Löhne Den alten Römern auf der Spur

Landesamt für Denkmalpflege forscht in Ostscheid auf 7.000 Quadratmetern nach 2.000 Jahre altem Lager

VON JÜRGEN NIERSTE
Dr. Daniel Berenger zeigt einige Keramikteile, die gestern in 80 Zentimetern Tiefe auf der Ausgrabungsstelle an der Börstelstraße gefunden wurden. Leider stammen sie nicht von den Römern, sondern aus heimischer Herstellung, urteilte Berenger nach kurzer Untersuchung mit Kennerblick.. - © FOTOS: JÜRGEN NIERSTE
Dr. Daniel Berenger zeigt einige Keramikteile, die gestern in 80 Zentimetern Tiefe auf der Ausgrabungsstelle an der Börstelstraße gefunden wurden. Leider stammen sie nicht von den Römern, sondern aus heimischer Herstellung, urteilte Berenger nach kurzer Untersuchung mit Kennerblick.. | © FOTOS: JÜRGEN NIERSTE

Löhne. Ein Römerlager aus Jahren der Zeitenwende auf Löhner Gebiet: Für Historiker wie Archäologen ist das gleichermaßen eine faszinierende Entdeckung. "Die Hinweise darauf verdichten sich", sagt Dr. Daniel Berenger hoffnungsvoll. Tatsächlich sind sie so konkret, dass der Leiter des Bielefelder Landesamtes für Denkmalpflege in Ostscheid auf einer sieben Hektar großen Fläche (7.000 Quadratmeter) Ausgrabungen vornehmen lässt. Bereits am ersten Tag der Arbeiten fanden sich gestern weitere Anzeichen.

Die Ausgrabungsfläche liegt zwischen Börstelstraße und Blutwiese auf der Trasse der Nordumgehung. Dieser Bereich wurden bislang immer nur mit der "Schlacht bei Gohfeld" im Jahre 1759 in Verbindung gebracht. "Tatsächlich verdanken wir die Hinweise auf ein Römerlager auch den Nachforschungen über die Schlacht von Gohfeld", so Daniel Berenger.

Der heimische Historiker Christian Luscher untersuchte das vermutete Gelände der Blutwiesenschlacht mit einer Metallsuchsonde. "Dabei fand er unter anderem eine römische Münze. Ich habe mich mit einem Spezialisten darüber unterhalten, der mir versichert hat, dass ein solcher Fund ohne ein Römerlager nicht vorstellbar ist", erläutert Daniel Berenger.

Auch eine Fibel - eine Spange, mit der römische Soldaten ihre Umhänge schlossen - wurde ganz in der Nähe an der Werre gefunden. "Im Heimatmuseum Bischofshagen ist seit längerem ein römischer Griff mit Medusenkopf ausgestellt. Dessen Fundort ist unklar. Für uns sind dies aber drei deutliche Hinweise, dass es hier wirklich ein Römerlager gab", so Berenger.

Die Ausgrabungsstelle ist nach seinen Angaben auch topografisch passend: "Sie liegt oberhalb der Werre und damit an einem möglichen wichtigen Verkehrsweg. Dabei ist sie gleichzeitig überflutungssicher. Das passt alles schon sehr gut."

Warum aber ist ein 2.000 Jahre altes Lager der Römer für Historiker so faszinierend? "Ein solcher Fund gibt uns allerhand zu verstehen", sagt Daniel Berenger, "wir können Rückschlüsse ziehen auf die Herangehensweise der Römer, ob sie mit Booten gefahren sind oder in Fußmärschen voran kamen." Solche Erkenntnisse wiederum lassen Schlussfolgerungen zu, welche Infrastruktur die Römer im alten Germanien vorfanden.

"Angeblich waren die Germanen zur Zeit von Christi Geburt ja nur Wilde, die auf Bäumen gehaust haben. Das stimmt zwar nicht ganz, aber wesentlich mehr wissen wir nicht über sie. Neue Informationen über die Römer würden uns auch Informationen über die alten Germanen liefern", erläutert Berenger.

Auf Anhieb stießen seine Mitarbeiter gestern in 80 Zentimetern Tiefe auf Verfärbungen im Unterboden. "Sie zeigen an: Hier war irgendetwas, vielleicht ein Abort oder eine Befestigungsmauer", sagt Grabungstechniker Andreas Madzialla. Einige Keramiksplitter - die laut Madzialla und Berenger allerdings eindeutig nicht von den Römern stammen - schüren die Hoffnungen auf weitere Funde.

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