Stilwelten: Ulrich W. Siekmann, geschäftsführender Gesellschafter der Siematic-Möbelwerke, führt das Unternehmen in dritter Generation. Er setzt auf den direkten Kundenkontakt und nicht auf den Online-Vertrieb. - © Thorsten Gödecker
Stilwelten: Ulrich W. Siekmann, geschäftsführender Gesellschafter der Siematic-Möbelwerke, führt das Unternehmen in dritter Generation. Er setzt auf den direkten Kundenkontakt und nicht auf den Online-Vertrieb. | © Thorsten Gödecker

Düsseldorf/Löhne Siematic setzt auf Unverwechselbarkeit

Eine Marke für die Welt

Thorsten Gödecker
Mailand: Im Business-District Porta Nuova eröffnete Siematic sein „Centro cucine". - © Thomas Libis
Mailand: Im Business-District Porta Nuova eröffnete Siematic sein „Centro cucine". | © Thomas Libis

Düsseldorf/Löhne. "Es funktioniert. Die Umsätze steigen." Fast fünf Jahre hat sich Ulrich W. Siekmann Zeit gelassen, um das Markenprofil von Siematic zu schärfen. Im Stilwerk in Düsseldorf erklärt der geschäftsführende Gesellschafter des Löhner Nobelküchenbauers, warum weniger mitunter mehr ist, und was Siematic ausmachen soll.

In der dritten Etage des Designtempels ist Siekmann umgeben von "seinen" Küchen - kein Wettbewerberlogo findet sich in dem üppigen Studio im Herzen der Düsseldorfer Innenstadt. Der Raum ist offen, der Blick kann schweifen von Küche zu Küche, ohne von Kojenwänden verstellt zu werden. So soll es sein. Das Studio im Stilwerk ist eine Art Design-Blaupause für den weltweiten Auftritt des in über 60 Ländern vertretenen Unternehmens.

"Corporate Architecture" heißt das Konzept bei den Löhnern. Es regelt bis ins Detail, wie sich die Marke präsentiert. Was "steigende Umsätze" konkret bedeuten, bleibt das Geheimnis des Geschäftsführers. Zahlen zum Unternehmen veröffentlichen die Löhner nicht. In den vergangenen Jahren hatte Siematic mit circa 450 Mitarbeitern um die 100 Millionen Euro umgesetzt.

Birmingham: In der „Mailbox", dem Lifestyle-Kaufhaus der Metropole, residiert Siematic. - © SIEMATIC
Birmingham: In der „Mailbox", dem Lifestyle-Kaufhaus der Metropole, residiert Siematic. | © SIEMATIC

2012 habe man sich den Markenauftritt vorgenommen, sagt Siekmann. Selbst liebgewonnene Paradigmen aus fast 90 Jahren Unternehmenshistorie habe man über Bord geworfen. So musste zum Beispiel die Landhausküche dran glauben. Dem Unternehmen, das Siekmann in der dritten Generation seit 1998 führt, geht es um zeitloses Design und unverkennbare Produkte.

Der Materialmix setzt mit Glas und Metallen glänzende Akzente

Die hat Siematic nun in drei Stilwelten eingebunden. Dabei bediente sich das Familienunternehmen des reichhaltigen Innovationsfundus, der seit 1929 aufgebaut wurde. Der deutlichste Verweis auf diesen Designschatz dürfte "Siematic 29" sein. Das Möbel ist eine Reminiszenz an jene Küchenbüfetts, mit denen alles anfing, und Teil der Stilwelt "Urban".

Tokio:  Seit März 2017 gibt es „Siematic Aoyama" im Herzen

der japanischen Hauptstadt. - © SIEMATIC
Tokio:  Seit März 2017 gibt es „Siematic Aoyama" im Herzen
der japanischen Hauptstadt. | © SIEMATIC

Ruhe, Harmonie und die Reduktion aufs Wesentliche zeichnen laut Siematic die Stilwelt "Pure" aus. Die Stilwelt "Classic" erlaube es, mit Stilen zu spielen und so die charakteristische Detailverliebtheit der Klassik mit der Klarheit der Moderne zu verbinden. Der Materialmix setzt mit Glas und Metallen glänzende Akzente.

Mit den Stilwelten bietet Siematic Orientierung in einem Meer der Möglichkeiten. Dabei setzt Siekmann auf die Befriedigung individueller Kundenwünsche. "Offline first", lautet seine Devise, denn ohne individuelle und geschulte Beratung lasse sich eine Siematic-Küche nicht verkaufen. Das Internet begreift der Unternehmer nur als Vertriebsunterstützung.

Natürlich kennt Siekmann seine eher betuchte Kundschaft und deren Ansprüche an einen perfekten Service. Deshalb schult Siematic die Vertriebspartner, die nicht selten Innenarchitekten sind oder solche beschäftigen. "Wir denken schon lange nicht mehr in Fronten", sagt Siekmann. Es gehe um Raumkonzepte. Damit will man sich abheben von Wettbewerbern, die in einer boomenden Branche einen Verdrängungswettbewerb austragen.

Auf rund 600 Vertriebspartner beziffert Siematic seine weltweite Präsenz

Wer heutzutage eine neue Küche kaufen möchte, kann dies in Deutschland an über fünftausend Stellen tun. Das unübersichtliche Angebot lasse zunehmend desorientierte Verbraucher zurück. Diese Analyse und das Wissen um die Bedürfnisse der zahlungskräftigen Kundschaft führt zu einer Strategie, in der die Marke das Maß ist und das Markenversprechen an jedem x-beliebigen Ort auf die gleiche Art und Weise eingelöst werden soll.

Dabei geht es nicht nur um ein zeitloses Qualitätsprodukt und hervorstechendes Design, sondern auch um die Kontinuität und Verlässlichkeit eines Familienunternehmens und das Miteinander von industrieller Produktion mit hohen Manufakturanteilen. Was Siematic anbietet, soll gestalterisch und qualitativ Dekaden und nicht nur Jahre prägen.

Seit 2014 seien weltweit bestehende und neue Vertriebspartner vom Siematic Offline-Konzept überzeugt und jährlich bis zu 50 neue Studios eröffnet oder umgebaut worden. Allein 2017 in Wien, Delhi, Tokio, Istanbul, Shanghai und Singapur. Bis Ende des Jahres folgen Dublin, Moskau, Sydney, Paris, München und Zürich. Auf rund 600 Vertriebspartner beziffert Siematic seine weltweite Präsenz.

Information

Wegmarken

  • 1929: Erstmals stellten die August Siekmann Möbelwerke ihre Produkte auf der Leipziger Messe vor – Küchenbüfetts mit Namen wie „Erna", „Hannelore" oder „Ruth".
  • 1960: Aus den August-Siekmann-Möbelwerken entsteht die Marke Siematic.
  • 1979: Siematic etabliert sich auf dem US-Markt und gründet dort eine Tochtergesellschaft.
  • 2004: Siematic eröffnet in Löhne ein Ausstellungszentrum, das „August-Wilhelm-Siekmann-Forum".

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