Spielte mal leise, mal volltönend: Organist Matthias Menzel an der Orgel. - © Hans-Joachim Güttler
Spielte mal leise, mal volltönend: Organist Matthias Menzel an der Orgel. | © Hans-Joachim Güttler

Rödinghausen Große Orgel-Werke in der Michaelkirche

Orgel-Adventsandacht: Die Kirchengemeinde Westkilver lud zum wiederholten Male ein. Matthias Menzel spielte eine große Bandbreite

Hans-Joachim Güttler

Rödinghausen. Einmal alle Register zu ziehen und damit zu zeigen, dass auch eine Orgel in einer Dorfkirche ein großartiges Klangvolumen haben kann - dieses Kunststück bewies Matthias Menzel am vergangenen Freitagabend. Menzel sagt von sich, dass er "selbstständiger Künstler" sei, Klavier, Trompete und Orgel spielt, selbst Konzerte veranstaltet und auch für Konzerte gebucht wird. Als Organist ist er in den Kirchengemeinden Bieren und Hücker-Aschen angestellt, demnächst auch in Osnabrück. Eingeladen hatte die Evangelische Kirchengemeinde Westkilver zu einer Orgel-Adventsandacht in der Michael-Kirche. Pfarrer Axel Bruning führte die Zuhörer in die drei Orgelstücke ein, indem er die Komponisten vorstellte und das jeweils Besondere der Stücke hervorhob. Der Organist Matthias Menzel, unterstützt von Katrin Schumann, die für ihn die Register zog, belohnte die Anwesenden mit einer Darbietung, die ein breites Spektrum umfasste. Mal leise, verhalten, mal melodisch, dann der volle, voluminöse Klang der Orgel. Zu Beginn das "Präludium und Fuge in g-moll" (BWV 535) von J.S. Bach. Obwohl eines seiner Jugendwerke, das Bach mit ca. 20 Jahren komponierte, gilt es als eines seiner Meisterwerke. Nach einer Zwischenlesung von Bruning folgte das "Kathedralfenster op.106" von Sigfrid Karg-Elert, ein in Deutschland erst wiederentdeckter Komponist. Denn, obwohl kein Jude, wurde er von den Nationalsozialisten in das "Lexikon der Juden in der Musik" aufgenommen und durfte in Deutschland nicht gespielt werden. Nach der Feier des Abendmahls spielte Menzel die "Orgelsinfonie op. 42 Nr. 1 in d-moll" von Alexander Guilmant, einem französischen Komponisten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit einem "Finale", bei dem noch einmal alle Register gezogen wurden und die Zuhörer den vollen Klang der Orgel erlebten, endete die Sinfonie. Freunde von Orgelkonzerten kommen ganz sicher auch im nächsten Jahr auf ihre Kosten. Die Unesco hat "die Tradition von Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland" zum Weltkulturerbe erklärt, und die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) hat den 24. Juni zum "Orgeltag Westfalen 2018" ausgerufen. Daran werden sich sicherlich viele Kirchengemeinden beteiligen und einladen.

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