Haltestelle: Das Gasthaus Große-Wortmann war der Bahnhof für den Wallücker Willem. Heute steht an dieser Stelle das Seniorenzentrum an der Werre. - © Stadtarchiv
Haltestelle: Das Gasthaus Große-Wortmann war der Bahnhof für den Wallücker Willem. Heute steht an dieser Stelle das Seniorenzentrum an der Werre. | © Stadtarchiv

Löhne Löhne-Wiki: Bahnhofstraße ohne Bahnhof

Ungewöhnlich: Diese Straße ist relativ weit entfernt von der Bahnlinie. Wir erzählen, woher die Straße ihren Namen hat

Felix Eisele

Löhne. Bahnhofstraßen gibt es im Kreis Herford etliche. Die in Löhne aber kommt einem Kuriosum gleich. Denn anders als in den Nachbarkommunen, liegt die Bahnhofstraße gar nicht am Bahnhof. Im Gegenteil hat sie sogar herzlich wenig mit dem Anlaufpunkt von Nah- und Fernzügen zu tun. Ihren Namen verdankt die Straße daher auch eher nostalgischen Gründen, von denen heute nichts mehr übrig ist. Fast 80 Jahre sind vergangen, seit der „Wallücker Willem" seine letzte Fahrt durch Löhne unternahm. Von 1897 bis 1937 war die Kleinbahn zwischen Kirchlengern und dem Steinbruch Wallücke im heutigen Hille unterwegs. Zunächst nur als Transporter für Eisenerz gedacht, erfreute sich der Willem schon kurz nach seiner Jungfernfahrt auch wachsender Beliebtheit in der Bevölkerung. Insbesondere der Anschluss an den Nahverkehr sowie die ungefährliche Geschwindigkeit von maximal 25 Kilometern pro Stunde ließen seine Popularität in den anliegenden Ortschaften schnell steigen. Mit der Einführung von Personenwagen wurden entlang der Strecke auch die ersten Bahnhöfe eingerichtet – meist in Gaststätten, damit die Wirte den Fahrkartenverkauf übernehmen konnten. So auch in der Werrestadt, die damals an der Strecke der Kleinbahn lag. Die entsprechende Haltestelle fand man im Ortsteil Obernbeck – an einer Stelle, die schon damals knapp einen Kilometer vom eigentlichen Hauptbahnhof entfernt lag. In einem Zeitungsbericht von 1937 heißt es: „Es ist in der Tat nicht sehr bequem, von der Reichsbahn eine Viertelstunde laufen zu müssen, um den Bahnhof der Kleinbahn zu erreichen. (...) Hinter der Werrebrücke stoßen wir an der Straße nach Lübbecke auf die Schienen (...). Da steht auch das Schild: ,Wallücke-Bahn’ und darunter ,Löhne’. Und das ist schon der ganze ,Bahnhof’. Aber da hängt auch noch gegenüber am Gasthaus ein Fahrplan im gelben Holzkasten." Gemeint war die Gaststätte Große-Wortmann, die damals auch so etwas wie ein Bahnhofsgebäude darstellte. Und tatsächlich trug sie noch bis 1929 den Namen „Gasthof zur Wallücker-Bahn". Ihr verdankt die angrenzende Straße ihre heutige Bezeichnung als Bahnhofstraße. Und das, obwohl das Gasthaus schon lange nicht mehr steht: Nachdem es 2010 abgerissen wurde, entstand hier das Seniorenzentrum an der Werre.

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