Feiner Nebel: Die Pulverstation ist ein kleiner Raum mit drei offenen Seiten inmitten der Produktionshalle. Dort arbeitet Susanne Barth an der Sprühpistole. Um alle Ecken der Schalter zu benebeln, geht?s auch mal in die Knie. Immer häufiger wird Pulver genutzt, es ist kostengünstiger und umweltfreundlicher als Nasslack. "Doch man kann nicht alles damit abdecken", sagt Thomas Bredenkötter, Abteilungsleiter Oberflächen bei der Firma Steute. - © Ulf Hanke
Feiner Nebel: Die Pulverstation ist ein kleiner Raum mit drei offenen Seiten inmitten der Produktionshalle. Dort arbeitet Susanne Barth an der Sprühpistole. Um alle Ecken der Schalter zu benebeln, geht?s auch mal in die Knie. Immer häufiger wird Pulver genutzt, es ist kostengünstiger und umweltfreundlicher als Nasslack. "Doch man kann nicht alles damit abdecken", sagt Thomas Bredenkötter, Abteilungsleiter Oberflächen bei der Firma Steute. | © Ulf Hanke

Löhne Ein Tag als... Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik

Redakteurin Susanne Barth macht ein Mini-Praktikum bei der Firma Steute

Susanne Barth

Löhne. Es dröhnt. Beständig. Ein konstantes Brummen liegt in der Luft. "Das bleibt auch so", sagt Michell Heinrichmeyer. Der Azubi ist bei der Firma Steute im dritten Lehrjahr und hat sich an den Geräuschpegel längst gewöhnt. Wird es ihm zu laut, kann er auf seine "Ohrenpropfen" zurückgreifen. Die hat ein Arzt angefertigt, um das Dröhnen der Maschinen zu dämpfen. Alles andere als passend sind die weißen Handschuhe, die ich bekomme. Standardgröße. Ich friemele mich rein, die Spitzen bleiben frei. Zu schmal sind meine Frauenhände für die Männerbranche. Neun Mitarbeiter hat der Abteilungsleiter des Bereichs Oberflächen, Thomas Bredenkötter, unter sich: Alles Männer.Frauen fallen auf Da fällt eine Frau schon mal auf. Vor allem, wenn sie wie ich die Haare offen trägt. Immerhin habe ich auf ein Kleid verzichtet und mich dafür in arbeitstaugliches Gewand geworfen: Streifenshirt, kann auch dreckig werden, Jeans und Turnschuhe. Damit bin ich in der Welt der Schalter angekommen: Runde Schalter, eckige Schalter, Fußtrittmodule in zweifacher, dreifacher oder vierfacher Ausführung, Schalter für die Industrie oder Medizintechnik. Und alle diese Schalter kommen als Rohgehäuse bei Thomas Bredenkötter an und sollen beschichtet werden. Früher hieß der Job mal Lackierer. So einfach ist es nicht mehr. "Jetzt heißt es Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik, da steckt mehr hinter als nur ein Lackierer", sagt der Mann aus Kirchlengern. "Viel Chemie ist dabei." Und Abwechslung: "Bei uns ist noch viel Handwerk." Das merke ich schnell. Nach einem kurzen, informativen Gespräch mit dem Chef geht?s direkt ins Getümmel. Azubi Michell Heinrichmeyer nimmt mich an die Hand und erklärt mir seinen Job in der Lackiererei und Pulverei. Die Mitarbeiter ummanteln täglich Hunderte Schalter-Rohgehäuse mit der vom Auftraggeber gewünschten Farbe. Die Klassiker für die Industrie sind gedeckte Farbe in grau und schwarz, die Medizin wünscht sich reinliche Weißtöne. "Wir haben rund 300 Farben vor Ort und können auch unterschiedliche Strukturierungen erstellen", macht Heinrichmeyer die Vielfalt deutlich. Hochglanz, körnig oder glatt - alles kein Problem. Wöchentlich gehen bis zu 10.000 Schaltergehäuse durch die Hände von Bredenkötter und seinem Team.Alles läuft voll automatisch Bevor es an die Farbe geht, müssen Heinrichmeyer und ich die zu beschichtenden Rohteile erst einmal holen. "Die werden vorab gewaschen, das ist wichtig, denn sie müssen fettfrei sein", erklärt er mir und zeigt die riesige Waschmaschine. Hier läuft alles voll automatisch. In großen Körben lagern die Schalter, der Auftragszettel sagt den Arbeitern, wie sie beschichtet werden sollen. Der Auftrag sieht unspektakulär aus. Ein gut 15 Zentimeter langer, dunkelgrauer Kunststoffblock. Der soll lackiert werden, "mit Nasslack", sagt Heinrichmeyer und zeigt auf das Kürzel. Bevor der silberglänzende Lack aufgetragen werden kann, muss ich die einzelnen Teile an das Gehänge befestigen. Schön gleichmäßig mit Abstand. "Damit man beim Lackieren auch gut dran kommt", verrät mir der 27-Jährige. Die Aufhängevorrichtung läuft über ein Schienensystem durch den kompletten Raum. Und kann so bis in den heißen Ofen geschoben werden. Jetzt geht's zur Lackstation. Dafür ziehe ich die Handschuhe über. Die Überzieher sollen die Haut vor dem Material schützen. Heinrichmeyer macht?s vor. Gleichmäßig in fließenden Bewegungen besprüht er die Teile. "Hier probier du mal", sagt er und tritt einen Schritt zurück. Zielen, abdrücken, schießen: Ich stehe wie James Bond am Schießstand, meine Munition sind Druckluft und Farbe. Es ist immer das Gleiche: Anvisieren und durchdrücken. "Fester!", ruft Heinrichmeyer. Der 27-Jährige beobachtet mein Treiben und sieht, dass bei mir nur Luft raus kommt. Ich drücke fester und erhalte als Belohnung feinen Sprühnebel. Damit soll ich so präzise wie möglich den Lack auf dem Kunststoffschalter verteilen. Mit der Grundierung keine große Kunst. "Da kann man nicht viel falsch machen", sagt er und lacht. Für die eigentliche Lackschicht übernimmt der Profi: Soll ja schließlich gut aussehen.

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