Zerstörung nach dem ersten Herbststurm. Sebastian hat ein Ast einer Eiche abgeknickt, der auf das Haus der Familie Vollmer gekracht ist. Einen Tag später geht es ans Aufräumen. - © Susanne Barth
Zerstörung nach dem ersten Herbststurm. Sebastian hat ein Ast einer Eiche abgeknickt, der auf das Haus der Familie Vollmer gekracht ist. Einen Tag später geht es ans Aufräumen. | © Susanne Barth

Löhne Sturm Sebastian wütet im Löhner Poppensiek

Naturgewalt: Auf das Haus und das Grundstück der Familie Vollmer kracht ein riesiger Eichenast. Der Baum steht auf städtischem Grund, reißt zwei Löcher ins Dach und verwüstet den Garten

Susanne Barth

Löhne. Die ganze Familie ist Zuhause, als es laut kracht. „Ich dachte, jetzt kommt der Donner", sagt Oksana Vollmer einen Tag nach dem Orkantief. Es regnet am Mittwochmittag kräftig, Böen umziehen das Haus, der Wind lässt die Bäume wackeln. Dann passiert es. Ein dicker Ast bricht ab und fällt auf das Haus der Familie im Poppensiek. „Der Aufprall war unendlich laut", sagt Andreas Vollmer, der aus dem Schlaf gerissen wurde. Nach seiner Nachtschicht ist er nun hellwach und ruft sofort die Feuerwehr. Mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde ist das Orkantief Sebastian über Deutschland gefegt. Besonders im Norden richtete der Sturm große Schäden an. In Löhne fuhr die Feuerwehr, wie berichtet, nur kleinere Einsätze. Im Allgemeinen ist Löhne verschont worden. Blickt man in den Garten der Familie Vollmer, sieht es ganz anders aus. Zweige, Äste und ganze Baumstämme, abgebrochene Ziegel, ein umgerissener Zaun und zwei kaputte Dächer: Der Sturm verwüstete das Grundstück. Am Vormittag ließ die Naturgewalt die großen Bäume neben der Doppelhaushälfte schon erzittern. Gegen 13.30 Uhr passierte es dann. Ein dicker Ast der Eiche brach ab und fiel auf das Hausdach der Familie. „Es ging ganz schnell", erinnert sich Andreas Vollmer, der wegen seiner Nachtschicht geschlafen hat. Das Schlafzimmer liegt genau auf der Seite, auf die der Ast knallte. Ebenso das Kinderzimmer der elfjährigen Tochter. „Sie saß am Schreibtisch, hat Hausaufgaben gemacht und konnte genau sehen, wie der Ast fiel", beschreibt Mutter Oksana das Szenario. Niemand wird verletzt Sie selbst saß am Esstisch. „Es war einfach nur laut." Die Tochter rannte in Panik runter. „Sie zitterte richtig, wollte gestern gar nicht schlafen gehen." Der 15-jährige Sohn hatte ebenfalls Glück im Unglück. „Zehn Minuten vorher hat er den Müll rausgebracht." Er ist genau dort lang gelaufen, wo anschließend der Ast runter krachte. Dieser prallte aufs Hausdach, riss dort zwei Löcher hinein, schlug dann auf das Garagendach auf, das ebenfalls an einer Stelle zerstört ist, riss einen metallenen Zaun um und knallte in den Garten. Verletzt worden ist niemand. Auch die Hühner blieben unversehrt. Es ist nicht das erste Mal, dass im Poppensiek was passiert. „Wir sind mit der Stadt jedes Jahr im Gespräch", sagt Andreas Vollmer. Im vergangenen Jahr sei ein Baum auf einen weiteren gekracht, das Haus blieb verschont. Auch die Straße sei schon blockiert gewesen, aber so schlimm wie diesmal, war es noch nie. „Wir haben der Stadt immer gesagt, dass das hier eine Gefahrenstelle ist", sagt Vollmer. "Der Baum wird gefällt" Die großen Bäume stehen nicht auf dem Grundstück der Familie, sondern auf städtischem Grund. Mehrmals haben die Vollmers darum gebeten, die drei besonders riesigen Bäume zu fällen. Doch die Stadt blieb bisher beim Nein. Kontrolliert habe der Baumkontrolleur die Eichen regelmäßig. Sein Fazit: Die Bäume sind gesund. Daher dürfen sie nicht einfach so gefällt werden, so Heike Nolte. Sie und ihre Kollegen aus der Stadtverwaltung waren vor Ort und haben sich die Situation angeschaut. Am Tag des Sturms und auch einen Tag später. Klar ist nun: „Der Baum wird zeitnah gefällt." Die Hälfte der Krone sei weg, so Nolte, die die Familie zu beruhigen versucht. „Was jetzt noch runter fallen kann, fällt in Richtung Waldstück und nicht aufs Grundstück." Es bestehe keine Gefahr mehr. Nicht nur die eine Eiche lässt die Stadt fällen. „Wir nehmen auch noch eine zweite weg." Eine Vorsichtsmaßnahme. Auch dieser Baum hat keine Anzeichen auf Schäden, doch er würde dann alleine stehen. Besser ist der Baumverbund. Da die Krone der Eiche durch das Orkantief Sebastian gebrochen ist, greift, obwohl der Baum auf städtischem Grund steht, die Gebäudeversicherung des Geschädigten. Sprich der Familie Vollmer. Dafür hatten Andreas und Oksana gestern noch keinen Kopf: „Erstmal steht Aufräumen an."

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