Rödinghausen Hornissen willkommen

Naturschutz: Friedhelm Diebrok vom NABU möchte mit den Märchen von der gefährlichen Großwespe aufräumen. Unlängst hat er ein ganzes Volk auf sein Garagendach umgesiedelt

Meiko Haselhorst Rödinghausen/Bünde. Bei Biene Maja waren sie immer die Bösen. Wenn der Horizont sich verdunkelte und ein bedrohliches Brummen am Himmel zu vernehmen war, wenn von Spinne Thekla bis Grashüpfer Flip alles in Deckung ging, dann waren sie im Anflug. Mit einem Stahlhelm auf dem Kopf und bis an die Zähne bewaffnet, betraten sie in großen Schwärmen die Bildfläche: die Hornissen. Friedhelm Diebrok vom Naturschutzbund (NABU) weiß nicht, ob er darüber lachen oder weinen soll. Die gängigen Ammenmärchen à la „sieben Stiche, Pferd tot“ oder „drei Stiche, Mensch tot“ gehen ihm jedenfalls gehörig auf den Geist. „Hornissen sind nicht annähernd so aggressiv wie normale Wespen, die können mit Kuchen oder anderem Süßkrams auch gar nichts anfangen“, so der Rentner, der sich zum Thema eigens hat schulen lassen.„Hat ein bisschen wehgetan und gejuckt, aber es ist nicht mal dick geworden“ Man müsse sich schon ziemlich ungeschickt verhalten, um eine Hornisse gegen sich aufzubringen. Diebrok ist das mal passiert – direkt auf der Nasenspitze habe ihn das Tier erwischt. Und was ist mit der Nase passiert? „Hat ein bisschen wehgetan und gejuckt, aber es ist nicht mal dick geworden“, sagt der Bünder. Hornissen, so berichtet er weiter, seien sogar sehr nützlich. „Zum einen, weil sie viele Schädlinge fressen, zum anderen, weil sie auch Aas beseitigen.“ Mittlerweile seien die Großwespen – wie so viele andere Insekten – so selten geworden, dass sie unter Schutz stehen. Nicht zuletzt darum hat sich Diebrok vor einigen Wochen die Mühe gemacht, ein Hornissenvolk zu retten, indem er es von Rödinghausen nach Bünde umsiedelte – auf sein eigenes Garagendach. „Ende August hatte ich einen Anruf von der Rödinghauser Feuerwehr bekommen“, erzählt er. Ein Ehepaar hatte dort ein Hornissennest im Jalousiekasten – und Angst. „Wenn eine Allergie gegen Wespenstiche vorliegt, ist das natürlich was anderes“, räumt Diebrok ein. Zumal die Tiere teilweise schon in der Wohnung unterwegs waren.„Nun können die Jungköniginnen im Frühling neue Völker gründen“ Der Naturschützer warf sich vor Ort in seine Imkermontur und saugte mit einem handelsüblichen Staubsauger sämtliche Tiere in einen mit Schaumgummi ausgepolsterten Kasten. Bei rund 200 Tieren dauerte das mehrere Stunden. Dann schnitt er das große, papierähnliche Nest aus dem Jalousiekasten und machte sich auf den Rückweg. Auf seinem Garagendach dockte er das Übergangsbehältnis an einen weiteren Kasten auf dem Dach, in dem er zuvor das Nest neu angebracht hatte. Nach und nach krabbelten die Hornissen in ihre neue Behausung. Nach mittlerweile vier Wochen lässt sich nun sagen, dass die Tiere die neue Umgebung akzeptiert haben und sich gut zurechtfinden. Friedhelm Diebrok freut sich: „Nun können die Jungköniginnen in Kürze zu ihrem Hochzeitsflug starten und im Frühling neue Völker gründen.“ So läuft das bei Hornissen. Biene Maja, Grashüpfer Flip und Spinne Thekla würden staunen.

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