Früh übt sich: Interessiert schaut die zweijährige Liah zu, wie ihre Eltern Melina und Viktor Milke unter fachkundiger Anleitung von Angelique Schlabeck die Reanimation üben. - © SANDRA C. SIEGEMUND
Früh übt sich: Interessiert schaut die zweijährige Liah zu, wie ihre Eltern Melina und Viktor Milke unter fachkundiger Anleitung von Angelique Schlabeck die Reanimation üben. | © SANDRA C. SIEGEMUND

Löhne Angelique Schlabeck zeigt Handgriffe, die Babys das Leben retten können

Sicherheit im Alltag und im Notfall: Großer Zuspruch für die erste Erste-Hilfe-Party für Eltern im Stadtteilzentrum Raps

Sandra C. Siegemund

Löhne. Bei einem Notfall zählt jede Sekunde. Es kommt auf den Ersthelfer an, bei Unfällen mit Kindern sind das meist die Eltern. Viele trauen sich nicht einzugreifen, aus Angst ihr Kind zu verletzen oder etwas falsch zu machen. Diese Angst will Angelique Schlabeck den Teilnehmern der „Erste-Hilfe-Party" nehmen. Die Veranstaltung im Stadtteilzentrum Raps fand regen Zuspruch. „Hat sich euer Kind auch schon mal verschluckt?" fragt Angelique Schlabeck. Die meisten Besucher nicken. Einige berichten von ihren persönlichen Erfahrungen. 13 Mütter und Väter sind ins Stadtteilzentrum gekommen, um zu erfahren, was man im Notfall tun kann. Ob Stürze, Verbrennungen, Vergiftungen oder Fieberkrämpfe, mit ihrer ruhigen, fröhlichen Art erklärt die erfahrene Rettungsassistentin, was wann zu tun ist. „Ich nehme teil, weil ich selbst kleine Kinder habe", sagt Eugenia Friesen. „Der Kurs ist sinnvoll, damit man Sicherheit in Alltagssituationen gewinnt und nicht gleich in Panik verfällt, wenn etwas passiert. Jetzt weiß ich, dass ich bei Fieberkrämpfen keine Angst vor Folgeschäden mehr haben muss", sagt die Mutter zufrieden. "Kinder stecken sich alles in den Mund" „Wenn man sich mit Notfällen nicht auskennt, werden Unfall oder Krankheit oft als besonders schlimm erlebt", bestätigt die Kursleiterin und erläutert den Teilnehmern die Zusammenhänge der drei lebenswichtigen Funktionen Herzschlag, Atmung und Bewusstsein. „Kinder erforschen gern ihre Umgebung und stecken alles in den Mund. Manchmal essen sie auch zu große oder nicht gut durchgekaute Stücke, die dann stecken bleiben", beginnt sie das Thema Atmung und Erstickungstrauma. Das ist kein Einzelfall: „Als sich mein Sohn an einem Stück Brot verschluckt hat und rot anlief, habe ich ihn reflexartig mit dem Kopf nach unten gehalten", erinnert sich eine Teilnehmerin. Die Kursleiterin lobt die Reaktion und demonstriert die richtige Haltung an einer Puppe. „Oft reicht es, das Kind sozusagen übers Knie zu legen und etwa fünf mal auf die Schulterblätter zu klopfen", sagt sie und warnt davor, das Heimlich-Manöver anzuwenden, mit dem man Erwachsene zum Erbrechen bringen kann. „Für kleine Kinder ist das zu viel Kraftaufwand. Ein etwas fester in die Magengegend gedrückter Finger reicht." Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen Solange das Kind noch Stimme hat und atmen kann, droht keine Gefahr zu ersticken, beruhigt sie die Anwesenden. „Wenn es das Bewusstsein verliert und blau anläuft, ist eine sofortige Herzdruckmassage nötig, um das Gehirn weiterhin mit Sauerstoff zu versorgen." Um die Wiederbelebung beim Baby und Kind nicht nur theoretisch zu läutern, sondern den Teilnehmern auch die Möglichkeit zu geben, praktisch zu üben, hat sie zwei Babypuppen mitgebracht. „Anders als beim Erwachsenen wird ein Kind zuerst fünfmal beatmet, anschließend wechselt man zwischen 15 Herzdruckmassagen und zweimal beatmen ab, bis der Notarzt kommt. Selbst wenn keine neue Luft im Körper ankommt, ist es besser, die bereits im Blut vorhandene ins Gehirn zu transportieren, als gar nichts zu tun", erläutert sie und zeigte den korrekten Ablauf. Interessiert beobachtete die zweijährige Liah, wie ihre Eltern Melina und Viktor Milke die Handgriffe an den Puppen üben. „Wir haben hier in netter Atmosphäre viel gelernt. Dass der Kurs hier in Löhne kostenlos für die Eltern kleiner Kinder angeboten wird, ist etwas Besonderes", lobt Melina Milke.

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