Eine Pflegerin eines Seniorenpflegeheims geht mit einer Bewohnerin, die sich auf einen Rollator stützt, durch einen Gang. - © Symbolbild: picture alliance
Eine Pflegerin eines Seniorenpflegeheims geht mit einer Bewohnerin, die sich auf einen Rollator stützt, durch einen Gang. | © Symbolbild: picture alliance

Rödinghausen Rödinghausen in Pflegeplätzen vorbildlich

Senioren: Die Gemeinde bietet doppelt so viele vollstationäre Pflegeplätze an, als die anderen Kreiskommunen im Durchschnitt. Es fehlt jedoch an ambulantem Pflegepersonal

Anne Webler

Rödinghausen. Rödinghausen ist einfach in (fast) allem vorbildlich. In diesen Tagen befassen sich die Mitglieder der Kreisausschüsse und des Kreistags mit den Zahlen der vollstationären Pflegeplätze, der Kurzzeit- und Tagespflegeplätze sowie des ambulanten Pflegepersonals in allen Kreiskommunen. Dabei wird deutlich: Die Gemeinde Rödinghausen ist ein Musterschüler und legt die besten Zahlen vor. VOLLSTATIONÄRE PFLEGE 174 vollstationäre Pflegeplätze gibt es zur Zeit in Rödinghausen. Das sind 26,6 Plätze je 100 Ältere ab 80 Jahren und damit mehr als doppelt so viele als im Kreisdurchschnitt (12,9 Plätze je 100 Ältere ab 80 Jahren). "Damit sind deutlich mehr Plätze vorhanden, als im Jahr 2020 zur Gewährleistung der als angemessen eingeschätzten Versorgungssituation von 13,8 Plätzen je 100 Älteren benötigt werden", schreiben Dietrich Engels und Judith Franken vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) in Köln, das der Kreis Herford mit der Fortschreibung der kommunalen Pflegeplanung im Kreis Herford beauftragt hat. DER BERICHT Das Institut hatte erstmals 2015 sämtliche Pflegeplätze aller Kreiskommunen zusammengetragen und den Bedarf bis zum Jahr 2018 ermittelt. 2016 schrieb das ISG den Bericht fort und stellte den Bedarf bis 2019 fest, am 16. Januar hat es die Zahlen für 2017 vorgelegt und den Bedarf bis zum Jahr 2020 vorhergesagt. Die Ist-Zahlen stammen aus dem Dezember. Rödinghausen steht außerordentlich gut da. Im Jahr 2020 bräuchte es "nur" 100 Pflegeplätze vorzuhalten, es gibt heute aber schon 174 Plätze. An den vollstationären Pflegeplätzen bemängeln die Autoren nur, dass sie ausschließlich im Norden der Gemeinde liegen. KURZZEITPFLEGE Auch hier bietet Rödinghausen mit 22 Plätzen eine bessere Versorgung als der Kreisdurchschnitt. Und auch hier wird die aktuelle Anzahl an Plätzen auch im Jahr 2020 noch ausreichen. TAGESPFLEGE Tagespflegeplätze gibt es noch nicht in Rödinghausen. Um die kreisdurchschnittliche Versorgungsdichte des Jahres 2015 im Jahr 2020 zu gewährleisten, müssten vier Tagespflegeplätze eingerichtet werden. Das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik empfiehlt sieben Tagespflegeplätze. Für vier oder sieben Plätze lohne es sich jedoch nicht, eine eigene Einrichtung aufzumachen, schreiben die Autoren des Berichts. AMBULANTER PFLEGEDIENST Die Versorgung mit ambulantem Pflegepersonal ist der einzige Bereich, in dem Rödinghausen nicht gut abschneidet: In den ambulanten Pflegediensten sind zur Zeit 35 Mitarbeiter beschäftigt, das sind 5,4 Mitarbeiter je 100 Ältere ab 80 Jahren. Damit sind die Senioren in Rödinghausen ambulant schlechter versorgt als der Kreisdurchschnitt (7,8 ambulante Pflegekräfte je 100 Ältere ab 80 Jahren). Hier "besteht noch Entwicklungsbedarf", schreiben die Berichts-Autoren Engels und Franken. In drei Jahren müssten in Rödinghausen 22 ambulante Pflegekräfte mehr arbeiten, um die kreisdurchschnittliche Versorgung zu gewährleisten. Das Institut empfiehlt noch einen Mitarbeiter mehr vorzuhalten, also 23 mehr als heute. HERFORD REKORDHALTER AN AMBULANTEN PFLEGEKRÄFTEN Zur Ehrenrettung Rödinghausens und Einordnung lässt sich feststellen, dass außer Herford alle Kreiskommunen zu wenig ambulantes Pflegepersonal vorweisen können. Die Stadt Herford hält den Rekord an ambulantem Pflegepersonal: Es arbeiten 738 ambulante Pflegekräfte in Herford, das sind 16,3 Mitarbeiter je 100 Älteren ab 80 Jahren. Das sind sehr viel mehr, als das Institut empfiehlt: Laut Engels und Franken würden selbst im Jahr 2020 mit dann mehr Älteren über 80 Jahren 402 ambulante Pflegekräfte ausreichen. BERATUNG IM KREISTAG Der Sozialausschuss des Kreises berät in seiner Sitzung morgen Abend im Kreishaus über die Fortschreibung der Pflegeplanung im Kreis Herford, der Kreistag stimmt über die jüngste Fortschreibung des Berichtes am 16. März ab.

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