Vorgefahren: Margitta Stuntebeck sitzt auf ihrem Elektromobil, mit dem vor einer Woche ein langer Streit beendet wurde. - © Friderieke Schulz
Vorgefahren: Margitta Stuntebeck sitzt auf ihrem Elektromobil, mit dem vor einer Woche ein langer Streit beendet wurde. | © Friderieke Schulz

Löhne Löhnerin hat Streit um City-Scooter gewonnen

Streit: 61-Jährige stritt seit mehr als einem Jahr mit der Krankenkasse, die einen Antrag für ein Elektromobil ablehnte. Nun hat sie ihren lang ersehnten E-Scooter und rollte damit gleich bei der Neuen Westfälischen vorbei

Friderieke Schulz

Löhne. Lächelnd fährt Margitta Stuntebeck mit ihrem Elektromobil bei der Redaktion der NW in Löhne vor. „Ich hab’s geschafft, ich habe den Streit gewonnen", jubelt die 61-Jährige. Bereits im Januar hatte die NW über Stuntebeck berichtet. Die Löhnerin leidet an einer Nervenkrankheit, die ihr die Bewegungen der Hände und Füße schwer macht. Ohne Hilfsmittel kann sie nur wenige Schritte allein gehen. Um sich freier bewegen zu können, erhielt sie von ihrem Arzt ein Rezept für ein Elektromobil. Das war im Juni 2016. Doch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) lehnte den Antrag dafür zweimal ab. Zur Begründung hieß es, dass die Gefahr einer Eigen- und Fremdgefährdung auf Grund einer Alkoholabhängigkeit bestehe. In Gespräch mit der NW sprach Stuntebeck über das Problem, dass sie hinter sich gelassen habe. Zudem empfahl der MDK, eine endgültige Entscheidung auf Grundlage dreier Dinge zu treffen: dem Entlassungsbericht aus dem Krankenhaus, dem Bericht über eine Testfahrt mit einem Elektromobil und aktuellen Laborwerten, in denen möglicher Alkoholmissbrauch zu sehen wäre. Die Probefahrt hatte sie bereits beim ersten Artikel mit Bravour bestanden. Bluttest bestätigt ihre Aussage Nun hat sie auch den Bluttest vorliegen, der ihre Aussage, mit dem Alkoholproblem abgeschlossen zu haben, bestätigt. „Ich sagte doch, dass mein früheres Leben vorbei ist", betont Stuntebeck und freut sich, dass die Werte nun belegen, was ihr niemand glauben wollte: „Außer mein Arzt und die NW, die für mich gekämpft haben. Dafür bin ich sehr dankbar."Sie habe viel Rückmeldung zum Artikel erhalten. „Viele Menschen haben mich darauf angesprochen und mir gut zugeredet", so die 61-Jährige. Seit einer Woche fährt sie nun mit dem E-Scooter, ein gebrauchtes Modell in Silber mit Korb am Lenker. „Es ist ein unglaubliches Freiheitsgefühl. Jetzt kann ich zum Marktkauf fahren, mal einen Kaffee trinken, beim Minigolf zuschauen oder einfach durch einen Markt klönen." Der Roller fahre super, nur sei sie noch etwas ängstlich und müsse das Fahren über Hindernisse noch üben, aber auch das klappt schon ganz gut.

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