Die Gesamtschüler aus Rödinghausen sind überdurchschnittlich gut. Viele machen Abitur, obwohl sie von der Grundschule keine gymnasiale Empfehlung hatten. - © Fotos: Dunkel/DPA / Collage: Dunkel
Die Gesamtschüler aus Rödinghausen sind überdurchschnittlich gut. Viele machen Abitur, obwohl sie von der Grundschule keine gymnasiale Empfehlung hatten. | © Fotos: Dunkel/DPA / Collage: Dunkel

Rödinghausen Keiner verlässt die Schule ohne Abschluss

Bildung: Anfang des Monats gab es Halbjahreszeugnisse. An der Gesamtschule Rödinghausen sind die Schüler im NRW-Vergleich überdurchschnittlich gut

Anne Webler

Rödinghausen. An der Gesamtschule Rödinghausen erzielen die Schüler bessere Noten und höhere Schulabschlüsse als im NRW-Durchschnitt. In den Hauptfächern Deutsch und Mathe haben sie weniger Fünfen und Sechsen als der Landesdurchschnitt, dafür deutlich mehr Einsen und Zweien. Wer jetzt denkt, das Niveau an der Gesamtschule sei nicht so hoch wie beispielsweise an Gymnasien und an der Gesamtschule sei es leichter, gute Noten zu bekommen, der irrt. Die Prüfungen nach der 10. Klasse sind landesweit gleich, auch durch das Zentralabitur sind die Noten und Leistungen mit anderen Schulen vergleichbar. "Die Schüler machen hier nach den gleichen objektiven Vorgaben Abi, mit Co-Korrektoren usw.", sagt Carola Vollus (49), die stellvertretende Schulleiterin der Gesamtschule Rödinghausen. "Wir sind sehr stolz auf die Ergebnisse", sagt sie. Wie motivieren die Lehrer die Schüler zu diesen guten Leistungen? Die Schule investiert besonders in die fünften Klassen, um ihnen einen guten Start zu ermöglichen: Die Klassenlehrer der 5. absolvieren zusammen mit den Sozialpädagogen eine eintägige Fortbildung, um den Schulstart vorzubereiten. Diese Vorbereitung sei umfangreicher als an anderen Schulen, sagt Vollus. Pro Woche gibt es eine Klassengemeinschaftsstunde, in der Lehrer und Sozialpädagogen mit den Schülern erarbeiten, wie sie miteinander umgehen wollen. "Sozialpädagogen und Lehrer sind ein Team", erklärt Vollus. Die Lehrer unterstützen die, die langsamer lernen, und fordern die, die schneller lernen. In Klasse fünf und sechs greift ein umfangreiches Förder- und Forderkonzept. "Wir bekommen Kinder von zwölf verschiedenen Grundschulen", erzählt Schulleiter Andreas Hillebrand (55). Auch aus Niedersachsen, die nach niedersächsischem Lehrplan unterrichtet werden. In den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch haben die 5. und 6. Klassen eine zusätzliche Unterrichtsstunde pro Woche. Je nach Können werden die Klassen aufgeteilt. Jede Klasse bekommt bis zur Klasse Zehn zwei Klassenlehrer, das ermöglicht eine intensivere Betreuung. Ab Klasse Sieben gibt es die Grund- und Erweiterungskurse. "In den Grundkursen sind die Kinder, die mehr Förderung brauchen, in den Erweiterungskursen die, die schneller lernen", erklärt Hillebrand. Die Grundkurse sind mit etwa 20 Kindern kleiner, hier können die Lehrer mehr auf den Einzelnen eingehen. Die Erweiterungskurse sind mit etwa 25 Kindern größer, hier lernen die Kinder selbstständiger. "Wir stützen die schwächeren Schüler und festigen ihre Grundkenntnisse und führen die starken immer wieder an ihre Grenzen", sagt Hillebrand. Als er aufgrund des Pressegesprächs nicht sofort zum Unterricht erscheint, holen ihn zwei Jungen seines Englisch-Grundkurs im Sekretariat ab. Hillebrand gibt dem Kurs eine Aufgabe und kommt zurück ins Büro. Er ist stolz: Die meisten derjenigen, die an der Gesamtschule Abitur machen, hatten von ihren Grundschullehrern "nur" eine Realschulempfehlung, einige sogar eine Hauptschulempfehlung. Von 49 Abiturienten im Jahr 2017 hatten 26 eine Realschulempfehlung, 3 eine Hauptschulempfehlung, nur 8 hatten eine Gymnasialempfehlung. 12 der Abiturienten kamen aus Niedersachsen, dort gibt es keine Empfehlung für die weiterführende Schule. Alle Schüler machen an der Gesamtschule einen Schulabschluss, keiner verlässt die Schule ohne. "Die Schüler sind nicht so erfolgreich, weil wir alle geniale Pädagogen sind", winkt Carola Vollus ab. Vielmehr habe die Schule sehr günstige Rahmenbedingungen. "Wir haben sehr an der Bildung ihrer Kinder interessierte Eltern", erzählt Hillebrand. Alle sechs Wochen trifft er sich mit den vier Elternpflegschaftsvorsitzenden und bespricht aktuelle Probleme und Fragen, zum Beispiel auch über neues Lehrpersonal. "Eltern haben eine andere Sicht auf Schule." Es sei wichtig, sich regelmäßig auszutauschen.

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