Revier der Wasservögel: Der Blutwiesensee ist der letzte Zipfel Naturschutzgebiet östlich der Nordumgehung. - © Ulf Hanke
Revier der Wasservögel: Der Blutwiesensee ist der letzte Zipfel Naturschutzgebiet östlich der Nordumgehung. | © Ulf Hanke

Löhne Löhne Wiki: Die Blutwiese ist seit 21 Jahren Naturschutzgebiet

Zum Ausgleich für die Nordumgehung hat das Land ringsum zehn Hektar Fläche renaturiert

Ulf Hanke

Löhne. Die Blutwiese ist ein ziemlich grüner Flecken Erde und war lange Zeit so etwas wie das Zonenrandgebiet im Osten der Stadt Löhne. Erst Anfang der 1990er-Jahre entdeckte die Politik das morastige Ackerland mit dem Anglerteich und machte es rechtzeitig vor dem Bau der Nordumgehung zum Naturschutzgebiet. Seinen Namen verdankt dieser Teil des Überflutungsgebiets der Werre einem blutigen Waffengang vor 256Jahren, dem Gefecht bei Gohfeld. Am 1. August 1759 massakrierten hier womöglich bis zu 10.000 alliierte Soldaten unter Braunschweigisch-Hannoverscher Führung etwa 4.000 französische Soldaten. Es war ein Scharmützel der Schlacht bei Minden, einem von mehreren Wendepunkten im Siebenjährigen Krieg, aus dem Preußen als europäische Großmacht hervortrat. Heute halten vor allem britische Soldaten, der König von England war zugleich Kurfürst von Hannover, das Gedenken an die Schlacht aufrecht. Wo genau der Kampf stattgefunden hat, ist noch immer unklar. Auf Karten aus dem Jahr 1837 ist jedoch in der Nähe des heutigen Haus Gohfeld ein Franzosenkirchhof, also ein Friedhof, verzeichnet. Gar nicht weit davon entfernt steht das 1921 errichtete Denkmal an der Börstelstraße. Blutwiesensee ist jetzt ein einsamer Naturzipfel Das Naturschutzgebiet Blutwiese dagegen liegt nördlich der Börstelstraße. Die eingetragene Naturschutzfläche ist 26,5 Hektar groß und besteht aus Erlenbruchwald, einem Tümpel und Feuchtwiesen, einer für diese Gegend typischen Auenlandschaft mit wasserliebenden Bewohnern. Im Jahr 2012 haben Bagger damit begonnen, eine Autobahntrasse durch die wasserundurchlässige Mulde der Werre-Niederung zu schaufeln. Insgesamt schneidet die Nordumgehung etwa sechs Hektar des Naturschutzgebiets von der restlichen Blutwiese ab. Vor allem der Blutwiesensee ist seitdem ein ziemlich einsamer Zipfel Natur im Osten. Allerdings gibt es Verbindungen zum restlichen Naturschutzgebiet: Sechs Tunnel sind unter der Trasse angelegt worden (Kostenpunkt: 130.000 Euro), durch die Amphibien von einer auf die andere Seite kriechen können. Und für Fledermäuse wurden extra hohe Gitter an den bekannten Fledermausrouten an der Autobahn aufgebaut, damit die nachtaktiven Flieger auf der Jagd nicht gegen Lastwagen knallen. Aufwertung als Ausgleich zur Autobahn Der Blutwiesenbach, über den Wasser in den Ostscheider Bach und dann in die Werre läuft, ist zudem erhalten. Der Bachlauf wurde extra für den Bau aufwendig umgelegt und schließlich unter einer winzigen Autobahnbrücke mitten im Naturschutzgebiet überbrückt. Unterm Strich verschlingt die Autobahn allein in der Blutwiese etwa sieben Hektar Naturschutzgebiet. Allerdings sind dafür auch ringsum zehn Hektar Fläche neu als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Ein Hektar der alten Blutwiese wird zum Ausgleich für die Autobahn zudem aufgewertet. Weite Teile des Ostscheider Bachs und seines Ufers zum Beispiel sind neu angelegt und bepflanzt worden und in den nächsten Monaten soll eine alte Bodendeponie südlich des Börstelkamps abgetragen und der dort vermutete Bauschutt durch weniger belasteten Boden ersetzt werden. Und nördlich vom Blutwiesendenkmal ist jetzt eine sechs Hektar große Feuchtwiese mit Blänken, kleineren Tümpeln, angelegt worden, in der womöglich Störche, derzeit vor allem Gänse zu Hause sind. Hier war zuvor Ackerfläche.

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