Löhne Widerstand gegen Hermes-Pläne

Bürgerinitiative will Politik überzeugen und kündigt als letztes Mittel juristische Schritte an

Diese Darstellung der geplanten Halle wurde von Hermes-Vertretern während der Bürgerversammlung im Rathaus gezeigt. Sie wird  in den Leser-Kommentaren als geschönt und nicht der Realität entsprechend empfunden. - © Zeichnung: ECE
Diese Darstellung der geplanten Halle wurde von Hermes-Vertretern während der Bürgerversammlung im Rathaus gezeigt. Sie wird in den Leser-Kommentaren als geschönt und nicht der Realität entsprechend empfunden. | © Zeichnung: ECE

Löhne. Drei Rehe huschen über das Feld, kleine Waldstücke bieten ihnen und anderen Tieren Schutz. Eine Bürgerinitiative, die den Hermes-Bau im Gewerbegebiet Scheidkamp verhindern will, fürchtet nicht nur den Verlust dieser Idylle.

Anne Cathrin Delkeskamp, ihr Ehemann Daniel Laszig und Uwe Kleimeier sind als Anwohner am Leinkamp direkt von den Bauplänen betroffen. Sie haben die Initiative gegründet, die sich am Donnerstag zum ersten Mal getroffen hat. "Hier geht es nicht nur um uns. Vielen Löhnern ist wahrscheinlich gar nicht klar, welche Dimensionen und Auswirkungen das Bauwerk haben wird", sagt Anne Cathrin Delkeskamp. Uwe Kleimeier ergänzt: "Der Bau würde nur 300 Meter entfernt vom Rathaus entstehen, also eigentlich noch im Löhner Zentrum."

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Die Initiatoren der Bürgerinitiative wollen verhindern, dass Hermes an dieser Stelle baut. Viel zu überdimensioniert seien die Pläne. Zerschnitten werde nicht nur ein wertvolles Stück Natur. "Dafür wird dann sogar zum Teil ein Landschaftsschutzgebiet in eine Gewerbefläche umgewandelt. Das ist schon ein Ding", sagt Kleimeier. Jahre hätten dort noch nicht einmal Wohnhäuser gebaut werden dürfen, um eine Frischluftschneise zu erhalten.

Darüber hinaus befürchten die Löhner große Probleme durch den Lärm. "Dort soll 24 Stunden am Tag be- und entladen werden. Bei der angekündigten Lkw-Belastung findet dann alle zwei Minuten eine Lkw-Bewegung statt", fürchtet Daniel Laszig. Und das könne besonders nachts zu Problemen führen, wenn die Lkw aufgrund von mangelndem Licht die Tore nicht auf Anhieb treffen würden. "Lärmspitzen müssen beim Lärmgutachten nicht berücksichtigt werden." Und so könne es dazu kommen, dass zwar die Grenzwerte nicht überschritten würden, viele Menschen aber nachts senkrecht im Bett sitzen, weil die Lkw mit ihren Aufliegern gegen die Kanten knallen.

"Davon sind nicht nicht nur die unmittelbaren Anwohner betroffen. Der Lärm trägt weit. Auch der Helmsberg und die Lombsiedlung werden stark beeinträchtigt", vermutet Delkeskamp.

Der Bau würde nach Überzeugung der Gegner auch für Verkehrsprobleme sorgen. "Auch wenn die B61 an das Gewerbegebiet angebunden ist, ist das Problem der unmittelbaren Zufahrtsstraßen nicht gelöst", sagt Kleimeier. Dazu komme ein möglicher Pendelverkehr zwischen dem Hermes-Standort in der Falscheide, der erhalten bleiben soll, und dem neuen Gelände. "Der kürzeste Weg würde über den Meinertsweg und die Bergstraße führen", hat Anne Cathrin Delkeskamp herausgefunden.

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Die Fakten

Hermes plant, verschiedene Standorte in Löhne zusammenzulegen.

Es soll eine riesige Halle gebaut werden, die 480 mal 170 Meter groß wäre.

Sie soll paralell zur Bahn verlaufen.

Das Unternehmen will nach eigenen Angaben rund 65 Millionen Euro investieren und bis zu 1.000 Arbeitsplätze in Löhne sichern.

Noch steht die endgültige Entscheidung im Rat über das Projekt aus.

Den Gründern der Bürgerinitiative ist klar, dass es sich bei Hermes um einen von Löhnes wichtigsten Arbeitgebern handelt. "Uns hat aber bisher niemand sagen können, wieviele Mitarbeiter in Löhne wohnen", sagt Uwe Kleimeier.

Jetzt wollen die Gründer der Initiative die Politik ins Boot holen. "Wir hoffen, dass wir die Parteien im Rat auf unsere Seite ziehen können", sagt Daniel Laszig. Sollte das nicht gelingen, soll der Kampf dennoch weitergehen. Auch juristische Mittel werden nicht ausgeschlossen.

Klaus Wilmsmeier, ein weiteres Mitglied der Initiative, kritisiert das Verhalten der Stadtverwaltung mit Blick auf die Information der Bürger. "Die haben die Bürgerversammlung nur organisiert, weil sie rechtlich dazu verpflichtet sind. Es hätte viel früher informiert werden müssen. Dieses Vorgehen hat mit der vielzitierten Bürgernähe nichts zu tun."

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