Garten kurz vor dem Winterschlaf: Kurt Ortmann, Vorsitzender des Imkervereins Bieren, und Karola Möller, Leiterin des Habitat zur Wehme, vor dem Naschgarten. In den drei Hochbeeten können die Bewohner des Habitat zur Wehme gärtnern oder einfach nur naschen. Jetzt, im Herbst, sind die Beete leer. - © Foto: Anne Webler
Garten kurz vor dem Winterschlaf: Kurt Ortmann, Vorsitzender des Imkervereins Bieren, und Karola Möller, Leiterin des Habitat zur Wehme, vor dem Naschgarten. In den drei Hochbeeten können die Bewohner des Habitat zur Wehme gärtnern oder einfach nur naschen. Jetzt, im Herbst, sind die Beete leer. | © Foto: Anne Webler

Rödinghausen Habitat zur Wehme unterhält Gemüsegarten für Bewohner

Das Seniorenheim Habitat zur Wehme unterhält für seine Bewohner drei Hochbeete, in denen sie gärtnern oder von den Früchten essen können. Der Imkerverein Bieren schenkte den Damen jetzt 24 Gläser Honig

Anne Webler

Rödinghausen. Aus dem großen Wintergarten des Seniorenheims Habitat zur Wehme führt eine Tür auf die Terrasse, dort stehen drei Hochbeete. Die Bewohner des Habitats können hier jederzeit gärtnern - oder naschen: Cocktailtomaten und Erdbeeren zum Beispiel. Jetzt, Anfang November, sind die Beete kahl, nur Sellerie und Rosmarin halten sich bei den kalten Temperaturen noch. Im Sommer rankten hier üppige Kürbispflanzen, Kohlrabi wuchs, Bohnen und Tomaten. Am Gerüst hingen zwei Erdbeerampeln. "Jedes Jahr im Frühjahr fragen wir die Bewohner, was sie gerne in den Hochbeeten hätten", erzählt Karola Möller, die Hausleiterin. 60 Senioren leben zur Zeit im Habitat zur Wehme. Einige gäben dem Küchenpersonal sehr willkommene Tipps, wie man Gerichte würzen und zubereiten kann. "Unsere Bewohner haben doch jahrzehntelang gekocht", sagt Möller. Für das nächste Jahr haben sie sich Grünkohl im Hochbeet gewünscht. Eine Bewohnerin machte beim Gartenwettbewerb mit Der Imkerverein Bieren hatte im Frühjahr einen Wettbewerb ausgelobt für die insektenfreundlichsten Gärten in Rödinghausen (die NW berichtete). Die Besitzer von 27 Gärten hätten sich gemeldet, sagt Kurt Ortmann, der Vorsitzende des Imkervereins Bieren. Auch Hilde Beinke, Bewohnerin im Habitat zur Wehme, bewarb sich mit dem hauseigenen Gemüsebeet. Als Ortmann und seine Vereinskollegen kamen, um die Hochbeete auf ihre Insektenfreundlichkeit zu prüfen, ging es Hilde Beinke gesundheitlich schlecht, sie ist kürzlich verstorben. Honig war vor 80 Jahren ein knappes Gut Kurt Ortmann bedankte sich jetzt beim Habitat für seine Teilnahme am Wettbewerb und schenkte den Bewohnern 24 Gläser Honig. "Die Bienen haben den Nektar für den Honig aus Ihrem Garten geholt", sagt Ortmann. Der begeisterte Imker und Bienenexperte hielt den versammelten Damen spontan einen Vortrag über Bienen. Bei den kühlen Temperaturen flögen sie nicht mehr, sondern kuschelten sich im Stock aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Kürzlich hätten die Königinnen seiner Bienenvölker noch Eier gelegt, mit den ersten Nachtfrösten hörten sie aber damit auf. "Zu meiner Jugendzeit in Westkilver brachte uns der Imker jedes Jahr ein großes Glas Honig", erzählt Irmgard Wiedemann (91). Jeden Sonntag hätten sie ein Schälchen Honig zum Frühstück abgetan, das musste eine Woche reichen. "Wenn das Schälchen leer war, gab es keinen Honig mehr - bis zum nächsten Sonntag", erzählt Wiedemann. Die Damen erinnern sich, dass früher viele Lebensmittel nur begrenzt verfügbar waren. Anders als heute, wo alles immer im Überfluss vorhanden ist. Vergangenen Winter gingen viele Bienenvölker ein Im vergangenen Jahr sei das Problem gewesen, dass es im Oktober noch 25 Grad Celsius warm gewesen sei, erzählt Ortmann. Die Winterbienen, die eigentlich nicht ausflögen, flogen doch aus und sammelten Nektar. Das war zu anstrengend, sie überlebten den Winter nicht. Zudem hatten sie die Waben mit so viel Honig gefüllt, dass die Königin keinen Platz mehr hatte, um Eier zu legen. 50 bis 100 Prozent der Bienenvölker seien deshalb gestorben, erzählt Ortmann. "Zum Imkern gehört auch, das Wetter zu beobachten, in den Stock zu gucken und sich zu kümmern." Die Damen hörten ihm interessiert zu. "Jetzt sehen wir die Bienen mit ganz anderen Augen", sagt eine Bewohnerin.

realisiert durch evolver group