- © Halsdorfer + Ingenieure Projekt GmbH Grafik: Schultheiß
| © Halsdorfer + Ingenieure Projekt GmbH Grafik: Schultheiß

Bürger wollen den Schulwald erhalten

Fachmarktzentrum: In Bruchmühlen hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet. Sie hat dem Bürgermeister sieben alternative Grundstücke vorgeschlagen. Zwei davon prüft die Gemeinde nun

Anne Webler

Rödinghausen. Vom Esstisch guckt Karl Hellmann über die Terrasse in den Garten und in den Schulwald, der ihn begrenzt. Zwei Drittel des Waldes sollen weichen, wenn das neue Fachmarktzentrum aus Lidl, Rossmann, Kik, Bäcker und Sanitärfachbetrieb an der Bruchstraße gebaut wird (die NW berichtete exklusiv). Auch wenn dieser Teil des Waldes stehenbleiben soll, sind Karl Hellmann und seine Söhne Tim und Jens trotzdem dagegen. Ihnen geht es um die Bedeutung des Waldes für den ganzen Ort Bruchmühlen. Ebenso wie Sven Adam von Edeka Adam und Horst Gottschalk, dem ehemaligen Geschäftsführer von L&S Deutschland in Rödinghausen, die nicht direkt am Schulwald wohnen. Die fünf haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und Kontakt zu Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer aufgenommen. Ende Januar schrieben Karl Hellmann und seine Söhne Jens und Tim einen gemeinsamen Brief an Vortmeyer. Daraufhin habe der sofort einen Gesprächstermin mit ihnen vereinbart, loben sie. Auf Vortmeyers Bitte hin schlugen sie ihm sieben alternative Standorte für das Einkaufszentrum vor. "An den anderen Standorten braucht man nicht einen Baum zu fällen" Die Grundstücke liegen alle an oder in der Nachbarschaft der Bruchstraße, zwei liegen 150 Meter weiter oben an der Bruchstraße, da sei „nur Wiese", sagt Adam. „Allen alternativen Standorten ist gemeinsam, dass man nicht einen Baum zu fällen braucht", sagt er. Denn das ist ihr Haupt-Kritikpunkt an den bisherigen Plänen: „Es ist der letzte Wald in Bruchmühlen", sagt Gottschalk. „Wir haben doch Alternativflächen in Bruchmühlen." Da müsse man doch nicht den Wald abholzen. Es gehe darum, die Lebensqualität und Erholungsmöglichkeiten im Ort zu erhalten, sagt Karl Hellmann. „Der Wald erfüllt eine wichtige Funktion", sagt Tim Hellmann. Er diene als Lärmschutzwand zur Bahnlinie und zur Autobahn. Ziehe Lidl wie geplant an die Bruchstraße, sei das der dritte Lidl-Umzug in Bruchmühlen, sagt Adam. Der erste Standort sei noch nicht wieder vollständig vermietet. „Wir können doch nicht Wald abholzen, um Hallen hinzustellen, die nur 10, 15 Jahre genutzt werden." Rossmann neben Edeka ansiedeln Dass sich der Textil-Discounter Kik ansiedeln will, sehen die Männer sehr kritisch. Kik lasse zu 98 Prozent in Indien und Bangladesch produzieren, nach dem verheerenden Unglück 2013 mit mehr als 1.000 Toten laufe ein Verfahren gegen das Unternehmen. Den Drogeriemarkt Rossmann halten sie für sinnvoll. Dafür brauche man aber kein ganzes Einkaufszentrum: Rossmann könne man zwischen der Sparkassenfiliale und Edeka ansiedeln. Da sei auch schon ein großer Parkplatz vorhanden. Sorge bereitet ihnen auch die Verkehrssituation an der Bruchstraße. „Wir haben heute schon ein Verkehrschaos", mahnt Adam. Er teile die Zeiten, zu denen die Schranke geschlossen ist, den Zulieferern mit, damit die Lkw nicht ewig vor der Schranke stünden und Staus verursachten. Die Einfahrt des neuen Fachmarktzentrums sei genau gegenüber der Einfahrt zu Aldi und Edeka geplant. Bei 4.000 Quadratmetern Wald, den die Gemeinde übrig lassen will, könne keine Rede sein von einem „Erlebniswald", sagt Jens Höpker. Als Polizist habe er die Erfahrung gemacht, dass Grünanlagen neben Märkten vor allem von Jugendlichen genutzt würden, die hier Alkohol konsumieren und Müll hinterlassen, und von Drogenabhängigen. Hinter dem Edeka-Markt stehe zur BMX-Bahn hin eine Bank, dort fänden sich Hinweise auf Drogenkonsum, es gebe „immense Anwohnerbeschwerden". "Nicht gleich Fronten aufbauen" Diese Hinweise habe Vortmeyer alle aufgenommen, lobt Adam. Überhaupt erwähnt die Interessengemeinschaft den Bürgermeister immer wieder positiv. Es seien „sehr offene, positive Gespräche" gewesen. „Wir wollen erst einmal mit dem Bürgermeister reden und nicht gleich Fronten aufbauen", sagt Adam. Sie hätten nichts gegen das Fachmarktzentrum, nur nicht an diesem Standort, sagt Tim Hellmann. Vortmeyer teilte ihnen am Dienstag mit, zwei der vorgeschlagenen Alternativen nun eingehend zu prüfen und ihnen bis Ende dieser, spätestens Anfang nächster Woche Bescheid zu sagen. Das wollen sie erst einmal abwarten.

realisiert durch evolver group