Das Amtsgericht Bad Oeynhausen. - © Susanne Barth
Das Amtsgericht Bad Oeynhausen. | © Susanne Barth

Löhne Junger Familienvater würgt Freundin und bedroht Polizist

Ein 27-Jähriger ist durchgedreht, „weil alles perspektivlos war“. Vor Gericht zeigt er sich reumütig und kommt mit einer Geldstrafe davon. Mit der Freundin erwartet er das zweite Kind

Ulf Hanke

Löhne. Ohne Arbeit, ohne Geld und womöglich ohne Kontakt zu seinem Sohn: Ein 27-jähriger Familienvater aus Löhne hat im Juli 2016 den Boden unter seinen Füßen verloren. Im Streit mit seiner Freundin drehte er durch, würgte und trat die Mutter seines Kindes. Als sie die Polizei rief, griff er zum Messer. Vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen musste sich der junge Vater am Donnerstag wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung sowie Widerstands gegen Polizeibeamte verantworten und zeigte sich reumütig. „Zu dem Zeitpunkt war alles perspektivlos", sagte der Löhner, um zu erklären, warum er ausgerastet war: „Ich wusste nicht, wie ich Frau und Kinder ernähren sollte." Mehrfach bat er um Entschuldigung, „auch wenn nichts zu entschuldigen ist, was ich getan habe". Keine Erinnerung mehr an den Wortlaut Der Richter fragte nach dem Auslöser des Streits, doch der Angeklagte konnte sich nicht daran erinnern, hatte an dem Tag Cannabis geraucht und war offenbar ordentlich zugedröhnt, als er seine Freundin übel beschimpfte. „Ein Wort gab das andere", sagte er. An den genauen Wortlaut konnte er sich nicht erinnern und auch nicht mehr so richtig daran, dass er seine Freundin gewürgt, mit der Faust an der Schulter getroffen und mit dem Fuß am Oberschenkel verletzt haben soll. Seine Freundin dagegen bestätigte sämtliche Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft als Zeugin vor Gericht. Der Richter ging jeden Punkt einzeln durch: Haben Sie häufiger gestritten? Hat er sie gewürgt? Hat er sie geschlagen? Hat er ihnen weh getan? Hat er sie beleidigt, bedroht? Wortkarg bejahte die 29-jährige Mutter jede Frage des Richters. Den Griff zum Messer hatte sie nicht beobachtet. »Erschieß mich doch, mir ist eh alles egal« Allerdings erklärte die Mutter auch, dass ihr Freund sich inzwischen komplett geändert habe und beide eine „harmonische Beziehung" führten. Seit dem 1. April leben sie wieder in einer gemeinsamen Wohnung in einer anderen Stadt und erwarten ihr zweites gemeinsames Kind. Die Situation eskalierte im Juli 2016, als die von der Freundin herbeigerufenen Polizisten dem 27-Jährigen eröffneten, er müsse jetzt die Wohnung verlassen und dürfe die nächsten zehn Tage seinen Sohn nicht sehen. Da drehte der Vater vollends durch. Nach Darstellung eines Polizeibeamten lief der Löhner in die Küche, griff sich ein Keramikmesser und richtete es gegen den Polizisten, der hinterher gelaufen war. Der Polizist zog seine Dienstwaffe und hielt den Mann in Schach. Den Wortwechsel schilderte der Polizist vor Gericht. Demnach habe der Mann gerufen: „Erschieß mich doch, mir ist eh alles egal." Der Polizist, erfahren in der Abwehr von Messerangriffen, erwiderte sinngemäß und ziemlich kühl: „Das ist mir zu viel Schreiberei." Beeindruckendes Führungszeugnis Die Situation entspannte sich erst, als weitere Polizisten und ein Diensthund in der Wohnung des Paares ankamen. Der junge Vater legte das Messer weg, ließ sich vor der Tür auf weitere Waffen durchsuchen und fesseln. Der Richter wertete das Geständnis und die Reue des jungen Familienvaters strafmildernd. Auch, dass er mit seiner Freundin eine „harmonische Beziehung" führe, beide ihr zweites Kind erwarteten und er inzwischen eine feste Arbeitstelle als Kommissionierer habe, hielt ihm der Richter zugute. Allerdings hat der 27-Jährige in den vergangenen fünf Jahren ein beeindruckendes Vorstrafenregister, vor allem wegen Erschleichens von Leistungen, angesammelt. Er ist einschlägig wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vorbestraft. Das Gericht verurteilte den 27-jährigen Vater deshalb zu einer empfindlichen Geldstrafe von 90 Tagessätzen á 20 Euro, die Anklagevertreterin hatte 100, der Verteidiger 80 Tagessätze gefordert.

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