Last Action Heroes, Bad Oeynhausen, Haus der Jugend - © Ulf Hanke
Last Action Heroes, Bad Oeynhausen, Haus der Jugend | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen/Löhne Schwerpunkt Tanzen: 16-Jährige ist bei den„Last Action Heroes“ neu im Team

Allein unter Männern: Für Breakdance braucht es Körpergefühl, Kraft und Geschick. Die „Action Heroes“ schwitzen für den nächsten Wettbewerb

Ulf Hanke

In diesem Schwerpunkt sammelt die Bad Oeynhausener Redaktion eine Woche lang Artikel zum Thema "Tanzen". Die Beiträge drehen sich um Tanztee, Turniertanz, heimische Vereine, Ballett, Tanztrends und Breakdance. Dieser Artikel handelt von Bad Oeynhausens erfolgreichsten Straßentänzern. Löhne/Bad Oeynhausen. Die Luft im Übungsraum von Bad Oeynhausens erfolgreichsten Straßentänzern ist zum Schneiden. Es riecht nach einer Mischung aus Turnbeutel, Männerfuß und Deodorant. Die Fenster im Haus der Jugend beschlagen an diesem kalten Wintertag von innen, während die Jungs auf dem Übungsteppich die Windmühle machen und elegant wie Turner mit den Händen ihre eigenen Körper in die Luftstemmen. Alyssa Schnalke schaut zu. Noch. Die 16-Jährige ist nicht als Zuschauerin extra für diesen Abend aus Bad Salzuflen nach Bad Oeynhausen gereist. „Meine Mutter hat mich mit dem Auto gebracht", sagt sie. Alyssa will üben. Mit den großen Jungs. Ihre Mutter verbringt währenddessen die Zeit mit einem Einkaufsbummel. Und damit ist diese Geschichte vom Tanzen schon mitten im Thema. Hip-Hop und Breakdance sind nämlich eine ausgesprochen männlichgeprägte Tanzkultur, die wahrscheinlich in den 1970er Jahren im Schmelztiegel der USA, der Bronx von New York, entstanden ist. Der athletische Tanz fordert Kraft und Geschick. Junge Frauen und Mädchen tanzen zwar auch zu Hip-Hop und Funk. Aber kaum Breakdance. Bis ins internationale Finale getanzt An diesem Abend ist Alyssa also das einzige weibliche Wesen in einem Rudel Männer. „Rudel" – dieses Wort gefällt den Tänzern der„Last Action Heroes". Gruppe, Team oder Crew klingt irgendwie zu harmlos. Die „Action Heroes" proben schon eine ganze Weile im Haus der Jugend und haben im Jahr 2017 den wichtigsten nationalen Breakdance-Wettbewerb „Battle of the Year" gemeinsam gerockt. Sie sind gewissermaßen als Deutsche Meister im Breakdance zur Weltmeisterschaft gefahren und haben es immerhin bis ins internationale Finale geschafft. Gewonnen hat allerdings der Favorit, die japanische Gruppe „Flooriorz" noch vor den französischen „Vagabonds". Im Übungsraum steht das Action-Rudel inzwischen im großen Kreis auf dem gepolsterten Boden und feuert die 16-jährige Schülerin Alyssa Schnalke an. Alle Finger weisen auf die Mitte der Matte und Alyssa legt los. Die 16-Jährige macht die Windmühle, sie dreht sich auf Rücken und Schultern um die eigene Achse und hält die Beine in die Luft. Das kostet Körner, auch wenn alles rasend schnell geht. Kaum hat sich Alyssa gedreht, ist schon der nächste Tänzer in der Mitte der Matte und macht das gleiche auf den Händen. Am eigenen Stil feilen Als die Musik aus ist, gibt‘s noch beim Verschnaufen eine erste Manöverkritik. Reza Jaxon strahlt. Der Tänzer ist stolz auf seine Schülerin. Wie alle „Action Heroes" gibt auch Reza Breakdance-Stunden in den Tanzschulen in der Region. Er hat Alyssa nach Bad Oeynhausen geholt, damit seine Musterschülerin ein paar Extra-Übungseinheiten bekommt, sich bei den großen Jungs was abschauen und an ihrem eigenen Stil feilen kann. Passt das Mädchen in die Gruppe? Evgenij Zotov nickt: „Wir sind offen für alle." So ist der Hip-Hop und so ist der Breakdance. Es gibt keine Schranken. Huy Tran formuliert es so: „Es ist wie beim Hausbau. Nicht jeder ist gleich Maurer oder sogar Architekt. Es gibt auch erstmal viele Scheißarbeiten." Das Rudel kichert bei dem Vergleich und auch übers Gesicht von Alyssa huscht ein Lächeln. Übersetzt heißt das zwar für sie: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es bedeutet aber auch: Bei den Choreographien der „Action Heroes" kann die 16-Jährige schon mittanzen. Und je öfter sie das macht, desto besser wird sie als Solo-Tänzerin in der Mitte der Matte: Übung macht den Meister, auch im Breakdance.

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