Standort Schillenbrink: Hier will sich Hermes Fulfilment künftig auf schwere Waren konzentrieren. ArchivFoto: Dirk Windmöller - © Dirk Windmöller
Standort Schillenbrink: Hier will sich Hermes Fulfilment künftig auf schwere Waren konzentrieren. ArchivFoto: Dirk Windmöller | © Dirk Windmöller

Löhne Hermes Fulfilment kündigt 17 Mitarbeiterinnen

Am Standort Schillenbrink setzt das Logistik-Unternehmen künftig ausschließlich auf schwere Waren

Felix Eisele

Löhne. Mit betriebsbedingten Kündigungen reagiert Hermes Fulfilment auf die aktuelle Entwicklung im Logistikbereich: Obwohl sich das Unternehmen weiter auf Wachstumskurs befindet, werden im kommenden Frühjahr 17 Frauen am Hermes-Standort Schillenbrink ihren Arbeitsplatz verlieren. Das gab Georg Rau, Vorsitzender der Geschäftsführung, bekannt. Laut Hermes wächst der Handel mit großvolumigen Waren wie Möbeln und schweren Haushaltsgeräten. Der Mutterkonzern Otto habe da im vergangenen Jahr ein Wachstum von rund zehn Prozent erzielen können, so Rau. „Gleichzeitig verzeichnen wir im kleinvolumigen Bereich, also unter anderem beim Abwickeln von Textilien, rückläufige Zahlen." Aus diesem Grund habe sich das Unternehmen entschlossen, am Standort Schillenbrink künftig komplett auf die Abwicklung großvolumiger Waren zu setzen und sich schrittweise von den übrigen Kunden zu trennen. Bis 2019 soll dieser Prozess abgeschlossen sein. „Da sind in der Regel Männer beschäftigt" Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen für die Belegschaft. Zwar habe man sich bemüht, Arbeitskräfte aus dem wegfallenden Segment in den großvolumigen Bereich zu transferieren. Insbesondere bei Frauen gestalte sich das mit Blick auf das Anforderungsprofil aber schwierig, sagt Rau.  Er verweist unter anderem auf das hohe Gewicht der abzuwickelnden Waren. „Da sind in der Regel Männer beschäftigt, schon allein aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen. Deswegen können wir einigen betroffenen Mitarbeiterinnen dort keine vergleichbare Tätigkeit anbieten." Ähnliche Überlegungen hatte es bei Hermes schon vor zwei Jahren gegeben, als die Auftragslage im Leichtteile-Bereich ebenfalls rückläufig war. Damals standen 50 vornehmlich weiblich besetzte Arbeitsplätze auf dem Spiel. Betriebsversammlung informiert Mitarbeiter Rau betont, dass ihm und Schillenbrink-Betriebsleiter Kevin Kufs die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. Und auch als Geschlechterdiskriminierung möchte er die Maßnahme nicht verstanden wissen. „Jede Kündigung schmerzt, aber leider ist die Konstellation eindeutig", sagt er. Das habe auch der Betriebsrat des Unternehmens ähnlich gesehen, mit dem schon seit April über einen Sozialplan und einen Interessenausgleich verhandelt wurde. Ergebnis: „Im Sinne einer angemessenen Kompensation werden Abfindungen gezahlt." In einer eigens anberaumten Betriebsversammlung informierten Rau und Kufs gestern die Mitarbeiter. Gefasst und konstruktiv habe die Belegschaft die Nachricht aufgenommen, sagt Rau, „obwohl emotionale Reaktionen durchaus verständlich gewesen wären." Werrestadt als "Wachstumsstandort" Schon im Dezember sollen die betriebsbedingten Kündigen gegen die betroffenen 17 Frauen ausgesprochen werden. „Bei einer Kündigungsfrist von in der Regel zwei Monaten landen wir dann im Februar", erläutert Rau das weitere Prozedere. Momentan beschäftigt Hermes Fulfilment an seinen Löhner Standorten rund 500 Mitarbeiter, davon 106 am Schillenbrink. Das neue Logistikzentrum am Scheidkamp ist derweil nicht von der Umstrukturierung betroffen. „Dort wickeln wir ausschließlich Otto-Ware ab", so Rau, der die Werrestadt auch weiterhin als „Wachstumsstandort" betrachtet. Eine Erweiterung der Kapazitäten am Schillenbrink werde bereits intensiv diskutiert. „Und auch einen Mehrbedarf an Mitarbeitern wird es geben." Das betrifft aber wohl nur Männer.

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