Neu im Team: Diplom-Ingenieur René Brennecke (r.). Mit Janne Wosniak, Leitung Technik/Entwicklung, und Geschäftsführer Udo Gottschalk spricht er über die Konstruktionszeichnung einer Leuchte. - © Foto: Anne Webler
Neu im Team: Diplom-Ingenieur René Brennecke (r.). Mit Janne Wosniak, Leitung Technik/Entwicklung, und Geschäftsführer Udo Gottschalk spricht er über die Konstruktionszeichnung einer Leuchte. | © Foto: Anne Webler

Rödinghausen Neuer Job mit 58 Jahren

Vorbild: Der Leuchtenhersteller L&S Deutschland in Ostkilver hat vor gut fünf Wochen einen erfahrenen Ingenieur eingestellt. "Es ist ein Glücksfall", sagt Firmenchef Udo Gottschalk

Anne Webler

Rödinghausen. Während andere mit Anfang, Mitte Fünfzig jahrelang vergeblich einen Job suchen, hat René Brennecke nicht lang gesucht. Zweieinhalb Monate war er arbeitslos, dann fand er eine neue Stelle. Beim Leuchtenhersteller L&S in Ostkilver. Geschäftsführer Udo Gottschalk nahm ihn gerne: "Es ist ein Glücksfall, jemanden mit so viel Erfahrung einstellen zu können." Andere Arbeitgeber schrecke das höhere Gehalt, das größere Krankheitsrisiko und das stärkere Selbstbewusstsein Älterer ab. Sie sagen ihre Meinung. Viele wollten immer die gleichen einstellen, damit alle immer einer Meinung sind, sagt Gottschalk. Dann gebe es aber keine Weiterentwicklung. "Ein Unternehmen braucht Leute, die vorausgehen, die quer denken." Brennecke kommt gebürtig aus Magdeburg, wuchs in Lüdenscheid auf und studierte an der Fachhochschule Maschinenbau in Hagen Konstruktionstechnik. Er hat immer in der Leuchtenbranche gearbeitet, Leuchten faszinieren ihn. Sein voriger Arbeitgeber, eine Leuchtenfirma in Schleswig-Holstein, ließ seinen Jahresvertrag auslaufen. "Ich brauche keine Ja-Sager" "Herr Brennecke hat unglaublich viel Erfahrung", sagt Janne Wosniak, Leiterin der Abteilung Technik/Entwicklung. Sie war auf der Suche nach so jemandem. Für sie kam Brennecke genau im richtigen Moment. Sie habe viele junge Leute im Team. Die würden in Stresssituationen schonmal nervös, sagt Gottschalk. Wenn sie entscheiden müssen, was wichtig ist. "Die alten bleiben ruhig." So wie Brennecke. Nach dem Vorstellungsgespräch sagen Gottschalk und Wosniak immer sofort, "ob ja oder nein". Es sei fair, dass die Menschen schnell ein Feedback bekämen, sagt Wosniak. Überdies entscheide man sich eh sofort und zögere die Mitteilung sonst nur hinaus. Sie müssten beide ja sagen, sonst werde der Bewerber nicht genommen, sagt Gottschalk. Bei einem Nein begründen sie auch, warum nicht. Der Bewerber müsse kritikfähig sein und zum Team passen. "Ich brauche keine Ja-Sager." Er brauche Menschen mit einer eigenen Meinung um sich herum. Die so stark seien, ihre Meinung auch zu vertreten. Und: "Die Chemie muss stimmen." Man verbringe so viel Zeit miteinander. "Ich muss mich verlassen können und brauche integere Leute." Manch ein Bewerber sei fachlich sehr gut, aber das Bauchgefühl stimme nicht.  "Es macht Spaß, etwas weiterzugeben" Beim Vorstellungsgespräch von Wosniak war ein Mitarbeiter dabei, dessen Chefin sie sein würde. Sie war zudem hochschwanger und konnte erst ein halbes Jahr später anfangen. Ihre Stelle sei bereits unbesetzt gewesen, erzählt Gottschalk. Er ließ die Mitarbeiter mit entscheiden, ob sie warten wollten. Sie wollten. Im Team Technik und Entwicklung sind sie zu neunt, fünf davon sind Projektleiter wie Brennecke. "Die jungen Kollegen könnten meine Söhne sein", sagt er. Es sei ein sehr freundlicher, kollegialer Umgang. Er gebe den jüngeren Hilfestellung. "Es macht Spaß, etwas weiterzugeben." In der Diskussion ergebe sich oft eine neue Perspektive. Ein jüngerer Kollege sei "sehr fit" in Elektronik. "Den frag ich dann." Brennecke fühlt sich wohl. "Es herrscht ein sehr angenehmes Klima." Ungewohnt ist für ihn manchmal noch der offene, positive Umgang mit Kritik. Der gehört bei L&S dazu. Jede Woche sitzen sie zusammen und besprechen, was nicht funktioniert hat, was sich verbessern lässt. "Woanders ist Kritik an Strukturen, Abläufen und Organisatorischem nicht erwünscht", sagt Brennecke. "Manchmal muss ich drüber schlafen. Aber es macht Spaß, das Optimum rauszuholen."

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