Gibt Kulturgut weiter: Magdalena Obrock (82) bringt Rödinghauser Kindern in der Kita und der Grundschule die Plattdeutsche Sprache bei. Auch ein Wörterbuch hat sie mit überarbeitet. Sie möchte die Sprache unbedingt bewahren. - © Foto: Katharina Georgi||
Gibt Kulturgut weiter: Magdalena Obrock (82) bringt Rödinghauser Kindern in der Kita und der Grundschule die Plattdeutsche Sprache bei. Auch ein Wörterbuch hat sie mit überarbeitet. Sie möchte die Sprache unbedingt bewahren. | © Foto: Katharina Georgi||

Rödinghausen Freie Fahrt für Ortsschild "up Platt"

Ministerentscheidung: Magdalena Obrock hat mit fünf Mitstreitern schon vor Jahren plattdeutsche Ortsschilder für Rödinghausen beantragt. Nach jahrelanger Ablehnung scheint nun der Weg endlich frei

Anne Webler

Rödinghausen. "Was meinen Sie, wie wir uns gefreut haben", sagt Magdalena Obrock (82), leidenschaftliche Bewahrerin der plattdeutschen Sprache. "Das ist ein Erfolg", sagt sie zu der Ankündigung von Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU), plattdeutsche Ortsschilder nun doch zu erlauben (die NW berichtete). Obrock gehört zum Kreis aus sechs Liebhabern des Plattdeutschen, die im Jahr 2012 einen Antrag im Gemeinderat gestellt haben, auf den gelben Ortseingangsschildern der Gemeinde Rödinghausen die plattdeutsche Bezeichnungen des Ortsnamens "Ränghiusen" hinzuzufügen. Der Rat habe den Beschluss damals "mit großer Mehrheit gefasst", berichtet Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer. Doch das NRW-Verkehrsministerium lehnte ab. "Damals waren wir sehr betrübt, dass wir mit unserem Anliegen nicht durchgekommen sind. Denn woanders war es ja möglich", sagt Obrock mit Blick auf Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Kaum sei eine neue Landesregierung an der Macht, sei es auf einmal doch erlaubt. "Wir haben uns köstlich amüsiert." Nachdem sie von der neuen Möglichkeit in der NW gelesen hatte, rief sie sofort Egon Brandmeier an, einen ihrer Mitstreiter, und den Gemeindehistoriker Rolf Botzet - auch ein Liebhaber des Plattdeutschen. "Wir freuen uns sehr. Aber es dauert sicher noch, bis das umgesetzt wird." Der Gemeinderat müsste noch einmal abstimmen Der Meinung ist auch Ernst-Wilhelm Vortmeyer. "Erst einmal ist es ja nur eine mündliche Aussage der Ministerin, die sie auf einer Veranstaltung getroffen hat", gibt er zu bedenken. Damit sei die Zusage noch nicht verbindlich. Die alte Landesregierung hatte den Wunsch der Gemeinde Rödinghausen, auf den Ortsschildern die plattdeutsche Bezeichnung "Ränghiusen" hinzuzufügen, im November 2012 abgelehnt, sagt Vortmeyer. Erst vor zwei Wochen war das Gesuch erneut abgelehnt worden. Nun also die Kehrtwende. Ministerin Scharrenbach werde mit der Fachstelle für Niederdeutsch ein Gespräch führen, sagt Vortmeyer. Wenn sie dort erneut die Genehmigung in Aussicht stelle, werde der Gemeinderat noch einmal über die plattdeutschen Ortsschilder beraten. Regelmäßige Besuche in der Kita Magdalena Obrock hat noch zu Hause Plattdeutsch gelernt. "Meine Großmutter war schwerhörig", erzählt Obrock. Damals, vor 70 Jahren, habe es noch keine Hörgeräte gegeben. Ihre Mutter sprach Platt mit der Großmutter, weil sie das besser verstand. Da lernte Magdalena auch Plattdeutsch, um sich besser mit ihrer Oma verständigen zu können. Um das Kulturgut zu bewahren, geht sie regelmäßig in die Kita und zwei Grundschulen in Rödinghausen und bringt den Kindern Platt bei. Einmal im Monat besucht Obrock die Evangelische Kita an der Stertwelle, für die Kinder des 3. und 4. Schuljahres des Grundschulverbundes Bieren-Rödinghausen bietet sie eine Plattdeutsch-AG an - eine an jedem Standort. Neun Kinder pro Grundschule lernen jede Woche bei ihr Platt. Auch Erwachsenen bringt Obrock Plattdeutsch bei, seit 30 Jahren gibt sie Volkshochschul-Kurse. Sie suche einen Nachfolger, der das Plattdeutsche weitergebe. Da sei leider niemand in Sicht. Die Zeiten überdauern wird das plattdeutsche Wörterbuch von Erwin Möller, das Magdalena Obrock mit ihren fünf Mitstreitern überarbeitet hat. Mit Egon Brandmeier, Heinrich Bringewatt, Gerhard Heining und Wilhelm Schürmann hat sie den Wortschatz von mehr als 4.000 auf mehr als 7.000 Wörter erweitert. Der erste Teil übersetzt Platt- ins Hochdeutsche, der zweite Teil Hoch- ins Plattdeutsche. "Segg et up Platt: niederdeutsches Wörterbuch in der Ravensberger Mundart", ist der Titel. Auch Gemeindehistoriker Rolf Botzet hat mitgewirkt. Nun sieht?s ganz danach aus, als stehe "Ränghiusen" demnächst nicht mehr nur im Wörterbuch, sondern auch auf dem Ortsschild. "Ich freue mich unwahrscheinlich auf das Ortsschild", sagt Magdalena Obrock.

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