Hat kein Maß gefunden: Die Haushaltshilfe holte sich immer wieder Geld vom Konto ihrer Kundin. SYMBOLBILD: Marcus Brandt/dpa - © usage worldwide
Hat kein Maß gefunden: Die Haushaltshilfe holte sich immer wieder Geld vom Konto ihrer Kundin. SYMBOLBILD: Marcus Brandt/dpa | © usage worldwide

Bünde Haushaltshilfe hebt mit fremder Karte Geld ab

Im Amtsgericht: 37-jährige Bünderin mit vier Kindern muss sich verantworten. Verfahren wird vorläufig eingestellt. Auflage: 120 Sozialstunden in sechs Monaten

Meiko Haselhorst

Bünde. 4.000 Euro sind kein Pappenstiel. Das ist in etwa die Summe, die eine 37-jährige Bünderin im vergangenen Jahr von einem fremden Konto abgehoben hat. Mit einer fremden EC-Karte, verteilt über eine Woche. Dafür musste sich die vierfache Mutter gestern Morgen vorm Bünder Amtsgericht verantworten. Sabine T. (Name geändert) hatte und hat es im Leben nicht leicht – so viel wurde bei der Verhandlung in Saal 1 recht schnell deutlich. Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und „intellektuelle Minderbegabung“, wie ihr Verteidiger es formulierte, sind keine guten Voraussetzungen, in dieser Gesellschaft zu bestehen. Die Frau – ihr Mann ist arbeitslos, ihre vier Kinder leben allesamt nicht bei ihr – hatte in ihrem Leben schon häufiger diverse Delikte begangen, war seit 2012 aber unauffällig geblieben. Im Jahr 2017 hatte die (nach eigenen Angaben) gelernte Altenpflegerin als Haushaltshilfe bei einer älteren Frau gearbeitet. Offenbar hatte Letztere großes Vertrauen in Sabine T. – im Oktober 2017 lieh sie ihrer Haushaltshilfe die EC-Karte, gab ihr die dazugehörige Geheimnummer und schickte sie los, um Geld zu holen. Unter anderem sollte sie auch 200 Euro für sich selbst abheben – „als finanzielle Unterstützung für eine neue Waschmaschine“, erläuterte die Staatsanwältin im Amtsgericht. Einen Teil verspielte sie, den Großteil gab sie für ihre Familie aus Sabine T. beließ es aber nicht bei diesen 200 Euro, sondern hob 500 Euro für sich ab. Und weil das Vergehen zunächst unbemerkt blieb, borgte sie sich die Karte unbemerkt auch in den darauffolgenden Tagen – teils, um große Summen Bargeld abzuheben, teils, um größere Einkäufe mit der Karte zu bezahlen. Einen Teil der 4.000 Euro verspielte sie, den Großteil gab sie – nach eigenen Angaben – für ihre Familie aus. Sabine T., die auch eine gesetzliche Betreuerin hat, räumte nach dem Verlesen der Anklageschrift über ihren Verteidiger alle Vorwürfe umgehend ein. „Da gibt’s nichts zu beschönigen – es tut meiner Mandantin auch sehr leid, ein Großteil des Geldes ist bereits an die Geschädigte zurückgezahlt“, so der Jurist. „Ich würde mich so gerne bei der Frau entschuldigen, aber ich habe keinen Kontakt mehr“, beteuerte Sabine T., den Tränen nahe. Ihr Verteidiger brachte recht bald eine „verminderte Schuldfähigkeit“ ins Spiel, die Richterin bat um ein Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. "Sonst sehen wir uns hier wieder – und dann wird es nicht so gut für Sie ausgehen“ Nach etwa 15-minütiger Pause hatten sich die Juristen geeinigt: „Das Verfahren wird für die Dauer von sechs Monaten vorläufig eingestellt“, so die Richterin. Und an die Angeklagte gewandt: „Sie müssen in dieser Zeit 120 Sozialstunden bei einer entsprechenden Einrichtung absolvieren, sonst sehen wir uns hier wieder – und dann wird es nicht so gut für Sie ausgehen.“ Für den Fall, dass die Auflage erfüllt wird, wird das Verfahren von Seiten des Gerichts endgültig eingestellt. Sabine T.: „Ich mache das ganz bestimmt.“

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