Intensives Lernen: In einem kleinen Zimmer an der Ulmenstraße findet zwei Mal in der Woche der Deutschunterricht statt. - © Ralf Bittner
Intensives Lernen: In einem kleinen Zimmer an der Ulmenstraße findet zwei Mal in der Woche der Deutschunterricht statt. | © Ralf Bittner

Herford Petra Fritz gibt Frauen ehrenamtlich Deutschunterricht

Wegbegleiter in der neuen Heimat: Deutschkurs nur für Frauen

Christina Römer

Herford. "Ich heiße Mihane. Ich bin 40 Jahre alt, ich bin verheiratet, ich habe drei Kinder, ich komme aus Kosovo." Die dunkelhaarige Frau mit den zusammengebundenen Haaren zählt ruhig und langsam die Eckdaten ihres Lebens auf. Das macht sie auf Deutsch - und fast fehlerfrei. Seit einem Jahr und sechs Monaten ist sie in Herford. "Ich bleibe zu Hause, keine Arbeit", führt sie fort. Da korrigiert Petra Fritz zum ersten Mal: "Natürlich arbeitest du, du bist Hausfrau." Die Frauen lachen - dieses urdeutsche Wort haben sie nicht zum ersten Mal gehört. Und es beschreibt das Leben von allen sechs Frauen, denen Petra Fritz ehrenamtlich Deutschunterricht gibt. Sie kommen aus Albanien oder dem Kosovo, sind vor mehr als einem Jahr mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet. Und möchten nun Deutsch lernen, um sich hier einzuleben. Einige von ihnen habe kleine Kinder und können nur dann zum Kurs, wenn jemand auf ihren Nachwuchs aufpasst. Beim Deutschunterricht, den Petra Fritz immer montags und Katharina Winter immer dienstags ehrenamtlich geben, ist auch immer eine Ehrenamtliche dabei, die während der eineinhalb Stunden mit den Kindern spielt, so dass die Mütter in Ruhe lernen können. Organisiert wird der Kurs vom Verein Nachbarschaftshilfe. "Wir sind im September gestartet", erzählt Petra Fritz. Damals mit zwei Frauen, jetzt sind es sechs. Die Herforderin arbeitet hauptberuflich als pädagogische Unterrichtshilfe im Johannes-Falk-Haus. Als sie im vergangenen Jahr in den Medien immer wieder mit dem Schicksal der vielen Geflüchteten konfrontiert wurde, beschloss sie, etwas für die Menschen zu tun. Sie besuchte ein Treffen der Nachbarschaftshilfe, die nach weiteren Ehrenamtlichen suchte, die den Flüchtlingen in Herford helfen wollten. "Wir konnten uns aussuchen, in welchem Bereich wir uns einsetzen wollten", erinnert sich Fritz. Für sie und Katharina Winter war klar: Sie wollten Deutschunterricht geben - "weil das einfach erstmal das Wichtigste ist." Und sie wollten Frauen unterrichten - denn die bleiben allzu oft zu Hause, während ihre Männer Deutschkurse machen und die Kinder in der Schule und im Kindergarten Deutsch lernen. Als Hausfrauen stehen sie meist nicht im familiären Fokus, wenn es darum geht, in Deutschland Fuß zu fassen, um am Ende arbeiten gehen zu können. "Wir haben mit ganz einfachen Sätzen angefangen", erzählt Fritz. Eben mit den Sätzen, die die 40-jährige Mihane Sadiku schon so gut kann: "Ich heiße.., ich komme aus..." "Am Anfang haben wir uns mit Händen und Füßen verständigt", erzählt die Ehrenamtliche. Nun könnten sie schon kleine Geschichten zusammen lesen. "Die Frauen sind total motiviert, kommen zu jeder Stunde und lernen zu Hause fleißig", beobachtet Petra Fritz. Währenddessen spielen die Kinder in einem anderen Raum in der Wohnung an der Ulmenstraße, die von der Stadt für solche Zwecke bereit gestellt wird. Nur ein Kind darf mit ins Zimmer: das sieben Monate alte Baby von Zamira Vranaj. Das schläft still, während seine Mutter Verben dekliniert: "Ich gehe, du gehst, er/sie/es gehen..." Zamira Vranaj ist aus demselben Grund in Deutschland, wie Mihane Sadiku - wegen ihrer Kinder. Während ein Kind der 40-Jährigen eine Operation benötigte, die sie in der Heimat nicht bekommen konnte, hofft die 30-jährige Zamira, dass ihre Kinder in Deutschland eine bessere Bildung bekommen als in Albanien. Vorsichtig und in Bruchstücken verraten die Frauen diese Details. "Wir reden gar nicht so viel über solche privaten Dinge", sagt Fritz. "Wir arbeiten!" Und doch sei es eine emotionale Arbeit für die 60-Jährige geworden. Denn so sehr wie sich die Frauen dafür einsetzen, etwas über den Hausfrauen-Status hinaus zu erleben - ebenso engagiert möchte Petra Fritz die Frauen dabei unterstützen.

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