„Wir haben alles getan“: Ballerina-Gründer Heinz-Erwin Ellersiek. Fotos (2): Kiel-Steinkamp - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
„Wir haben alles getan“: Ballerina-Gründer Heinz-Erwin Ellersiek. Fotos (2): Kiel-Steinkamp | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Rödinghausen Ballerina muss noch viele Bäume pflanzen

Naturschutz: Das Küchen-Unternehmen hat Ausgleichsmaßnahmen, die bei jeder Erweiterung festgelegt wurden, bis heute nicht umgesetzt – zum Teil seit 24 Jahren. Der Naturschutzbeiratsvorsitzende nennt das „skandalös“

Anne Webler

In der jüngsten Sitzung des Naturschutzbeirates des Kreises Herford kam zur Sprache, dass die Küchenfirma Ballerina aus Rödinghausen Ausgleichsmaßnahmen, zu denen sie sich bei den jeweiligen Erweiterungen teilweise vor Jahrzehnten verpflichtet hat, noch immer nicht umgesetzt habe. Die Gemeinde Rödinghausen sei zuständig, zu kontrollieren, ob die Maßnahmen umgesetzt werden, sagte Ullrich Richter, Vorsitzender des Naturschutzbeirates. Ballerina-Firmengründer Heinz-Erwin Ellersiek behauptet, es sei alles erledigt und spricht von „Verleumdung". Zum Thema geworden sind die Ausgleichsmaßnahmen durch eine Anfrage von Paul-Gerhard Scheding und Klaus-Hermann Pörtner, Mitglied und stellvertretendes Mitglied im Naturschutzbeirat. Die beiden Rödinghauser hatten im Oktober für die vorvergangene Beiratssitzung am 22. November beantragt, dass die Untere Landschaftsbehörde vorstellt, welche Ausgleichsmaßnahmen sie bei den größeren gewerblichen Bauvorhaben im Kreis Herford festgesetzt hat und inwieweit diese umgesetzt wurden. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass Ballerina erst einen verschwindend geringen Teil der Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt hat. Bei jeder Unternehmenserweiterung wurden im Bebauungsplan Ausgleichsmaßnahmen festgelegt. Die Bebauungspläne stammten aus den Jahren 1993, 1997 und Anfang der 2000er Jahre, sagte Karl-Heinz Diekmann, Leiter der Abteilung für Naturschutz und Regionalplanung beim Kreis Herford, auf Anfrage der NW. In den Bebauungsplänen legte die untere Landschaftsbehörde fest, dass die Firma Ballerina als Ausgleich für die Versiegelung durch die Erweiterung vier Flächen aufforsten soll: Drei Areale liegen in Ostkilver, eines im Ortsteil Rödinghausen. Zusammen sind sie etwa 6,5 Hektar groß. Darüber hinaus sollten 3,4 Hektar an der Else in Bruchmühlen in Feuchtwiesen mit Blänken umgewandelt werden. Das sei noch nicht geschehen, sagte Diekmann. Aufgeforstet seien lediglich 0,9 Hektar. Alle Flächen gehören Ballerina bereits, bis auf eine zur Aufforstung vorgesehene Teilfläche. Die müsse Firmenchef Heinz-Erwin Ellersiek noch erwerben, sagte Diekmann. Ellersiek könne in Abstimmung mit der Kommune auch eine andere Fläche in der Gemeinde Rödinghausen aufforsten. Die 0,9 aufgeforsteten Hektar stammten aus dem ersten Bebauungsplan von 1993. Sie stellten nur einen Teil der vor 24 Jahren festgelegten Ausgleichsfläche dar, die ansonsten nicht umgewandelt wurde, ebenso wenig die aus den nachfolgenden Bebauungsplänen. Das sei ein „erschreckendes Ergebnis" und „einzigartig im Kreis Herford", dass eine Gemeinde ihrer Kontrollaufgabe über viele Jahre nicht nachkomme und sich offenbar nicht dafür interessiere, ob die festgesetzten Ausgleichmaßnahmen umgesetzt würden, sagte Ullrich Richter, Vorsitzender des Naturschutzbeirates. Das seien „skandalöse" Vorgänge. Er nehme die Sache sehr ernst. Er werde das Thema ab sofort für jede Sitzung des Naturschutzbeirates auf die Tagesordnung setzen und nachhaken, bis die Vorgaben abgearbeitet seien. Setze Ballerina die Ausgleichmaßnahmen nicht um, werde er Anzeige bei der Kommunalaufsicht erstatten, dem Landrat. Wie die Gemeinde mit der Durchsetzung von Ausgleichsmaßnahmen umgehe, sei auch besonders mit Blick auf das geplante Häcker-Werk interessant. Die Gemeinde werde Kontakt aufnehmen zu Ballerina, so dass die Ausgleichsmaßnahmen bis Ende 2018 umgesetzt würden, sagte Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer. „Ich habe alles getan, was ich tun musste", sagte Ballerina-Gründer Heinz-Erwin Ellersiek auf Anfrage. Er finde es eine „Unverschämtheit", dass er nach etwas gefragt werde, was zwanzig Jahre zurückliege. Das Thema interessiere niemanden. „Irgendwelche Leute" stellten falsche Behauptungen auf. Er werde verleumdet. Die Kreisverwaltung solle ihre Unterlagen nochmal prüfen. Das tat Karl-Heinz Diekmann. Er schaute nach: 0,9 der 9,9 Hektar sind umgewandelt, der Rest noch nicht.

realisiert durch evolver group