgebäudes als Schüler sechs Schuljahre ein und aus: "Anfang der 1970er Jahre kamen junge Nachwuchslehrer an die Schule, die einen moderneren Unterrichtsstil einführten. So gestaltete der Musiklehrer Margenberg seine Stunden mit Musikbeispielen von Schallplatten. Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3 haben wir anhand der Einspielung der niederländischen Gruppe ,Ekseption? im poppigen Stil gehört und analysiert. Auch Musik von Keith Emerson und Jaques Loussier wurde uns näher gebracht. Im gleichen Zeitraum besuchte der bekannte Gustav Peter Wöhler die Schule, und zwar in meiner Parallelklasse. Vor kurzem traf ich in einem VHS-Kurs eine ehemalige Lehrerin wieder. Unsere Gespräche aus Lehrer- und Schülersicht sind sehr erheiternd und ich erfahre noch manche alte Geschichte aus dem Lehrerzimmer." Auch Friedrich Korte ging hier zur Schule: "Im April 1949, nachdem ich die damals noch vorgelagerte Aufnahmeprüfung bestanden hatte, wurde ich mit vielen anderen in drei Anfangsjahrgängen der Klasse 1a zugeordnet. Mein erster Klassenlehrer hieß Fritz Wichering. Leider war das Schulgebäude zu etwa einem Drittel auf der rechten Seite ausgebombt. Die Folge war durch Raummangel wochenweiser Unterricht einmal vormittags und auch nachmittags. Der Schulleiter hieß Albert Knobloch. Wir hatten bei ihm Zeichenunterricht und auch Kurzschrift - für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Nach drei Jahren bekamen wir einen neuen Klassenlehrer, Konrad Hurlbrink. Dieser machte mit uns drei große Reisen, die alle Klassenkameraden bis heute nicht vergessen haben.Ich bin in einer Gastwirtschaft am Renntor aufgewachsen und weil mehrere Lehrer im Lehrergesangverein in unserem Hause sich trafen, erwuchs mir ein Problem, wenn mittwochs mein Vater vom Mathelehrer schon die Zensur der Arbeit erfuhr, die mir erst am Donnerstag zurückgegeben wurde, und leider nicht immer von erster Güte war. Es gelang mir aber doch, die Schule nach sechs Jahren mit Abschluss zu beenden. In den Jahren 1953 und 54 wurden unsere Klassen sogar zum Wilhelmsplatz und zu der Schule Stiftberg mit dem schon früher notwendigen Schichtunterricht verlagert. Zum Zeitpunkt meiner Entlassung 1955 waren die im Krieg zerstörten Gebäudeteile wieder auferstanden. Wenn wir Turnstunde auf dem Schulhof hatten und Fußball spielten, kam es vor, dass der Ball in dem Pferch des Schweinstalls landete, der zu einem Altenheim nebenan gehörte. Wir haben aber auch Schulbrote an die Schweine verfüttert, um Nachbarschaftsfrieden zu halten." Der Vater erfuhr beim Lehrergesangsverein die Mathe-Zensur Hermann Ortgiese wurde hier 1957 eingeschult: "In diesem Jahr war noch ein monatliches Schulgeld von 10 DM fällig, es wurde aber alsbald abgeschafft. Wegen Raumknappheit fand der Unterricht im ersten Schuljahr am Dienstag und Freitag Nachmittag statt, auch auswärts in der Schule Wilhelmsplatz. Auch wenn bereits 60 Jahre vergangen sind, geht doch noch so mancher Gedanke an diese Zeit zurück, als die Lehrer noch Anzüge und die Lehrerinnen Kleider trugen, vielleicht genossen sie ja deswegen mehr Respekt als heute. Einige ältere Lehrer verteilten auch noch mal eine Ohrfeige, die Kreide flog schon mal durch die Klasse und weckte einen Schüler. Und der Zeigestock war nicht nur für die Tafel. Aber es gibt auch viele schöne Erinnerungen und besonders hat es mich gefreut, auf der 100-Jahrfeier vor zwei Jahren unseren letzten Klassenlehrer, Herrn Döpke, inzwischen über 90, wiedergetroffen zu haben. Und da zieht er doch sein Notizbuch von 1963 aus seiner Tasche, um mir sagen zu können, wo ich seinerzeit gut und auch weniger gut war." Führen Sie die Maus über die digitale Karte, um durch das historische Herford zu wandern und die anderen Serienteile zu erkunden.

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