In Löhne ist ein Lkw umgekippt. Die Bergung dauert vermutlich noch den ganzen Tag. - © Barth
In Löhne ist ein Lkw umgekippt. Die Bergung dauert vermutlich noch den ganzen Tag. | © Barth

Löhne Lkw am Leinkamp umgekippt: Bergung dauert bis zu zehn Stunden

Der Lastwagen muss erst entladen werden / Drei Bergungsteams sind vor Ort / Die drei Fahrer sind nicht verletzt

Matthias Schwarzer
Susanne Barth

Löhne. Ein Verkehrsschild weist klar daraufhin. Für Fahrzeuge ist die Straße Leinkamp verboten. Das Navigationsgerät eines russischen Lkw-Fahrers lotste den 57-Jährigen laut eigener Aussage aber genau dort lang. Ein Fehler mit fatalen Folgen. Der Anhänger des Lkws kippte um und blieb auf dem Feld liegen. Eine Weiterfahrt war ohne Hilfe nicht möglich. Die längste Strecke von Kalingrad (Russland) bis nach Löhne hatten die drei Lkw-Fahrer schon hinter sich. Nur noch wenige Meter trennten sie vom beauftragten Unternehmen. Die beladenen Möbelstücke sollten an die Firma „Hela Tische Möbel" geliefert werden. Das Unternehmen sitzt am Scheidkamp. Bis dorthin schaffte es der Lkw aber nicht. Kurz vorm Ziel ereignetet sich am Donnerstagmorgen gegen 9.30 Uhr ein Alleinunfall. Die Straße Leinkamp ist nicht für so große Fahrzeuge ausgerichtet. Eigentlich für keine Fahrzeuge. „Selbst Fahrräder dürfen hier nicht durchfahren", sagt Wolfgang Greinke, Leiter des Ordnungsamts. Ein Navi rechtfertigt nicht die Missachtung Die Ausnahme bildet landwirtschaftlicher Verkehr. Der Lkw-Fahrer missachtete allerdings nicht nur das Durchfahrtsverbot am Leinkamp. „Er hätte auch nicht in die Schierholzstraße fahren dürfen", sagt Greinke. Dort ist nur Verkehr bis zu 7,5 Tonnen erlaubt. Der 57-jährige Mann aus Russland machte es trotzdem und bekam die Quittung. Der Anhänger des Lkws rutschte in einer Kurve auf das Feld und blieb auf der Seite liegen. Die drei Fahrer bleiben unverletzt. Der Mann gab bei der Polizei an, dass er sich auf sein Navi verlassen habe. Doch das rechtfertige nicht die Missachten, so Steven Haydon, Kreispolizeisprecher. Einmal in die Straße Leinkamp reingefahren, hat ein Lastwagen keine Chance mehr auf ein Zurück. „Dann heißt es Augen zu und durch", sagt ein Mann, der die Szenerie beobachtete. Für die Bergung beauftragt die Polizei das Unternehmen Bewa aus Herford. Chef Stephan Böke schätzt am frühen Vormittag die Bergungszeit auf acht bis zehn Stunden. Denn den Anhänger einfach nur hochzuziehen, sei nicht möglich: „Dann hätten wir einen Totalschaden", sagt Böke. Der Lkw besteht nur aus Planen und Leisten, so genannten Spriegeln. Die Unterkonstruktion für die Planen dient als Abdeckungen der Ladung und ist enorm fragil. "Das ist kein Einzelfall" Also müssen die zwölf Mitarbeiter von Stephan Böke den Lkw komplett entladen. Das dauert. Denn bis in den letzten Winkel sind dort Pakete verstaut. Das Geschehen bekommt Anwohnerin Rebecca Stuke von Anfang an mit. „So extrem, dass hier ein Lkw umgekippt ist, war es noch nie", erzählt die 17-Jährige. Ein Einzelfall sei das aber nicht. Ständig würden hier Lastwagen vorbei fahren. Trotz Verbot. „Und zwar nicht langsam. Die donnern hier lang. Das ist nicht zu überhören", sagt Rebecca, die den ersten Lkw um 2.30 Uhr in der Nacht gehört hat. „Das wird hier auch nicht weniger, eher mehr", sagt sie und filmt weiter die Bergung. Nachdem die Bewa-Mitarbeiter die Pakete Stück für Stück aus dem Hänger getragen haben, kann gegen 13.30 Uhr mit der eigentlichen Bergung begonnen werden. Dafür nutzt Chef Böke ein Fahrzeug mit Seilwinde. Die stabilen Ketten befestigen die Mitarbeiter an dem Anhänger. Langsam kann dieser so aufgerichtet werden. Das dauert nur wenige Minuten, schon steht er wieder aufrecht. Teurer Spaß Beulen, Dellen und eine verbogene Stoßstange hat der Anhänger abbekommen, doch der Lkw ist fahrbereit. Sofort weiter fahren dürfen die Lieferanten damit aber nicht. „Wir setzen das Gespann langsam zurück, säubern die Straße und müssen den Anhänger dann wieder beladen", erklärt Böke das weitere Vorgehen. Nach dem Prozedere müssen die Fahrer mit zum Bewa-Firmensitz nach Herford. Dann geht es um die Bezahlung. Böke: „Dort schauen wir uns das Gespann noch einmal genau an und entscheiden dann, ob das Fahrzeug fahrbereit ist, oder ob noch etwas daran gemacht werden muss." Ein teurer Spaß für eine verbotene Einfahrt.

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