Viel zu entdecken: Über dem Gartenteich steht der Kopf eines Drachens oder auch von Loch Ness, im Vordergrund weht eine Muschelkette im Wind. Viele kleine Wege führen durch den Garten von Christine und Wolfgang Grauwinkel. - © Anne Webler
Viel zu entdecken: Über dem Gartenteich steht der Kopf eines Drachens oder auch von Loch Ness, im Vordergrund weht eine Muschelkette im Wind. Viele kleine Wege führen durch den Garten von Christine und Wolfgang Grauwinkel. | © Anne Webler

Offenes Gartentor: Kleine grüne Oase in Kirchlengern

Offenes Gartentor: Christine und Wolfgang Grauwinkel haben auf 750 Quadratmetern einen naturnahen Garten geschaffen, in dem es jede Menge zu entdecken gibt. Sie geben gerne Tipps und beraten

Anne Webler

Kirchlengern. „Wenn Sie um die Ecke biegen, erkennen Sie unseren Garten schon", sagt Christine Grauwinkel am Telefon. „Der fällt auf." Und tatsächlich. Im Vorgarten stecken getöpferte Eisvögel und Spechte auf Eisenstangen, viele Formen aus gebranntem, bunt lasiertem Ton. Das Selbstgetöpferte von Christine Grauwinkel zieht sich durch den gesamten Garten, geht hinterm Haus aber eher unter im üppigen Grün: Der Garten gleicht einem Dschungel aus Pflanzen hiesiger Breitengrade, viele drei Meter hoch und höher, schmale Wege führen zwischen ihnen hindurch. Es ist ungewöhnlich, durch einen Garten zu wandeln, dessen Pflanzen einen um einiges überragen. Es macht aber auch den besonderen Charme des Kleinods aus, das Christine (67) und Wolfgang (72) Grauwinkel hier im Laufe von 40 Jahren geschaffen haben. Alte stämmige Kletterrosen ragen in den Himmel, zarte Clematisblüten durchziehen sie. Eine drei Meter hohe Kamelienhecke voller dunkelroter Blüten begrenzt den Garten nach Süden, auf der Nordseite wächst ein alter Pfirsichbaum, der unter der Last der großen Früchte im vergangenen Jahr auseinandergebrochen ist. Mittelpunkt des Gartens ist ein kleiner Teich, die Goldfische kommen hungrig an die Oberfläche, als Wolfgang Grauwinkel sie füttert. An vielen Stellen kann man sich niederlassen und die Seele baumeln lassen: Je nach Wetter und Hitze im Schatten neben den Küchenkräutern mit Blick auf den Teich, am Feigenbaum oder auf der Terrasse unter dem Sonnensegel. Auf der Terrasse stehen 70 Kakteen Dort findet sich die nächste Besonderheit: Grauwinkels sammeln Kakteen. 70 Exemplare stehen auf der Terrasse, überwiegend aus Teneriffa. „Ab Mitte Juni blühen sie in allen Rosa-, Pink- und Gelbtönen", erzählt die 67-Jährige. Ihr Mann werkelt gerne und recycelt alle möglichen Dinge. Holzschuhe hat er übereinander auf eine Eisenstange gesteckt und bepflanzt, ein altes Bauernhausfenster lehnt auf der Terrasse, daneben die uralte, fußbetriebene Nähmaschine der Ur-Großeltern. Die Grauwinkels möchten nicht nur Altes bewahren, auch die Natur liegt den NABU-Mitgliedern am Herzen. Vier Insektenhotels und drei Schmetterlingshäuser hängen neben Vogelhäuschen und einer tönernen Futterampel im Garten. Das Ehepaar behandelt die Blumen ohne Chemie, um die Insekten zu schonen. Das vom Haus- und Terrassendach ablaufende Regenwasser fangen sie in mehreren Tonnen auf und benutzen es zum Gießen. Der NABU war kürzlich da und hat sich das ausgeklügelte System von Wolfgang Grauwinkel erklären lassen. Christine und Wolfgang Grauwinkel beraten gerne andere Gartenfreunde, wie sie besonders kleine Gärten naturnah gestalten können. „Auch in einem kleinen Garten kann man viel für Vögel und Insekten tun", sagt Christine Grauwinkel. Ihr Garten beherbergt Igel, Molche, Kröten und viele verschiedene Vögel. Mehr als 300 Gäste holten sich im vergangenen Jahr beim Offenen Gartentor bei Grauwinkels Anregungen. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Schwierigkeiten bereitete einigen Gästen, dass ihr Navigationsgerät die Adresse nicht fand. In diesem Jahr werden Grauwinkels deshalb Schilder aufstellen. Und wenn man erst einmal um die Ecke biegt, sieht man sofort, welcher Garten einlädt.

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