Symbolbild. - © picture alliance / Friso Gentsch/dpa
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Löhne. Zwei Frauen übernehmen die Praxis von Siegfried Weber

Kathrin Börgermann und Stefanie Ritzmann übernehmen zum 1. Januar die Mennighüffener Praxis. Damit steigt die Versorgungsquote, in Löhne fehlen aber immer noch Mediziner

Ulf Hanke

Löhne. Siegfried Weber geht in den Ruhestand. Die Praxis des 74-jährigen Internisten am Schmalenbachweg übernehmen zum 1. Januar 2018 zwei Fachärztinnen für Allgemeinmedizin. Kathrin Börgermann und Stefanie Ritzmann werden die Praxis gemeinsam führen. Damit ist in Mennighüffen die Nachfolge einer großen Hausarztpraxis geregelt. Für Bürgermeister Bernd Poggemöller ist das "ein gutes Signal". Besonders in der Innenstadt fehlen aber weiter Mediziner. Donnerstagabend haben die drei Hausärzte ihre acht Praxis-Mitarbeiter über die Nachfolgeregelung informiert. Anschließend luden sie zum Pressegespräch ins Wartezimmer. "Ich habe mich lange um eine Nachfolge bemüht", sagte Siegfried Weber. Vor fast 40 Jahren hatte der gebürtige Niederrheiner Praxis und Wohnhaus gebaut. Als seine Tochter vor zwei Jahren signalisierte, als Hausärztin in München bleiben zu wollen, ließ Weber die Räume renovieren, um möglichen Nachfolgern einen modernen Arbeitsplatz zu übergeben. Seine Praxis vermietet er nun "mit allem Schickimicki" (Weber) und neuestem Ultraschallgerät den beiden Nachfolgerinnen. Die Tür zu seinem angrenzenden Wohnbereich wird künftig geschlossen sein. Es sei denn, die beiden Nachfolgerinnen benötigen Hilfe wegen eines Patienten oder für Urlaubs- und Krankheitsvertretungen. Weber: "Ich springe ein." Der 74-Jährige will mit seiner Frau Doris künftig aber vor allem "die zweite Hälfte der Welt" bereisen. Die Eigenheiten der Mennighüffener Patienten hat die gebürtige Ulmerin Kathrin Börgermann längst kennengelernt. Die 46-jährige Mutter eines Zehnjährigen und von 14-jährigen Zwillingsmädchen hat in den vergangenen Jahren bereits als angestellte Ärztin auf einer Dreiviertelstelle in Webers Praxis gearbeitet. Ihr Ehemann ist Oberarzt am Herz- und Diabeteszentrum, die Familie wohnt in Gohfeld. Den Schritt in die Selbstständigkeit geht Kathrin Börgermann mit Stefanie Ritzmann gemeinsam, die ihre Praxis in der Osnabrücker Innenstadt aufgibt. Ritzmann ist Mutter zweier erwachsener Kinder (19, 25), kommt aus Herne, wohnt aber seit langem in Bünde. Die beiden Ärztinnen kannten sich vorher nicht. Der entscheidende Kontakt ist über eine Praxis-Mitarbeiterin von Siegfried Weber zustande gekommen. Deren Sohn ist mit der Tochter von Stefanie Ritzmann befreundet und hat im Garten der Familie Börgermann die beiden Ärztinnen verkuppelt, indem er die Handynummern weitergegeben hat. Nach einem ersten telefonischen Kontakt, haben sich die beiden getroffen und waren sich schnell einig. Von der Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe bekommen die Ärztinnen jeweils 50.000 Euro Startkapital als Teildarlehn. Nach ihren Angaben sind sie drei Jahre an die Praxis gebunden. Hausärzte sind in Löhne rar, die Stadt gilt als unterversorgt und ist deshalb besonders förderwürdig. Die KV berät die Ärztinnen intensiv. Für Stefanie Ritzmann ist die Selbstständigkeit kein Neuland, Kathrin Börgermann gibt aber zu, dass sie Respekt hatte: "Das hier ist wirklich eine große Bude, keine kleine Klitsche." Siegfried Weber erinnerte daran, wie er damals nach Mennighüffen gelockt wurde. Der zuständige Amtsleiter der Stadtverwaltung habe sich mit ihm ins Auto gesetzt und sei Grundstücke abgefahren, die für einen Bau in Frage kamen. So etwas ist heutzutage kaum denkbar. Ulrich Niemeyer, der heutige Chef des Stadtentwicklungsamts, schien auf Nachfrage aber nicht ganz abgeneigt. Und Bürgermeister Bernd Poggemöller bot allen mit Löhne liebäugelnden Hausärzten an, bei der Grundstückssuche behilflich zu sein. Poggemöller: "Wir kennen uns hier aus." Der Bürgermeister freute sich über die Nachfolgeregelung in Mennighüffen: "Das ist ein gutes Signal." Löhnes Unterversorgung ist damit jedoch nicht Geschichte. Poggemöller: "Wir suchen vor allem für die Innenstadt." Versorgungsquote Der Gemeinsame Bundesausschuss der gesetzlichen Krankenversicherung legt für jedes ärztliche Fachgebiet eine Soll-Zahl von Ärzten pro Einwohnern fest. Für Hausärzte liegt die Zahl bei 1.671 Einwohnern je Arzt, Löhne bräuchte demnach 24,5 Hausärzte. Derzeit hat die Stadt mit Siegfried Weber eine Versorgungsquote von 73,1 Prozent. Eine Quote bis 75 Prozent gilt als unterversorgt und förderwürdig. Ab 110 Prozent werden keine weiteren Kassenzulassungen erteilt. Ohne Siegfried Weber käme Löhne nur auf eine Quote von 69 Prozent. Mit den beiden Nachfolgerinnen erhöht sich der Versorgungsgrad voraussichtlich auf 74,1 Prozent. Demnach würden noch weitere acht Hausärzte in Löhne eine Kassenzulassung bekommen.

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