Löhne Wenn Gleise zum Denkmal werden

Wiki Löhne: Zwei Meter Schiene, ein Weichensteller und etwas Schotter bilden an der Bahnhofstraße ein Denkmal der außergewöhnlichen Art

Felix Eisele

Löhne. Dass die Löhner Bahnhofstraße mit dem eigentlichen Bahnhof nichts zu tun hat, wissen geneigte Leser unserer Serie "Wiki Löhne" bereits. Und doch staunt so mancher Spaziergänger entlang der Obernbecker Verkehrsader nicht schlecht: Liegt dort nicht ein Stück Gleis am Wegesrand? Und das obwohl die Bahnschienen gut 500 Meter weiter südlich verlaufen? Tatsächlich ist es einmal mehr der Wallücker Willem, dem die Stadt Löhne das wohl kürzeste Schienenstück Ostwestfalens verdankt. Vor 80 Jahren nämlich dampfte die gleichnamige Kleinbahn an genau dieser Stelle, der Ecke Bahnhofstraße/Wallücker Bahnweg, noch mit 15 Stundenkilometern entlang. Zwar verschwand sie nach ihrem betrieblichen Aus im Dezember 1937 aus der Löhner Landschaft, nicht aber aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt, wie sich Jahre später zeigte. Es war im September 2001, als der Wallücker Willem anlässlich der Obernbecker 850-Jahr-Feier nach Löhne zurückkehrte. Nicht die Kleinbahn selbst, aber immerhin die Erinnerung. Gemeinsam mit dem Obernbecker Günther Willig hatte Egon Schewe, schon damals stellvertretender Bürgermeister, für das Gedenken gesorgt. "Der Willem drohte völlig in Vergessenheit zu geraten", gab er seinerzeit mit Blick auf die längst demontierten Gleise von einst zu Protokoll. Auch andere Überbleibsel entlang der Strecke wurden nicht gefunden. Lediglich in Erzählungen spielte die Kleinbahn hier und da noch eine kleine Rolle. "Dabei war sie doch ein wichtiges Stück Obernbeck", so Schewe. Ein Denkmal, so die Überlegung, sollte die Erinnerung schließlich aufrechterhalten. Infotafeln waren Schewe und Willig dabei allerdings zu wenig - etwas Handfestes musste her. Weil Originalgleise des Willems nicht mehr auffindbar waren, machten sich die beiden auf die Suche nach ähnlichen Schienen, mit einer Spurbreite von 600 Millimetern. Fündig wurden sie bei einem Eisenbahnverein in Gütersloh, der zwei Meter Gleis zur Verfügung stellte. Ein Weichensteller und einige Quadratmeter Schotter ergänzten die Beute schließlich zum großen Ganzen - fertig war das Denkmal für die einst so stolze Kleinbahn. 16 Jahre sind seit seiner Aufstellung nun vergangen. Und mittlerweile droht der Willem erneut in Vergessenheit zu geraten. Denn der Zahn der Zeit nagt auch am Denkmal. Und an den Infotafeln sowieso.

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