Mit ganzem Herzen Landfrau: Margret Melchior kocht gerne Marmelade aus den Früchten aus dem Garten und verschenkt die Gläser mit dekorativem Stoff. - © Foto: Anne Webler
Mit ganzem Herzen Landfrau: Margret Melchior kocht gerne Marmelade aus den Früchten aus dem Garten und verschenkt die Gläser mit dekorativem Stoff. | © Foto: Anne Webler

Rödinghausen Landfrau aus Leidenschaft

Porträt: Margret Melchior gibt am Samstag nach acht Jahren ihren Vorsitz ab. "Die Landfrauen waren mein Leben", sagt sie

Anne Webler

Rödinghausen. Margret Melchior ist für andere Menschen da - in guten wie in schlechten Tagen. Sie liebt es, mit Kindern zu basteln und zu kochen, und wenn andere Hilfe brauchen, ist sie zur Stelle. Ab nächster Woche wird sie wieder mehr Zeit haben. Vor ein paar Tagen ist Margret Melchior 65 geworden. "Aus Altersgründen" scheidet sie aus dem Vorstand der Landfrauen Rödinghausen aus. Zwar habe der westfälisch-lippische Landfrauenverband die Altersgrenze für Vorstandsmitglieder von 65 auf 67 angehoben. Melchior bleibt aber bei dem, was sie entschieden hat. Zudem wird der Vorstand jeweils für vier Jahre gewählt. Mit Melchior hören auch zwei ihrer vier Stellvertreterinnen aus Altersgründen auf, Ursula Finke und Marianne Fischer. Insgesamt scheiden sechs der 13 Vorstandsmitglieder aus, Erika Schäffer, Veronika Kosiek und Marion Stephan hören "aus persönlichen Gründen" auf. Ein Coach kitzelte die Stärken jeder einzelnen heraus Nachfolgerinnen gebe es, auch in Zukunft werde der Vorstand aus 13 Frauen bestehen. Vor zwei Jahren haben Melchior und ihre Vorstandskolleginnen schon angefangen, sich um die Nachfolge zu kümmern. Auch von einem Coach holten sie sich Unterstützung, damit sich neue und alte Vorstandsmitglieder schnell finden. "Sie kitzelte die Stärken jeder einzelnen heraus", erzählt Melchior. Danach sagten alle: "Wir machen mit." Margret Melchior ist seit mehr als 30 Jahren Mitglied der Landfrauen. Man könnte sagen, sie ist eine geborene Landfrau: Sie wuchs auf einem Bauernhof in Bad Essen auf, ihre Eltern bauten Gemüse an. Sie machte eine Lehre zur Hauswirtschafterin und heiratete nach Bieren. Mit ihrem Mann Martin führte sie den Nebenerwerbsbetrieb, als Kraftfahrer war er jedoch ständig unterwegs. Sie kümmerte sich um die zwei Kinder, um Haus, Hof, die Ferkelzucht mit 25 Sauen, übernahm den Gemüseanbau und -vertrieb der Eltern. "Das war ein hartes Brot", erzählt Melchior. Damals geschah der Umbruch in der Landwirtschaft. "Kleine Höfe waren nicht mehr rentabel." Sie beendeten den Anbau, verpachteten das Land. "Gemeinschaft war wie ein Aufblühen für mich" "Durch Zufall" sei sie über eine Bekannte in der Gemüseabteilung des Marktkauf gelandet, arbeitete dort 28 Jahre, bis sie 2016 in Rente ging. Ihr Mann sei fünf Jahre älter und schon länger in Rente. Er sei Jäger und gehe darin auf. Ihnen gehört ein Stück Wald, in dem er Holz erntet, damit heizen sie. Seit 44 Jahren sind sie verheiratet. Margret Melchior tut unglaublich viel für andere. Sie liebt es, mit ihren Enkeln und anderen Kindern zu basteln oder Kekse zu backen, zu verarbeiten, was der Garten hergibt. Ihre demenzkranke Schwiegermutter hat sie vier Jahre lang gepflegt, auch ihre Eltern holte sie zu sich auf den Hof, als sie nicht mehr alleine konnten. Entbehrungsreiche Jahre. "Nach der Pflege waren das Positive bei den Landfrauen, die Gemeinschaft wie ein Aufblühen für mich. Die Landfrauen waren mein Leben." "Ich bekomme etwas zurück" Seit zwölf Jahren gehört Melchior dem Vorstand an, nach acht Jahren gibt sie den Vorsitz nun ab. Was sie mit der gewonnenen Zeit macht? Sie werde sich jetzt mehr um das große Haus und den großen Garten kümmern, sie sei sehr naturverbunden, sagt sie. Und "meine vier Enkelkinder sind mir ganz wichtig". Zwei leben mit Melchiors Sohn Markus (40) im Hause, zwei leben mit Tochter Manuela (43) in Bennien. Die ist auch bei den Landfrauen Rödinghausen. Im Offenen Ganztag der Grundschulen Bruchmühlen-Ostkilver und Bieren-Rödinghausen will Melchior wieder mitarbeiten, das hatte sie für die Vorstandsarbeit aufgegeben. Mit den Kindern im Schulgarten pflanzen und ernten, Bratäpfel zubereiten, Geschenke für den Muttertag und Geburtstage vorbereiten, "vorlesen wie bei Oma - einfach Zeit haben für die Kinder". Das macht ihr Spaß. "Es ist mir wichtig, mein Wissen weiterzugeben." Das ist keine Einbahnstraße: "Ich gebe etwas und bekomme etwas zurück." Margret Melchior ist mit so viel Begeisterung und Herzblut Landfrau, dass ihre Enkelin gesagt hat: "Oma, wenn ich groß bin, werd ich auch Landfrau."

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