Viel schreiben: Jeder Schüler hat einen Text formuliert, wie sie das erste Jahr erlebt haben. Hier liest Myna ihren Klassenkameraden vor. - © Susanne Barth
Viel schreiben: Jeder Schüler hat einen Text formuliert, wie sie das erste Jahr erlebt haben. Hier liest Myna ihren Klassenkameraden vor. | © Susanne Barth

Löhne Lehrerin der Internationalen Klasse Gohfeld zieht nach einem Jahr Bilanz

Bunt gemischte ist die Sprachenvielfalt an der Goethe-Realschule in der Klasse von Verena Kretschmann. Alle Kinder haben eines gemeinsam: Sie können sich endlich auf Deutsch verständigen

Löhne. Ohne Deutschkenntnisse, teilweise sogar ohne das lateinische Schriftsystem zu kennen, kamen Zahra, Batoul, Asma, Adullah und die anderen Kinder nach Deutschland. Um möglichst schnell die neue Sprache zu lernen, gibt es an der Goethe-Realschule die Internationale Klasse. Zwei bis drei Stunden am Tag lernen die Kinder Deutsch bei Verena Kretschmann. Die Lehrerin zieht nach einem Jahr eine sehr positive Bilanz. „Es ist bemerkenswert, was die Kinder in der kurzen Zeit geschafft haben“, sagt Kretschmann. Die 33-Jährige ist stolz auf ihre Schützlinge. Es ist ein besonderer Tag. „Alle haben die Prüfung bestanden und können in die A2 kommen“, sagt Kretschmann. Der Kurs A2 ist das nächst höhere Lernniveau einer Sprache, das die Schüler lernen werden. Kretschmann: „Unser Ziel ist B2.“ Als die Lehrerin Urkunden hervorholt, wird es unruhig in der Klasse. Denn auch die Kinder, die aus Afghanistan, Syrien, Russland oder dem Irak stammen, sind stolz und glücklich über ihre Leistungen. Sie plappern drauf los – und zwar auf Deutsch.„Ich war am ersten Tag genauso aufgeregt wie ihr“ Vor einem Jahr sah das noch anders aus. Kretschmann hat sich mit den Kindern nur mit „Händen und Füßen und durchs Singen“ verständigt. Auch für sie war die Situation völlig neu. Die Lehrerin für Grund-, Haupt- und Realschulen, die eine Zusatzqualifikation in Deutsch als Fremdsprache hat, unterrichtet erst seit einem Jahr Kinder, die aus ihrer Heimat geflohen sind. „Man muss die Kinder nicht nur mit allem was sie erlebt und durchgemacht haben auffangen, sondern sie weiter bringen, sie fördern“, ist Kretschmann überzeugt. Unermüdlich lässt sie die 16 Kinder, die in die siebte und achte Klasse gehen, Texte schreiben. Das selbst Formulierte lesen sie dann laut in der Klasse vor. Für den Jahrestag hat auch Kretschmann zum Füllfederhalter gegriffen: „Ich war am ersten Tag genauso aufgeregt wie ihr“, liest die 33-Jährige vor. „Die Verständigung war am Anfang nicht einfach.“ Das empfinden auch die Schüler so. Viele haben in ihren Texten geschrieben, dass sie am Anfang schüchtern waren, weil sie kein Wort Deutsch konnten. „Es war sehr schwer für mich, doch dann bin ich besser geworden“, sagt Abdullah. Auch Saman ist erst nicht gern zur Schule gegangen: „Doch dann habe ich Freunde gefunden.“ Laila hat es geholfen, dass sie in die Internationale Klasse gekommen ist. „Hier waren auch andere Kinder, die kein Deutsch konnten. Da wusste ich, ich bin nicht allein.“ Alle 16 Kinder werden auch in einer Regelklasse unterrichtet. Das sei wichtig für die Integration. „Auch wenn sie dort nicht richtig mitmachen können, lernen sie den Sprachklang, Regeln und hören Fachbegriffe“, sagt Kretschmann. Zusätzlich lernen die Siebt- und Achtklässler intensiv Deutsch in der Internationalen Klasse. „Hier sind sie für sich, das brauchen sie auch.“

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