Alt: So ähnlich wie diese Bibel aus der Kirche Bünde-Ennigloh, sieht auch die Altarbibel aus Mennighüffen aus. - © Patrick Menzel
Alt: So ähnlich wie diese Bibel aus der Kirche Bünde-Ennigloh, sieht auch die Altarbibel aus Mennighüffen aus. | © Patrick Menzel

Löhne Kirchendiebstahl: Bibel vom Altar gestohlen

Die alte gebundene Heilige Schrift gehört schon sehr lange zum Inventar der Evangelischen Kirche Mennighüffen. Jetzt ist sie weg. Oft passiert sowas nicht und wird strafrechtlich als besonderer Fall angesehen

Angelina Kuhlmann

Die ganze Situation sei „schon seltsam", sagt Presbyterin Marianne Löwenberg. „Man rechnet mit anderen Dingen, mit irgendwelchem Blödsinn. Bei uns herrscht eher die Sorge um Vandalismus vor", sagt sie. Aber das die alte Altarbibel verschwindet, das habe auch Pfarrer Kai Sundermeier sehr verwundert. Vor zwei Wochen lag das alte Buch noch an Ort und Stelle Am Sonntag vor zwei Wochen lag die Bibel noch auf ihrem Platz auf dem kleinen Podest aus Holz, das für die Altarbibel vorgesehen ist. Unter der Woche steht die Kirche tagsüber für Besuche offen. Die „Offene Kirche" ist einem Projekt der Evangelischen Kirche, das für die Öffnung auch neben Gottesdiensten wirbt. Vergangenes Wochenende fiel Pfarrer Sundermeier bei der Vorbereitung einer Trauung auf, dass die Bibel nicht auf ihrem Platz lag. „Da hat er erstmal rumgefragt, ob sie vielleicht jemand weggenommen hat", sagt Marianne Löwenberg. Das war aber nicht der Fall.Im sonntäglichen Gottesdienst erwähnte der Pfarrer dann, dass die Bibel wohl im Laufe der Woche gestohlen worden sei. Ein Gottesdienstbesucher kam daraufhin in die NW-Redaktion und berichtete über den vermeintlichen Diebstahl. Viel Geld würde die Bibel nicht einbringen, hoch ist jedoch ihr ideeller Wert Die Bibel, sagt Marianne Löwenberg, habe da schon gelegen, seit sie sich erinnern kann. „Wir vermuten, dass sie zwischen 1880 und 1890 gedruckt wurde", sagt sie. Das sei wahrscheinlich in einem Massendruck geschehen und so mutmaßen die Gemeindemitarbeiter, dass die Bibel keinen hohen materiellen Wert hat. Aber einen großen ideellen Wert habe sie für die Kirche schon. Immerhin ist sie als Altarbibel seit vielen Jahrzehnten fester Bestandteil der Gottesdienste und des Altarraums. Die Mennighüffer Kirche ist eine "Offene Kirche" Da das Mennighüffer Gotteshaus Teil der Initiative „Offene Kirche" ist, steht sie Besuchern von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr offen. Diesem Prinzip folgt die Gemeinde schon seit vielen Jahren, von einer kurzen Unterbrechung bis Anfang September diesen Jahres abgesehen. Die Kirche soll offen stehen, um Menschen dort einen Raum der Ruhe zu bieten und sie dazu ermutigen diese in ihrem Tempo wieder- oder weiterzuentdecken.Marianne Löwenberg schließt die Kirche jeden Abend ab, nachdem sie noch kurz den Blick durch das Gebäude hat streifen lassen. Dass die Bibel fehlt, sei ihr nicht aufgefallen, da sie ja sonst immer da gewesen sei und es nicht sofort ins Auge fällt, wenn sie fehlt. "Wir haben nichts Wertvolles" Bis jetzt sei noch nie etwas gestohlen worden. „Wir haben nichts Wertvolles", sagt sie. Angezeigt hat die Gemeinde den Diebstahl noch nicht. Die Mitarbeiter wollen erst abwarten und sich noch mal zusammensetzen. Pfarrer Sundermeier sei zur Zeit noch im Urlaub.In der Diskussion steht durch die jetzige Situation, ob es bei dem Prinzip der offenen Tür bleiben soll. Löwenberg ist dafür: Von so etwas solle man sich nicht beeindrucken lassen. Ein besonders schwerer Fall des Diebstahls Von Steven Haydon, Pressesprecher der Polizei Herford, ist zu erfahren, dass der Diebstahl von Gegenständen, die dem Gottesdienst und der religiösen Verehrung generell gewidmet sind, als „besonders schwerer Fall des Diebstahls" gewertet werden kann. Nach Paragraf 243 im Strafgesetzbuch kann so ein Vorfall mit bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug bestraft werden.Eine genaue Statistik zu Diebstählen in Kirchen und anderen religiösen Stätten gäbe es allerdings nicht. „Ich weiß, dass es sowas immer wieder gibt", berichtet Haydon aber von seiner Erfahrung. Und das nicht nur in christlichen Kirchen, sondern auch in Moscheen, Synagogen und Gebäuden anderer Religionsgemeinschaften im Kreis Herford. Zum Glück ein Einzelfall, so die Evangelische Kirche von Westfalen Andreas Duderstedt, Pressesprecher der Evangelischen Kirche von Westfalen, kann ebenfalls auf keine genauen Zahlen zurückgreifen. „Es kommt zwar vor, aber Gott sei Dank ist es kein Massenphänomen", sagt er.Zu Beginn des Projekts der Offenen Kirchen hätte es zwar Befürchtungen gegeben, dass es vermehrt zu Straftaten kommen könnte, aber die hätten sich nicht bestätigt. „Wer eine Altarbibel stiehlt, dem möge sie zu seinem Vorteil gereichen", wünscht er dem vermeintlichen Dieb der Mennighüffer Bibel. Dem hat auch Michael Krause, Superintendent des Kirchenkreises Herford, nichts hinzuzufügen. Der Diebstahl einer Altarbibel sei schon eine „spezielle Sache", sagt einer seiner Mitarbeiter. Übrigens: Im Mittelalter stand der sogenannte „Kirchendiebstahl" noch unter Todesstrafe.

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