Endlich Zeugnisse: Kinder der vierten Klasse jubeln mit ihren Zeugnissen in den Händen. Im Sommer wechseln Hunderte Viertklässler im Bünder Land auf Gymnasium, Real- oder Gesamtschule. Nicht alle werden auf der neuen Schule glücklich. - © Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Endlich Zeugnisse: Kinder der vierten Klasse jubeln mit ihren Zeugnissen in den Händen. Im Sommer wechseln Hunderte Viertklässler im Bünder Land auf Gymnasium, Real- oder Gesamtschule. Nicht alle werden auf der neuen Schule glücklich. | © Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bünde / Kirchlengern / Rödinghausen Schulempfehlungen: Sollen Grundschullehrer oder Eltern entscheiden?

Schulempfehlungen: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer überlegt, die Empfehlungen für die weiterführende Schule wieder verbindlich zu machen. Im Bünder Land gehen die Meinungen der Schulleiter auseinander

Bünde/Kirchlengern/Rödinghausen. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) überlegt, die Empfehlung der Grundschullehrer für die weiterführende Schule wieder verbindlich zu machen (die NW berichtete). Die Meinung der Schulleiter im Bünder Land ist gespalten. Freiherr-vom-Stein-Gymnasium „Die Gutachten sind eine sehr gute Empfehlung, weil Grundschullehrer die Kinder über einen langen Zeitraum intensiv begleitet haben", sagt Schulleiter Gunnar Woltering. Eltern sollten sich maßgeblich daran orientieren. Das Verhalten und die Entwicklung des Kindes seien aber als Ganzes zu sehen, so dass trotz einer eingeschränkten oder einer Realschul-Empfehlung der Wechsel auf ein Gymnasium erfolgversprechend sein könne. „Eine starre Verbindlichkeit wird manchen Schülerinnen und Schülern nicht gerecht." Gymnasium am Markt Sie habe sich noch kein abschließendes Urteil gebildet, sagt Leiterin Karin Stallmann. „Einige Kinder entwickeln sich spät und wären bei einer verbindlichen Empfehlung nie am Gymnasium gelandet." Die Grundschullehrer könnten die Kinder gut beurteilen. „Aber Spätentwickler lassen sich nicht vorhersehen." Die ehemals verbindliche Empfehlung habe man „aus gutem Grund" geändert. Dieses Thema „sollte man diskutieren, aber nicht schnell entscheiden". Erich-Kästner-Gesamtschule Auch Leiterin Antje Stuke möchte sich nicht festlegen. „Ich schätze die Erfahrung und Einschätzung der Grundschulkollegen", aber sie stellten eine Prognose aufgrund eines Ist-Zustandes auf. „Das Kind kann sich ganz anders entwickeln." Auf der anderen Seite könne sie gut verstehen, dass Eltern sich den bestmöglichen Schulabschluss für ihr Kind wünschten. Das gehe manchmal jedoch an den tatsächlichen Leistungen des Kindes vorbei und überfordere diese. Gesamtschule das Forscherhaus Reinold Stücke, Schuleiter der privaten Gesamtschule plädiert dafür, alles so zu lassen wie bisher. „Ich bin mit der bisherigen Lösung einverstanden", sagt er. Für die Eltern sei die Einschätzung von Seiten der Lehrer sicherlich hilfreich. „Aber letztendlich können sie sich selbst am besten ein Bild davon machen, was ihr Kind leisten kann." Gesamtschule Rödinghausen Die Empfehlung erfolge sehr früh, findet Leiter Andreas Hillebrand. Das müsse nicht sein und sorge für viel Unruhe bei Schülern und Eltern. Er glaube, dass eine verbindliche Empfehlung nicht weniger fehleranfällig sei. Zudem würde das den Druck auf die Grundschüler erhöhen. „Die Empfehlungen sind ein interessanter Indikator, den wir ernst nehmen." Realschule Bünde-Mitte Schulleiterin Marion Bienen hält eine verbindliche Empfehlung für sinnvoll. Ihrer Meinung nach könnten Lehrer die Kinder und die für sie geeignete Schulform besser einschätzen als die Eltern. Wenn sich das Kind an der Realschule positiv entwickele, könne es ans Gymnasium wechseln. „Die Durchlässigkeit ist gegeben." Realschule Bünde-Nord „Die Schule sollte bei der Entscheidung mitreden", findet Schulleiter Guido Broziewski Blomenkamp. Es sei ein schwieriges Feld. Auf jeden Fall müsse man die „Anmeldeflut an Gymnasien eindämmen". Es schade dem Selbstwertgefühl der Schüler, wenn sie nur Fünfen und Sechsen schrieben und womöglich an einer anderen Schulform besser aufgehoben wären.

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