Der Adler ist gelandet: Und zwar auf dem Kopf von Ulrich Henze. - © BÄRBEL KUHLMANN
Der Adler ist gelandet: Und zwar auf dem Kopf von Ulrich Henze. | © BÄRBEL KUHLMANN

Rödinghausen Die Kinder sollen wieder lachen

Hilfe für Tschernobyl: Kinder aus Weißrussland erlebten drei unvergessliche Wochen im Kreis Herford. Damit könnte nach 25 Jahren aber Schluss sein, denn dem Verein fehlen Geld und Mitglieder

Rödinghausen. 20 Kinder aus Belarus verlebten in den vergangenen Wochen einen Erholungsurlaub im Kreis Herford. Schon zum 25. Mal hatte der Verein "Kinder aus Tschernobyl in Herford e. V." eine Gruppe von Kindern mit zwei Betreuerinnen eingeladen. Zwei Wochen verbrachten die Kinder zunächst im Jugendgästehaus in Rödinghausen. Von dort aus starteten viele Aktivitäten. Auch anfangs ängstliche Kinder trauten sich ins Rödinghauser Freibad und hatten Riesenspaß auf den Rutschen im H2O in Herford. In ihrem Heimatdorf Brakowo und in der nächsten Stadt ist Schwimmen nicht möglich. Zum Programm gehörten ein Besuch auf dem Hof Dahrenmöller in Bünde-Ahle, im Holzhanderkermuseum in Hiddenhausen, die Landfrauen Rödinghausen hatten sich als Überraschung eine Planwagenfahrt ausgedacht und im Reitverein "Fredericus Rex" und auf dem Hof Rethemeier in Vlotho konnten die Kinder die Welt vom Pferderücken aus betrachten. Wanderungen im Wiehengebirge fanden auch bei Nieselregen statt und ein Lagerfeuer wurde leider durch Regen gelöscht. Nach zwei Wochen gingen die Kinder immer zu zweit in Gastfamilien, um deutsche Gewohnheiten besser kennenzulernen. Die ängstliche Erwartungshaltung der Kinder führte durchaus manchmal zu Tränen. Es gab jedoch bald ein Wiedersehen aller Kinder und Gastfamilien beim Picknick an den Externsteinen mit anschließendem Besuch der Adlerwarte in Berlebeck. Die Familien gaben sich alle Mühe, die Kinder zu verwöhnen und trotz der Sprachbarrieren, die teils mit Übersetzungsprogrammen per Handy oder mit Händen und Füßen gelöst wurden, wuchs ein vertrautes Verhältnis. Das Abschiedsfest fand an der Windmühle in Vlotho statt. Landrat Jürgen Müller hatte ebenfalls Geschenke für die Kinder mitgebracht und betonte, dass dem Verein mit den Vorsitzenden Klaus Wörmann, Dieter Gertmann und Sabine Sieker sowie den Gasteltern ein großes Dankschön gelte. Persönliche Kontakte seien zur Völkerverständigung sehr wichtig. Er sagte weitere Unterstützung zu, auch als Vorsitzender der Sparkassenstiftung, falls die Arbeit im nächsten Jahr fortgesetzt werden sollte. Die Stiftung übernahm die Finanzierung der Busreisen der Ferienkinder. Eine Fortsetzung wird laut Dieter Gertmann schwierig werden, da die finanziellen Mittel fehlen und einige Mitglieder sich aus Altersgründen zurückgezogen haben. Anderentags starteten dann die Kinder früh morgens mit dem Bus, gut ausgerüstet mit Fotos, Geschenken, Süßigkeiten, Essen und Trinken, zu ihrer zweitägigen Heimreise. Mit Wehmut wurden sie verabschiedet. Weitere Kontakte gibt es leider dann nicht mehr. Auf dem Lande herrschen sehr schwierige Verhältnisse. Arbeitslosigkeit der Väter und Alkoholkonsum sind an der Tagesordnung. Die Kolchose in Brakowo konnte ihre Arbeitskräfte mehrere Monate lang nur mit Gebäck bezahlen. Das erklärt auch, warum manche Kinder nur mit einem Rucksack und wenigen Habseligkeiten hier drei Wochen Ferien verbrachten. "Der Kinder wegen müsste diese Arbeit fortgesetzt werden", heißt es in einer Mitteilung. Dazu bedarf es aber neuer Mitglieder und Spenden. ZUM VEREIN Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk von Tschernobyl ein schwerwiegender Unfall. Die Menschen leiden seither unter den Folgen der radioaktiven Verstrahlung. Seit dem Sommer 1992 lädt der Verein "Kinder aus Tschernobyl in Herford e. V." jedes Jahr Kinder aus den verstrahlten Gebieten zu einem mehrwöchigen Erholungsaufenthalt ein.

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