Abfahrbereit: Busfahrer Peter Hilgenböker ärgert sich über das Verhalten mancher Autofahrer an der Haltestelle Bertholt-Brecht-Straße. Regelmäßig wird sein Bus dort trotz Verkehrsinsel und eingeschaltetem Warnblinklicht überholt. - © Friderieke Schulz
Abfahrbereit: Busfahrer Peter Hilgenböker ärgert sich über das Verhalten mancher Autofahrer an der Haltestelle Bertholt-Brecht-Straße. Regelmäßig wird sein Bus dort trotz Verkehrsinsel und eingeschaltetem Warnblinklicht überholt. | © Friderieke Schulz

Löhne Löhner Busfahrer appeliert an Autofahrer

Busfahrer Peter Hilgenböker bemerkt mehrmals die Woche, wie Autofahrer seinen Bus dort überholen, wo es verboten ist und damit nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der Schulkinder riskieren

Friderieke Schulz

Löhne. Jeden Morgen fährt Peter Hilgenböker mit dem Bus der Linie 437 um 7.40 Uhr die Haltestelle "Bertolt-Brecht-Straße" an der Werster Straße an, um die Schulkinder einzusammeln und sie zum Schulzentrum nach Melbergen zu fahren. An drei von fünf Morgenden stockt ihm bei seinem Halt der Atem: "Mich überholen dort Autos mit teilweise unglaublichen Geschwindigkeiten. Ich habe jeden Tag Angst, dass es eines der Kinder erwischt." Der Busfahrer ist ratlos und möchte mit seinem Appell auf die Gefahrensituation hinweisen. Eigentlich dauert es nicht lang: Der Bus hält, die Türen öffnen sich, alle Kinder steigen ein und dann geht es auch schon weiter. "Das dauert meist eine Minute. Manchmal zwei, aber dann dauert es schon sehr lange", weiß Hilgenböker. Für manchen Autofahrer ist dies jedoch zu lange. "Meist zieht der fünfte oder sechste Fahrer in der Reihe raus. Der hat dann einiges an Strecke zu schaffen und fährt dementsprechend schnell - ich schätze mindestens 60 Kilometer pro Stunde", sagt der 48-Jährige. Die schlimmste Situation, die er je erlebt habe, sei ein überholender Lkw gewesen. Das Überholmanöver ist eine Ordnungswidrigkeit und kostet einen Punkt und bis zu 70 Euro Erlaubt ist das Überholen an dieser Stelle keineswegs, verrät Uwe Maser von der Polizei. "Die Verkehrsinsel mit dementsprechendem Gebotsschild weist darauf hin, dass das Vorbeifahren an der Insel nur rechts erlaubt ist", so der Pressesprecher. Die Autofahrer müssen also warten. Zudem verbietet auch das eingeschaltete Warnblinklicht des Busses den Überholvorgang. Es weist auf die besondere Gefahrenstelle hin. "Wer das missachtet und dennoch überholt, erhält eine Ordnungswidrigkeitenanzeige, einen Punkt und ein Bußgeld von 60 bis 70 Euro", zitiert Maser den Katalog und macht klar: "Einen Bus so zu überholen ist kein Spaß. Damit werden Kinder zur Schule befördert. Dementsprechend vorsichtig sollten Autofahrer daran vorbeifahren." Die Häufigkeit der Überholmanöver hängt von der Jahreszeit ab. "Im Winterhalbjahr war es extrem. Das ärgert mich besonders, denn gerade zu der dunklen Jahreszeit kann man die Kinder weniger gut sehen. Es ist aber auch die Zeit, zu der mehr Eltern ihre Kinder morgens selbst zur Schule fahren, dementsprechend ist auch mehr los auf der Straße", sagt Hilgenböker. Schon zweimal bei der Polizei beschwert Auch die Busbegleiter, die für die Realschule die Linie 437 betreuen, kennen die Situation an der Haltestelle. "Im Moment ist es weniger", sagen Noah Titkemeier und Nils Rolfsmeier und erzählen, dass sie die Überholversuche häufig auch auf der Rückfahrt beobachten. "Auf der Hinfahrt haben wir zurzeit aber auch eher das Problem, dass kaum alle in den Bus passen." Der sei häufig sehr voll. Denn neben den Schülern der weiterführenden Schulen steigen auch Grundschulkinder ein. "Ich kenne die Kinder und weiß auch genau, wer immer etwas knapp dran ist und im letzten Moment noch über die Straße gesprintet kommt. Da habe ich Angst", so der 48-Jährige. Schon zweimal habe er sich deswegen bei der Polizei gemeldet. Davon weiß auch Maser. "Zwischen den Busunternehmen und der Polizei herrscht ein regelmäßiger Austausch, denn sie haben womöglich den Blick für potenzielle Gefahrenstellen. Deswegen gehen wir jedem der Hinweise nach", sagt Maser und erklärt, dass der Verkehrsdienst der Polizei die Haltestelle bereits beobachte. Sie sei zwar nicht als besonderer Unfallschwerpunkt bekannt: "Aber Haltestellen sind immer Gefahrenstellen, vor allem, wenn es dort Schulverkehr gibt." Die Präsenz der Beamten wünscht sich Hilgenböker, denn er ist überzeugt, "dass allein die Anwesenheit abschreckend wirken kann". Er selbst appelliert an die Autofahrer: "Es dauert nicht länger als eine Ampelphase, und es geht um die Sicherheit der Schulkinder. Dafür kann man doch zwei Minuten warten. Oder?"

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