Backen leckere Waffeln: Lianna Jafaryan Larissa Koloczek, Denis Elezi-p.jpg Lianna Jafaryan, Larissa Koloczek und Denis Elezi von der Bertolt-Brecht-Gesamtschule kommen regelmäßíg in das Haus Werre und haben beim der feierlichen Baumerleuchtung für frische Waffeln und heißen Kakao gesorgt. - © Anke Marholdt
Backen leckere Waffeln: Lianna Jafaryan Larissa Koloczek, Denis Elezi-p.jpg Lianna Jafaryan, Larissa Koloczek und Denis Elezi von der Bertolt-Brecht-Gesamtschule kommen regelmäßíg in das Haus Werre und haben beim der feierlichen Baumerleuchtung für frische Waffeln und heißen Kakao gesorgt. | © Anke Marholdt

Löhne Gesamtschüler backen im Haus Werre

Engagement macht Spaß und eröffnet Berufsperspektiven

Anke Marholdt

Löhne. Alfred Brinkmann hatte die wichtigste Aufgabe. Sehen konnte ihn kaum einer. Aber er bekam Applaus, als er auf Kommando zwischen kurzen Reden, Singen und Andacht den Weihnachtsbaum per Knopfdruck zum Leuchten brachte. Alfred Brinkmann ist mit über 80 Jahren einer der ältesten Bewohner des Wittekindshofer Wohnhauses an der Werrestraße Ecke Oeynhausener Straße in Löhne. Wie viele andere ist er vor zehn Jahren von einem der Wittekindshofer Wohnhäuser an der Ulenburg in den barrierefreien Neubau umgezogen. Die Tradition der feierlichen Baumerleuchtung am Freitag vor dem ersten Advent haben sie aus Ulenburg mitgebracht und seitdem mit Nachbarn und Bekannten an der Werrestraße gefeiert. Von Anfang an dabei waren Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Bertolt-Brecht-Gesamtschule. Sie sorgten bei der Baumerleuchtung für frische Waffeln, Bratwurst und Pommes, verteilten Kakao und Kaltgetränke und verkauften Weihnachtsdekoration, die die Senioren des Hauses im Rahmen der Tagesstrukturierenden Angebote gebastelt hatten. "Vor zehn Jahren war es ein Wunsch der Schüler, nicht nur im Religionsunterricht über Behinderung zu reden, sondern selbst Kontakt zu Menschen mit Behinderung zu haben. Die ersten Begegnungen gab es schon in der Ulenburg, es folgte der gemeinsame Ausflug zum Weihnachtsmarkt in Oberhausen und schließlich die Unterstützung der Schüler beim Umzug in den Neubau, bei der Einweihungsfeier und beim Erkunden der Umgebung", berichtete Oberstufenleiter Axel Davidheimann, der im Haus Werre von einem Bewohner immer mit einem freundschaftlichen "Hallo Lehrer" begrüßt wird. Davidheimann koordiniert seit zehn Jahren die Zusammenarbeit mit dem Haus Werre und freut sich, dass sich seine Schüler ehrenamtlich und in ihrer Freizeit engagieren. "Sie besuchen jeden Dienstag das Haus Werre und beteiligen sich an weiteren Aktionen wie Kegelabenden und Wanderungen. Durch diese Zusammenarbeit haben schon mehrere ihr Fachpraktikum in der zwölften Klasse im Haus Werre absolviert, weitere dort Zivildienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr verbracht und einige ehemalige Schüler haben bereits ihre Ausbildung im Wittekindshof abgeschlossen oder bewerben sich gerade um einen Ausbildungsplatz", freut sich der Oberstufenleiter. Er geht davon aus, dass in den letzten zehn Jahren rund 150 junge Menschen im Haus Werre Kontakt zu Senioren und Menschen mit Behinderung hatten. Zu ihnen gehören Melina Bünermann und Julia Grannemann, die schon mehrfach zu den Tagesstrukturierenden Angeboten gekommen sind und bei der Baumerleuchtung berichteten: "Das macht Spaß. Mit den Bewohnern kann man sich gut unterhalten und wenn einer nicht spricht, geht es mit Zeichensprache. Wir sind oft unterwegs und machen Ausflüge." In seiner Begrüßungsrede bei der Baumerleuchtung dankte Claus Ritter auch im Namen des erkrankten Hausleiters Diakon Ernst Kleine-Kleffmann für die Gemeinschaft weit über die Mauern des Wohnhauses hinaus, die in den letzten zehn Jahren auch durch die Schüler und die Kontakte zur Kirchengemeinde entstanden sei. "Wir sind mitten in Löhne angekommen. Wir reden nicht nur von Inklusion, sondern erleben das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, von jungen und alten Menschen, mit ganz unterschiedlichen Lebenserfahrungen", erklärte Ritter.

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