Einstürzende Altbauten: Durch den Druck der Explosion und die stürzende Fahrbahn werden die Stoffbahnen, die im Bereich der Pfeiler aufgehängt wurden, aufgebauscht wie eine Welle. Ohne diesen Schutz wären die Brocken mehrere 100 Meter weit geflogen. - © Steffen Krause
Einstürzende Altbauten: Durch den Druck der Explosion und die stürzende Fahrbahn werden die Stoffbahnen, die im Bereich der Pfeiler aufgehängt wurden, aufgebauscht wie eine Welle. Ohne diesen Schutz wären die Brocken mehrere 100 Meter weit geflogen. | © Steffen Krause

Löhne Abschied mit Kawumm: Brückensprengung in Löhne

Sudbachtal: Straßen NRW lässt die Brücke an der Bundesstraße 61 spektakulär zusammenbrechen. 40 Kilo Sprengstoff sorgen dafür, dass die 2.500 Tonnen schwere Fahrbahn zehn Meter tief ins Tal kracht

Jörg Stuke

Löhne. Das Ende kommt mit kraftvoll dumpfem Grollen. Einen Wimpernschlag lang zittert der Boden im Sudbachtal. Dann ist die marode Brücke der B 61 Geschichte. Oliver Marks, Sprengmeister aus Meißen, hat die vier Pfeiler der Brücke mit 40 Kilogramm Sprengstoff pulverisiert. Ihrer Stützen beraubt, krachte die 2.500 Tonnen schwere Fahrbahn der Bundesstraßenbrücke zehn Meter tief ins Tal. Genau so, wie es die Fachleute der Abbruchfirma TVF Altwert geplant hatten. Eine Woche lang hatten Marks und seine Kollegen die Sprengung vorbereitet. In jeden der vier runden Brückenpfeiler hatten sie 1,35 Meter tiefe Löcher gebohrt, die dann am Montag mit dem Sprengstoff Eurodyn 2000 gefüllt wurden. "1,2 Kilo pro Loch, insgesamt rund 40 Kilo", berichtet Marks. Gestern dann wird es ernst. Um 14.35 Uhr lässt Roland Domke, Regionalleiter bei TVF, die Drucklufthupe einmal lang und kräftig tröten. Die Baustelle muss in einem Umkreis von 200 Metern geräumt werden. 20 Minuten später die letzte akustische Warnung. Zwei kurze Huptöne. Oliver Marks kontrolliert aus sicherer Entfernung noch einmal die Kabel, die zu den 32 Zündern in den Brückenpfeilern führen. Alles okay. Dann beginnt Domke zu zählen. ". . . drei, zwei, eins." Kawumm. Es ist ein mächtiges Dröhnen, das von dem 200 Meter entfernten Zerstörungswerk kündet. Kurz bebt der Boden unter den Füßen der Beobachter. Dann steigt weißer Staub auf. Domke, Marks und Projektleiter Jens Kemper wagen sich vor zur Sprengstelle. Nach fünf Minuten kommt abermals ein Hupsignal: Alles in Ordnung. Dem Sprengmeister ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. "Wunderbar", sagt Marks. "Es hat alles geklappt wie geplant." Die vier Brückenpfeiler hat der Sprengstoff zusammenbrechen lassen, den Rest erledigt die Schwerkraft. Die Brückenfahrbahn aus Stahlbeton, 2.500 Tonnen schwer, ist herunter ins Sudbachtal gekracht. An drei, vier Stellen ist der Brückenaufbau gerissen, ansonsten wirkt das stattliche Trümmerteil noch recht intakt. "Jetzt haben wir es auf Schreibtischhöhe", flachst Sven Johanning, Pressesprecher von Straßen NRW. Tatsächlich sei der weitere Abriss nun, da die Brücke am Boden liegt, deutlich leichter als ein konventioneller Abbruch, bestätigt Kemper. Zu tun gibt es aber noch genug für die Abrissexperten. "Etwa vier Wochen wird es dauern, bis die Brückentrümmer zerkleinert und abtransportiert sind", schätzt der Projektleiter. Gut 50 Jahre ist die Sudbachtalbrücke alt geworden. "Das ist für ein solches Bauwerk enttäuschend wenig", findet Johanning. Doch als die Brücke 1966 fertiggestellt wurde, habe niemand mit solchem Verkehr gerechnet. Dabei sollte der kurze Abschnitt der B 61 zwischen A 30 und Koblenzer Straße ursprünglich sogar eine Autobahn werden. Doch der Plan einer A 5 von Gießen nach Bremen wurde rasch wieder beerdigt. Eine Sanierung der Sudbachtalbrücke wäre unwirtschaftlich gewesen, erklärt Johanning. Die Sprengung gestern war der erste Schritt zum Neubau.

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