"Ingo" gab Einsichten in die Fritten-Kultur. - © FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER
"Ingo" gab Einsichten in die Fritten-Kultur. | © FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Löhne Fritten-Humboldt ohne Fritten

Jon Flemming Olsen aus "Dittsche - Das wirklich wahre Leben" zu Gast in der Stadtbücherei

VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Löhne. Die Fritteuse in der Eppendorfer Grillstation bleibt kalt, wenn Ingo hinter dem Tresen steht und gemeinsam mit Dittsche die vergangene Woche Revue passieren lässt. Ab und an öffnet Ingo seinem Stammgast ein Bier. Aber um Pommes, Currywurst und Buletten muss sich der Imbissbudenwirt nicht kümmern. Die tischte Jon Flemming Olsen auch bei seinem Gastspiel in der Stadtbücherei nicht auf.

Nach fünf Jahren hinter dem Hamburger Tresen hat sich Jon Flemming Olsen, bekannt als Ingo aus der TV-Serie "Dittsche", auf eine Reise durch die deutsche Welt der Imbissbuden gemacht. Seine Erlebnisse hat Olsen in dem Buch "Der Fritten-Humboldt: Meine Reise ins Herz der Imbissbude" zusammengefasst.

Viel gemeinsam haben Ingo und Jon Flemming Olsen auf den ersten Blick nicht. Ingo beobachtet hinter seinem Tresen und schafft es mit wenig Worten genau ins Schwarze zu treffen. Jon Flemming Olsen beobachtet ebenso genau, nutzt aber viele Details und feine Beobachtungen, um die Imbissbuden, Wirte, Mitarbeiter und Kunden, die er auf seiner Reise als Fritten-Humboldt kennen gelernt hat, seinen Lesern vorzustellen.

"Dabei bleibt er schnörkellos und schafft ein spannendes Buch, denn ich habe mich immer wieder gefragt, wie das Leben in den Imbissbuden, den eigenen kleinen Welten, wohl weiter geht", sagt Zuhörerin Sandra Hartmann, die als Anhängerin der WDR-Sendung "Dittsche - Das wirklich wahre Leben" schon Mal den Eppendorfer Grill in Hamburg besucht hat.

"Auch wenn die Serie Dittsche heißt, ist Ingo der wahre Hauptdarsteller", erklärt Sandra Hartmann, die sich gemeinsam mit Sohn Fabio auf das Buch freut. "Man kann Fan von Ingo und Fan von Jon Flemming Olsen sein", sagt Fabio Hartmann.

Zum ersten Mal kann sich der Musiker, Schauspieler und Grafiker Jon Flemming Olsen auch Autor nennen. Auf die Frage eines Zuschauers, womit er überhaupt sein Geld verdiene, antwortet Olsen in gewohnter Ingo-Manier. "Schlagen sie mir etwas vor."

Ebenfalls zum ersten Mal präsentiert Olsen sein Buch in einer Bücherei. "Hier finden Bücher ihr finales, aber auch flüchtiges Zuhause. Hoffentlich steht mein Buch hier auch irgendwann Mal", sagt Olsen, der seine 50 Löhner Zuschauer als Autor mit vielen Dialekten begeistert.

Einfach sei es nicht gewesen, die vielen Erlebnisse seiner Reise in einem Buch zusammen zufassen, sagt Olsen, der auf seiner 30-tägigen Reise in 16 verschiedenen Imbissbuden arbeitete, um seiner Rolle Ingo die Arbeit hinter dem Tresen näher zu bringen. "In jedem Bundesland habe ich mir eine Imbissbude ausgesucht", erklärt Olsen, der in "Lude’s Imbiss" in Schleswig Holstein seinen Imbissbuden-Sommer startete und ziemlich schnell Parallelen zu Ingo herstellen konnte.

"Viele Kunden erzählen ihre Lebensgeschichten eben am liebsten den Menschen, die nicht weglaufen können - Menschen hinter Imbissbuden-Tresen." Im Saarland, Olsens siebte Station seiner Reise, wirbt der "Imbiss Adolf Müller" mit einem großen, goldenen M. "Der kleine Mc Müller gegen den großen Mc Donalds. Seitdem muss Müller seinen Cheeseburger Hacksteak mit Käse nennen", erklärt Olsen.

Genau das gefällt Zuhörerin Birgit Hoffmann: "Die Befindlichkeiten von Menschen durch ihre Imbissbudenbesuche zu definieren ist eine großartige Idee", erklärt die Löhnerin, die ebenso wenig wie Jon Flemming Olsen oft in Imbissbuden zu Gast ist.

"Ich war schon immer ein Bratwurst-Fan, aber ein wirklicher Imbissesser bin ich nicht geworden", erklärt Olsen, der sich in seinem Buch auch nicht auf das Essen konzentriert, sondern die Menschen hinter und vor dem Tresen mit viel Empathie humorvoll beschreibt, ohne Witze auf ihre Kosten zureißen, weil "Ingo" eben einer von ihnen ist.

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