ARCHIV - Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand (Archivfoto vom 08.10.2012). Die EU-Justizminister treffen sich am Donnerstag (23.01) zum informellen Treffen in Athen (Griechenland). - © Foto: David Ebener/dpa (zu dpa-Vorrausmeldung vom 22.01.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand (Archivfoto vom 08.10.2012). Die EU-Justizminister treffen sich am Donnerstag (23.01) zum informellen Treffen in Athen (Griechenland). | © Foto: David Ebener/dpa (zu dpa-Vorrausmeldung vom 22.01.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Löhne Melbergener Zwillinge: Verteidiger stellen Befangenheitsantrag

Das Gutachten zur Schuldfähigkeit wird mehrere Monate Zeit brauchen. Der Prozess wird wohl neu aufgerollt

Ulf Hanke

Löhne. Die polizeibekannten Zwillinge aus Melbergen werden sehr wahrscheinlich erst in vielen Monaten erneut vor ihrem Richter stehen. Das Gericht ist auf der Suche nach einem geeigneten Gutachter, der die Schuldfähigkeit der Brüder untersuchen soll. Diese Begutachtung braucht Zeit. Zudem erklärte Rechtsanwalt Achim Depenbrock gegenüber der NW, Befangenheitsantrag gegen den Jugendrichter zu stellen. Der Verteidiger sieht die Gefahr, dass die Zwillinge „kein faires Verfahren" bekommen. Über den Antrag muss ein anderer Richter des Amtsgerichts entscheiden. Die Verhandlung am Mittwoch war bereits auf Wunsch der Verteidigung unterbrochen worden, weil Jugendrichter Werner Meier als Amtsgerichtsdirektor unter anderem mit der NW über den anstehenden Prozess gesprochen hatte. Zeugen müssen noch einmal aussagen Wann die Zwillinge erneut vor Gericht müssen, ist unklar. Zuvor soll ein Gutachter die Schuldfähigkeit der Brüder untersuchen. Ein Vertreter des Jugendamts hatte den beiden „massive Entwicklungsverzögerungen" bescheinigt. Der Gutachter soll klären, ob die Brüder tatsächlich die geistige Reife ihres biologischen Alters haben (beide sind 19 Jahre) und ob sie überhaupt erkennen können, wenn sie Unrecht begehen. Angesichts der großen Nachfrage nach Kinder- und Jugendpsychiatern wird der Prozess gegen die Zwillinge deshalb wohl neu aufgerollt werden müssen, weil entsprechende Fristen zur Fortsetzung der Gerichtsverhandlung dann womöglich nicht eingehalten werden können. Das bedeutet: Sämtliche Zeugen dürften in mehreren Monaten noch einmal aussagen. „Wir wollen, dass ihnen und uns geholfen wird" Für die Nachbarschaft in Melbergen, aber auch für das angeklagte Brüderpaar, bedeutet das weitere Monate Ungewissheit. Und für die Sicherheitsbehörden komme womöglich weitere Arbeitsbelastung hinzu. Die Polizei hatte wegen der Zwillinge zusätzliche Kontrollfahrten in Melbergen durchgeführt und immer wieder das Gespräch mit dem Brüderpaar gesucht. Das hatte ein leitender Polizeibeamter im Prozess erklärt. Zuletzt war dieser Beamte am Montag, also zwei Tage vor dem Gerichtstermin, von der Pflegemutter der Zwillinge zur Hilfe gerufen worden. Die Interessengemeinschaft „Pro Kind Melbergen" erinnerte am Tag nach dem Prozessabbruch an mutmaßliche Sexualstraftaten der Brüder. Mehrere Anzeigen seien seit Jahren gestellt, aber bisher nicht zur Anklage gebracht worden. „Wir sind froh, dass wir ernst genommen werden und der Stein ins Rollen gekommen ist", sagte Katharina Stausberg am Mittwoch. Nach Einschätzung von Tim Tertocha sind die Zwillinge „tickende Zeitbomben" in direkter Nachbarschaft zu einem Schulzentrum. „Pro Kind" habe sich Aufklärung über die Brüder zum Ziel gesetzt. Tertocha: „Wir wollen, dass ihnen und uns geholfen wird." Die Verteidiger der Zwillinge erkennen darin jedoch Anzeichen für „eine Hexenjagd", so Rechtsanwalt Achim Depenbrock.

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