Seltenes Ereignis: Pressesprecher von Straßen NRW, Sven Johanning, erinnert sich an die letzte Sprengung in der Region. Anfang der Achtzigerjahre wurde so die alte Weserbrücke in Vlotho abgerissen. - © Susanne Barth
Seltenes Ereignis: Pressesprecher von Straßen NRW, Sven Johanning, erinnert sich an die letzte Sprengung in der Region. Anfang der Achtzigerjahre wurde so die alte Weserbrücke in Vlotho abgerissen. | © Susanne Barth

Löhne Zehn Arbeiter bereiten Sprengung der Sudbachtalbrücke vor

Eine Sanierung des Bauwerks war laut dem Landesbetrieb Straßen NRW nicht mehr wirtschaftlich. Die Spannbetonbrücke der B 61 muss weichen. Sprengung und Neubau kosten 4,5 Millionen Euro. Wann gesprengt wird, wird aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben

Susanne Barth

Löhne. Auf vier Betonpfeilern ruht die Sudbachtalbrücke. Aber nicht mehr lange. „Das Bauwerk aus den 70er-Jahren ist kaputt", sagt Pressesprecher von Straßen NRW Sven Johanning. Der Landesbetrieb lässt die Brücke abreißen, da eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich ist. Zehn Arbeiter bereiten aktuell alles für die Sprengung der Brücke vor. Aus Sicherheitsgründen nennt Johanning nicht den genauen Zeitpunkt der Sprengung. Nur wenige Sekunden dauert es, dann soll die Brücke in sich zusammen fallen. Oliver Marks wird den Knopf drücken. Er ist der Sprengverantwortliche und bereitet das Ereignis schon seit Monaten vor. Mehr als 70 Sprengungen hat der Meißener schon geleitet – europaweit. Und damit auch in Löhne alles reibungslos verläuft, sind zehn Mitarbeiter für die Vorbereitungen zuständig. „Am Sprengtag selbst sind 15 Leute im Einsatz." 99 Meter lang ist die Brücke 10 Meter hoch und 99 Meter lang ist die Sudbachtalbrücke. Schon im Jahr 2015 hat Straßen NRW die vierspurige B 61 auf zwei Spuren verengt, damit die Brücke entlastet wird. Jetzt muss das Bauwerk ganz weichen. „Eine Sanierung lohnt sich finanziell nicht", sagt Johanning. Etliche Spannbetonbrücken aus den 70er-Jahren hat Straßen NRW überprüft. „Es wurde statisch nachgerechnet und herausgefunden, dass die Sudbachtalbrücke nicht mehr tragfähig ist", erklärt Johanning. Zu groß seien die Schäden, die der Verkehr verursacht hat. „Das kann die Brücke nicht mehr verkraften. Dass der Güterverkehr so immens zunimmt, war beim Bau nicht absehbar." Straßen NRW hat sich für eine Sprengung entschieden, „weil es schneller geht". Seit Montag ist dafür die Firma TVF Altwert aus Cottbus vor Ort. Zur Vorbereitung bohren Mitarbeiter in die vier fast zehn Meter hohen Betonpfeiler dicke Löcher. Acht Stück an der Zahl pro Pfeiler und jeweils 1,35 Meter lang sind die Vertiefungen, in denen erst am Morgen vor der Sprengung der Sprengstoff gesteckt wird. Das Eigengewicht lässt die Brücke brechen Dafür nutzt der Sprengverantwortliche Oliver Marks Eurodyn 2000. Das ist ein hochbrisanter, kapselempfindlicher Gesteinssprengstoff auf Nitroglykolbasis. Er hat eine rote Farbe und eine weiche Konsistenz. Marks: „Er sieht aus wie Mettwurst." Laut Marks reicht es aus, den Sprengstoff in die Löcher der Brückenpfeiler zu geben. „Durch das Eigengewicht der Brücke wird der Rest brechen", so der Experte. Wie viel Sprengstoff er nutzt, legt der Verantwortliche nicht offen. Damit niemand zu Schaden kommt, lässt der Sprengmeister um die Brücke herum einen 200 Meter Radius absperren. Die Polizei evakuiert dafür Häuser der Straßen Mühlensiek und Im Buchholz. Das muss mindestens eine halbe Stunde vor der Sprengung passieren. Zusätzlich ertönt ein akustisches Signal, so dass alle Beteiligten wissen, dass es bald los geht. Sprengung und Neubau für 4,5 Millionen Euro An verschiedenen Stellen positionieren sich Polizei, Feuerwehr und Mitarbeiter der Sprengfirma, und halten stetigen Kontakt mit Marks. Fünf Minuten vor der Sprengung erklingen zwei Signaltöne. „Gibt es Informationen aus dem Sperrkreis, das irgendwas nicht stimmt, wird sofort abgebrochen", sagt Marks. Kann er sprengen, zählt er die letzte Minute laut herunter und drückt erst dann den Knopf. Damit ist die Arbeit aber noch nicht beendet. „Der Schutt muss abgetragen werden", sagt Johanning. Dafür ist extra eine Baustraße aus dem Sudbachtal hoch zur B 61 angelegt. Bis Ende des Jahres dauert der Abtransport, schätzt der Pressesprecher. „2018 geht es dann sofort mit dem Neubau weiter." Laut Plan soll die neue Brücke Silvester 2018 stehen. „Darüber fahren ist dann aber noch nicht möglich." Erst müsse noch der Asphalt verlegt werden. Und auch die Fahrbahn vom Kreisel an der Koblenzer Straße bis zur A 30 werde noch saniert. Mitte 2019 peilt Straßen NRW die Fertigstellung an. Sprengung und der Neubau der Brücke kosten allein 4,5 Millionen Euro.

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