Löhne Von Chinesisch bis Schwedisch

Sprachenangebot der Volkshochschulen stagniert: Die Löhner büffeln Englisch auf hohem Niveau

Stefanie Voß schreibt ihren Namen auf Chinesisch an die Tafel. - © FOTO: ULF HANKE
Stefanie Voß schreibt ihren Namen auf Chinesisch an die Tafel. | © FOTO: ULF HANKE

Löhne. Stefanie Voß reichen 26 Buchstaben, um auf Deutsch das Sprachenangebot der Volkshochschule (VHS) zu beschreiben. Auf Chinesisch könnte sie aus mehr als 5.000 Zeichen wählen. Ihren Namen kann sie immerhin schon unfallfrei an die Tafel malen, auch wenn sie einen großen Spickzettel nutzt. Die stellvertretende Leiterin der VHS ist Dozentin für Deutsch und Schülerin im Anfängerkurs Chinesisch.

So wie Stefanie Voß lernen derzeit 485 Löhner eine Fremdsprache an der Volkshochschule. Die meisten lernen Englisch. "Und zwar auf ziemlich hohem Niveau", sagt Voß. In vier Kursen büffeln 189 Teilnehmer in diesem Semester für unterschiedliche Zertifikate.

Anzeige

Platz zwei unter den gefragtesten Fremdsprachen in Löhne ist Deutsch. Was auf den ersten Blick verwundert, ist einfach zu erklären: Zur Zeit lernen 172 Migranten an der Volkshochschule Deutsch als Fremdsprache kennen. Darunter sind Ärzte, Krankenschwestern, Ehepartner oder Studenten, die in Löhne wohnen und mit den Ostwestfalen kommunizieren wollen. Die staatlich geförderten Integrationskurse teilt sich die Volkshochschule mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

In den fortgeschrittenen Deutschkursen sitzt ein syrischer Arzt, der vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen ist, ein Informatiker aus Ungarn, zwei US-Amerikaner mit deutschen Vorfahren, ein russischer Medizinstudent und ein weißrussischer Geschichtslehrer.

"Das ist unser bester Kurs", erzählt Stefanie Voß. Von 15 Teilnehmern hat nur einer nicht die B1-Prüfung für Deutsch geschafft. Dieses Zertifikat ist die Voraussetzung, in Deutschland arbeiten zu dürfen. Es bedeutet, dass die Prüflinge die Fremdsprache verstehen und eigene Gedanken ohne fremde Hilfe formulieren kann. Die Englisch-Schüler an der VHS sprechen auf höherem Niveau.

Alle anderen Fremdsprachen fallen deutlich ab. Auf Platz drei der gefragtesten Sprachen liegt Spanisch mit 44 Teilnehmern, gefolgt von Italienisch mit 33. Platz fünf erst belegt Französisch mit 19 Teilnehmern. "Das ist aber stark im Kommen", sagt Voß.

Norwegisch dagegen wird etwas weniger stark nachgefragt als in den Vorjahren und hat immerhin noch zehn Teilnehmer, gefolgt von Dänisch (7) und Schwedisch (5). "Der Bedarf an skandinavischen Sprachen ist erstmal gestillt", erklärt Voß die rückläufigen Zahlen. Viele Löhner hätten in den vergangenen Jahren versucht, ihr Lieblingsland durch einen Sprachkurs an der Volkshochschule kennen zu lernen.

Russisch ist mit sechs Teilnehmern in diesem Semester sogar etwas mehr gefragt als Schwedisch. Im kommenden Semester werden die osteuropäischen Sprachen erstmal pausieren. Zur Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen hatte sich tatsächlich ein Fußballfreund gezielt für Polnisch interessiert. "Orchideenfächer" nennt Stefanie Voß Sprachkurse in Löhne für Japanisch, Chinesisch oder Neugriechisch. "Das wird von einem harten Kern immer wieder nachgefragt", sagt Voß. Auf Kriegsfuß stehen die Löhner dagegen noch zu elektronischen Lernangeboten, die auch von der Volkshochschule im Internet angeboten werden. Dozenten können direkt über eine Plattform namens "moodle" elektronische Dokumente und Filmchen mit ihren Schülern austauschen.

Das ist nichts anderes als Hausaufgaben. Aber die werden ja auch ganz unelektrisch nur sehr ungern von Schülern jeder Altersklasse erledigt. Die VHS wappnet sich dennoch für die Zukunft und plant digitale Lehrbücher und Medien im kommenden Haushalt ein. Voß: "Der digitale Zug fängt jetzt erst sehr langsam an zu rollen."

Anzeige
Anzeige
Anzeige


realisiert durch evolver group