Ralf Witthaus mit einem Messgerät. Im Hintergrund sind die Sprühschirme zu sehen. - © FOTO: DIRK WINDMÖLLER
Ralf Witthaus mit einem Messgerät. Im Hintergrund sind die Sprühschirme zu sehen. | © FOTO: DIRK WINDMÖLLER

LÖHNE Die Durchbohrung der Welt

Ralf Witthaus sucht in seiner Heimat und in Neuseeland nach Flächen für ein außergewöhnliches Projekt

VON DIRK WINDMÖLLER

Löhne. Es ist beinahe so, als würde er zwei Enden der Welt suchen. Ralf Witthaus, bundesweit bekannter Rasenkünstler, bereitet ein ungewöhnliches Kunstprojekt vor: In Neuseeland und in Ostwestfalen will Witthaus, der in Löhne aufgewachsen ist, zwei Rasenflächen gestalten. Gestern war er in Löhne auf Standortsuche.

Hinter der Idee steckt das Gedankenspiel, das nicht nur Kinder gerne spielen: Wo kommen wir raus, wenn wir von Löhne aus ein gerades Loch durch die ganze Erde graben? Fast in Neuseeland. "Man würde zwar eigentlich im Meer landen, aber mein Vater hat mir diese Geschichte immer so erzählt. Und dieser Gedanke hat doch seinen Reiz", findet Witthaus, der sein Projekt ganz eingängig "Bohrloch" getauft hat.

Landwirt Fritz Bröer und seine Ehefrau Tertu Dannenbring haben von der Aktion in der NW gelesen und sind ganz begeistert. Spontan haben sie sich bei Witthaus gemeldet und bieten Flächen an, auf denen er sein Projekt verwirklichen könnte. "Hier, ein Stück von dem Gerstenfeld könnten Sie zur Wiese mit dazunehmen", sagt der 77-jährige Bröer. Er zeigt Witthaus beim Gang über sein Grundstück die Möglichkeiten für das Bohrloch-Projekt.

Auch diese Fläche würde Fritz Bröer anbieten.
Auch diese Fläche würde Fritz Bröer anbieten.

Dafür braucht Witthaus viel Platz. Rund 8.000 Quadratmeter groß muss die Fläche sein, auf der dann der Kreis mit einem Durchmesser von 100 Metern seine Wirkung entfalten soll. Witthaus sichtet verschiedene Flächen, auch in Bad Oeynhausen, Bielefeld und Herford. "Diese Orte haben mit meiner Biographie zu tun."

Unterwegs war Witthaus auch auf der Aqua Magica. Gemeinsam mit Geschäftsführer Norbert Steinmeier und Mitarbeiter Michael Scholz schreitet er mögliche Flächen ab. "Die Sprühschirme könnte ich mir gut als Teil des Projekts vorstellen", sagt er und blickt auf die Wiese mit den Schirmen.

Platz wäre auf der Aqua Magica und auch bei Fritz Bröer würden sich Flächen finden. Ob sie geeignet sind, kann Witthaus noch nicht entscheiden. "Alles hängt von Neuseeland ab", sagt der Künstler. In die Metropole Auckland wird er im Juli mit einem Team von acht Leuten fliegen. "Wahrscheinlich werden wir im botanischen Garten von Auckland eine Fläche gestalten." Diese Fläche ist Grundlage für die Entscheidung, welchen Ort Witthaus in Ostwestfalen auswählt. "Die Teile müssen zueinander passen", sagt Witthaus.

Der Künstler mäht mit einer Motorsense nicht einfach nur zwei Kreise in zwei Enden der Welt. Elemente, die Teil des ausgewählten Kreises im botanischen Garten in Auckland sind, sollen sich im Kreis in Ostwestfalen mit der Sense in den Rasen gezeichnet wiederfinden. Das können Hecken, Wege, oder auch Spielgeräte sein. So wäre dann eine Wiese in Westfalen ein Fenster zum anderen Ende der Welt.

"Die Herausforderung ist, an beiden Orten die ideale Fläche zu finden", sagt Witthaus. Sie müsse Raum für die Rasenzeichnung bieten, aber auch Elemente haben, die sich am jeweils anderen Ort gut in den Rasen zeichnen lassen. Vielleicht treffen diese Kriterien auf die Wiese von Fritz Bröer zu. "Ich würde mich freuen, wenn ich aus meinem Fenster auf ein Kunstwerk blicken könnte", sagt er.

Hauptsponsor von Ralf Witthaus ist ein deutsches Unternehmen mit Weltruf: Die Firma Stihl, die unter anderem Motorsägen und Motorsensen herstellt. "Ralf Witthaus erhebt alltägliche Arbeitswerkzeuge wie Rasenmäher und Motorsensen zu Kunstwerkzeugen. Die Entstehung seiner Rasenzeichnungen passt hervorragend zur Unternehmensvision von Stihl, den Menschen mit entsprechenden Produkten die Arbeit mit und in der Natur zu erleichtern", sagt Lars Klein. Er ist Referent für Sponsoring bei Stihl.

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