Die Kandidaten: Maik Babenhauserheide (Grüne, v.l.), Tim Ostermann (CDU), Fabian Stoffel (Linke), Siegfried Mühlenweg (FDP), Stefan Schwartze (SPD), Sebastian Schulze (AFD) und NW-Redakteur Jörg Stuke als Moderator. - © Dirk Windmöller
Die Kandidaten: Maik Babenhauserheide (Grüne, v.l.), Tim Ostermann (CDU), Fabian Stoffel (Linke), Siegfried Mühlenweg (FDP), Stefan Schwartze (SPD), Sebastian Schulze (AFD) und NW-Redakteur Jörg Stuke als Moderator. | © Dirk Windmöller

Löhne Bundestagswahl: Schüler diskutieren mit Kandidaten

Für das Projekt "Youth Voice 2017" stellten sich die Bundestagskandidaten den Fragen von Oberstufenschülern. Moderiert wurde die spannende Diskussion von NW-Redakteur Jörg Stuke

Dirk Windmöller

Löhne. Die reine Männerrunde führte bei Moderator Jörg Stuke zu einer Frage, die die unterschiedlichen Positionen zur Frauenquote deutlich machen sollte. FDP-Mann Siegfried Mühlenweg ist dagegen. "Die Besten sollten sich durchsetzen. Egal, ob Mann oder Frau", sagte er. Für gefährlich hält die Frauenquote offensichtlich die AfD. "Ich finde die Quote nicht gut. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schickt Soldaten in den Krieg und Angela Merkel muss weg", so Sebastian Schulze. Ein interessanter Ansatz, um zu begründen, warum man gegen die Frauenquote ist. 400 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und der Gesamtschule waren gestern in die Werretalhalle gekommen und verfolgten die Diskussion gespannt. Viele von ihnen sind Erstwähler. "Welche Bedeutung haben Jugendliche für Sie?", wollte Can Özer (17) von den Politikern wissen. "Das Thema Ausbildung spielt eine zentrale Rolle. Aber auch die Work-Life-Balance sollte man nicht vernachlässigen", meinte Maik Babenhauserheide von den Grünen. Die Ausstattung der Schulen liegt Stefan Schwartze (SPD) am Herzen. "Das Kooperationsverbot sollte abgeschafft werden." Das besagt, dass der Bund kein Geld in die Schulen stecken darf, da das Ländersache ist. Tim Ostermann (CDU) will die berufliche Ausbildung stärken: "Ich habe manchmal den Eindruck, das Menschsein beginnt erst mit dem Abitur." Kontrovers wurde es bei der Frage des 18-jährigen Gesamtschülers Lucas Rademacher: "Immer mehr Beschäftigte müssen von immer weniger Einkommen leben. Es gibt immer mehr Billigjobs. Wie wollen Sie das ändern?" Das sieht Tim Ostermann (CDU) ganz anders. "Ich kann die Auffassung nicht teilen, dass wir nur Niedriglohnjobs geschaffen haben." Das Gegenteil sei der Fall. Auch sei Leiharbeit oft ein guter Einstieg in die Festanstellung. Bei Stefan Schwartze hatte Rademacher den Finger in die noch nicht verheilte Wunde gelegt. "An der Zunahme der prekären Beschäftigung tragen wir durch die Hartz-IV-Reformen große Verantwortung." Wenn es nach ihm gehe, dann würden auch Leiharbeiter vom ersten Tag an gleich bezahlt wie die Festangestellten. Fabian Stoffel (Linke) ging das nicht weit genug. "Leiharbeiter müssten zehn Prozent mehr kriegen als die Stammbelegschaft." Das würde die Motivation erhöhen, diese fest anzustellen. Sebastian Schulze (AfD) hält zwar Zeitarbeit für ein sinnvolles Instrument. Allerdings werde so nur an den Symptomen gearbeitet. "Der Grund dafür, dass der Mindestlohn nicht reicht, ist die Einführung des Euro im Jahr 2002." Man erlebe eine massive Vermögensinflation in den Großstädten. "Viele Menschen können sich dort keine Wohnungen mehr leisten." Seine Lösung für dieses Problem: "Jedes Land braucht eine eigene Währung." Hoch her ging es bei Frage des Schülers Atila an den AfD-Politiker, ob der Islam zu Deutschland gehört. "Der Islam gehört in seiner absoluten Form nicht zu Deutschland. Religion kann ausgelebt werden, aber in den eigenen vier Wänden. Frauen sollten auch nicht mit Burkas durch die Gegend gehen", so Schulze. Unter Applaus entgegnete Maik Babenhauserheide (Grüne): "Würden Sie auch dem Papst sagen, zieh dir was Ordentliches an, wenn der in der Öffentlichkeit ist?" Heftig kritisierte Fabian Stoffel (Linke) die Flüchtlingspolitik der AfD. "Unser Land hat ein Grundgesetz. Wer sich nicht daran hält, sind Politiker der AFD, die den Schießbefehl an der Grenze fordern. Das ist wie vor über 70 Jahren. Damals kamen die Nazis anders daher. Heute tragen sie rosa Polohemd und Jackett." Schulze, eben so gekleidet, sagte: "Von Ihnen als Nazi bezeichnet zu werden, ist nicht nett." Zur Inneren Sicherheit wollte Jan Greiner die Positionen wissen. Alle lagen nahe beieinander: mehr Polizisten einstellen, Strukturen besser organisieren. Der AfD reicht das nicht: "Wenn die Grenzen weiter offen sind, dann werden wir der Situation nicht Herr." Der größte Teil der Kriminalität in Deutschland komme von außen. "Ich bin überzeugt, dass diese Aussage einem Faktencheck nicht standhält", sagte Moderator Jörg Stuke. Er schloss die Runde mit einer Frage ans Publikum: "Wem hat die Diskussion bei seiner Wahlentscheidung geholfen?" Da schossen sehr viele Hände nach oben. Fazit: Diese besondere Doppelstunde Politik hat sich gelohnt.

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