Ein kostbares Gut: Obwohl die Erde zu mehr als 70 Prozent damit bedeckt ist, wird Wasser für eine wachsende Weltbevölkerung zunehmend ein knappes Gut. Denn gerade mal drei Prozent sind trinkbares Süßwasser, 97 Prozent dagegen ist salzhaltiges Meerwasser. - © Foto: Jens Büttner/dpa
Ein kostbares Gut: Obwohl die Erde zu mehr als 70 Prozent damit bedeckt ist, wird Wasser für eine wachsende Weltbevölkerung zunehmend ein knappes Gut. Denn gerade mal drei Prozent sind trinkbares Süßwasser, 97 Prozent dagegen ist salzhaltiges Meerwasser. | © Foto: Jens Büttner/dpa

Löhne/Bad Oeynhausen/Hüllhorst Bürger müssen Wasser sparen

Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, dass es beim Trinkwasser zu einem Engpass in Löhne, Bad Oeynhausen, Hüllhorst und Hille kommen kann. Wasserbeschaffungsverband sucht dringend nach Lösungen

Susanne Barth

Löhne/Bad Oeynhausen/Hüllhorst. Bernd Poggemöller sehnt sich nach Regen. Nicht nach so kurzen Perioden der vergangenen Tage, sondern nach einem richtig langen Guss. Am besten mehrere Tage lang. Denn Löhnes Bürgermeister und Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbands „Am Wiehen" (WBV) steht vor einer außergewöhnlichen, noch nie dagewesenen Situation: Das Trinkwasser wird knapp. Poggemöller: „Wenn der Druck zu gering wird, kommt kein Wasser mehr aus den Hähnen." Wasser ist ein kostbares Gut. In Deutschland kann man es nicht nur unbedenklich aus der Leitung trinken, wir waschen uns und unsere Kleidung damit, wässern Blumen, füllen Planschbecken und spülen die Toilette. Wasser ist in unseren Breitengraden immer verfügbar. Sparsam gehen viele damit nicht um, im Verband sticht vor allem die Kurstadt heraus. „Bad Oeynhausen hat einen höheren Bezug von Trinkwasser", sagt Andreas Schwarze, Vorstand der dortigen Stadtwerke. Etwa 2.900.000 Kubikmeter Wasser wird die Kurstadt für dieses Jahr brauchen. 1.705.000 m3 sollten vom Verband kommen, doch mehr Wasser ist von Nöten, die Menge steigt auf 2.040.000 m3. Somit entsteht ein Mehrverbrauch von 335.000 m3. Den Rest fördert Bad Oeynhausen aus dem Wasserwerk Rehme. Bis zu 40 Prozent Uferfiltrat, sprich Weserwasser, können genutzt werden, zusätzlich wird Grundwasser ins Netz gespeist. Die Weser fällt als Lieferant bald raus: „Sie ist auf einem niedrigen Stand. Wir kratzen am Limit", sagt Schwarze. Winter zu trocken, Frühsommer zu heiß Gepaart mit einem trockenen Winter fast ohne Schnee, wenig Regen und damit einem niedrigen Grundwasserstand sowie den überdurchschnittlichen Temperaturen der vergangenen Tage, kann es jetzt zu Engpässen kommen. Nicht nur in Bad Oeynhausen, auch in Löhne, Hille und Hüllhorst. Diese Städte und der Wasserbeschaffungsverband des Amtes Hartum sind Mitgliedsgemeinden des WBV „Am Wiehen". Einer Solidaritätsgemeinschaft, wie Poggemöller betont, und deswegen sitzen auch alle im selben Boot. Der Verband versorgt etwa 120.000 Menschen mit Trinkwasser. Wann der Engpass genau eintritt, kann keiner sagen. Poggemöller: „Aber die leeren Behälter deuten darauf hin, dass wir nah dran sind. Wir haben die Stände stündlich im Auge." Alle Bürger fordert Poggemöller daher auf, Trinkwasser zu sparen. „Der momentan enorm hohe Wasserbedarf kann nur sehr schwer gedeckt werden, sodass zukünftig ein kurzfristiger Versorgungsengpass nicht ausgeschlossen werden kann." Stefan Wiese, technischer Betriebsleiter des Verbands, belegt es mit Zahlen. Die Tagesabgabe beläuft sich normalerweise auf 14.000 Kubikmeter Wasser. „Sonntag gab es einen Spitzenwert von 17.800 m3", so Wiese. Auch ein Blick in den Hochbehälter Bergkirchen zeigt die Problematik. Anfang/Mitte Mai lag der Normalwasserstand das letzte Mal bei fünf Metern. Wiese: „Mittwoch um 9.30 Uhr ergab die Messung nur noch 1,70 Meter." Bezirksregierung muss der Erhöhung der Wasserrechte zustimmen Neben dem Appell an alle Bürger, die Landwirtschaft und Industrieunternehmen ist der Wasserbeschaffungsverband auch mit der Bezirksregierung in Kontakt. Das Trinkwasser stammt nämlich nicht nur aus 21 Brunnen (Förderung 4.465.000 m3 jährlich), die in Hille stehen. Um den Bedarf zu decken, kauft der Verband zu. 250.000 m3 Wasser im Jahr kommen von den Stadtwerken Minden, 300.000 m3 vom Wasserbeschaffungsverband Herford-West. Hier könnte auch die Lösung liegen. „Wir könnten mehr Wasser vom WBV Herford-West beziehen", sagt Poggemöller. Die Krux: So einfach lässt sich die Fördermenge nicht erhöhen. Technisch sei dies möglich. Aber: „Die Wasserrechte sind beschränkt, es drohen Ordnungsgelder, wenn die Menge überschritten wird", klärt Poggemöller auf. Doch um den Engpass zu kompensieren, sei das dringend von Nöten. Entscheiden muss die Bezirksregierung. Gespräche laufen, zugesichert ist noch nichts. Auch zwei weitere Brunnen sollen in Hille ans Netz gehen. „Sie weisen aktuell aber noch eine Belastung auf, Experten untersuchen das Wasser noch", sagt Poggemöller. Bis die Lösungen auf dem Tisch sind, sollten sich alle an die eigene Nase fassen. Poggemöller: „Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht verbraucht wird, hilft uns allen."

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