Hühner - © Verwendung weltweit, usage worldwide
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Löhne Hühner müssen wegen 
der Geflügelpest im Stall bleiben

Wildvögel verbreiten das Virus. Damit sich das Geflügel nicht damit ansteckt, gilt seit einer Woche eine Stallpflicht. Das betrifft nicht nur landwirtschaftliche, sondern auch private Halter

Susanne Barth

Löhne. Das Gegacker und Geflatter dringt nur durch Käfigstreben zum Betrachter. Alle gut 100 Tiere auf der Zuchtanlage Obernbeck sind eingesperrt. Ihre Halter dürfen die Hühner momentan nicht frei laufen lassen. Das Kreisveterinäramt Herford hat für Geflügel eine Stallpflicht erlassen. Ausgenommen sind Brieftauben. Doch auch hierbei sind vorsichtshalber schon Schauen abgesagt. Hühner, Enten, Wachteln oder Gänse: Das Geflügel im Kreis Herford muss im Stall bleiben. Die Stallpflicht ist erlassen, damit die Ansteckungsgefahr durch das extrem aggressive Geflügelpest-Virus H5N8 auf ein Minimum reduziert wird. Die Stallpflicht gilt seit gut einer Woche – bisher ist nicht abzusehen, wann sie wieder aufgehoben wird. „Wir müssen abwarten", sagt Martin Siekmann, erster Vorsitzender vom Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Herford. Das Virus wird von Wildvögeln übertragen. Damit die Vögel nicht an das Geflügel heran kommen, sei es durch direkten oder indirekten Kontakt, müssen die Tiere entweder in einem geschlossenen Stall oder in besonders geschützten Vorrichtungen untergebracht werden. „Das gilt sowohl für gewerbliche, landwirtschaftliche als auch für private Geflügelhaltungen", informierte der Kreis. "Stallpflicht zum Schutz unserer wertvollen Tiere" Wie lange der Zustand bestehen bleibt, ist laut Reinhard Zwingelberg, Amtsleiter des Kreisveterinäramts, nicht abzusehen. „Dazu kann ich keine Prognose abgeben. Wir müssen das Seuchengeschehen weiter beobachten." Zwei Geflügelpestfälle bei Wildvögeln sind in NRW bestätigt. Die Stallpflicht sei erforderlich, damit das Virus nicht Hausgeflügelbestände befällt, so Zwingelberg. Die gut 100 Tiere in der Zuchtanlage Obernbeck verteilen sich auf fünf Ställe. Hausarrest ist angesagt. Schön ist das für die Züchter nicht. „Wir würden unseren Tieren lieber etwas Gutes tun und sie raus lassen. Doch das geht nicht", sagt Torsten Stürzebecher, 2. Vorsitzender vom Rassegeflügelzuchtverein (RGZV) Obernbeck. Er hält privat zwei Hühner, auch die müssen in den Stall. „Der Stall ist so groß, dass halten sie eine Zeit lang aus." Das bestätigt auch Martin Siekmann vom Kreisverband. „Wir haben keine Massentierhaltung, das heißt, unsere Tiere haben in den Ställen noch Platz, sie sind nicht überbelegt." Dennoch würden sich die Hühner und Tauben so nicht wohl fühlen. Sie seien Freigang gewohnt. „Wir müssen uns aber an die Begebenheiten halten. Es ist zum Schutz unserer wertvollen Tiere", sagt Siekmann vom 1.200 Mitglieder starken Kreisverband. Damit zählt der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Herford zum drittgrößten Verband in Nordrhein-Westfalen. "Hühner gehören zur Familie" In Löhne gibt es vier Geflügelzuchtvereine mit Hunderten Mitgliedern. Während die Obernbecker eine eigene Zuchtanlage haben, halten die anderen Züchter die Tiere privat. Dementsprechend wird in den eigenen vier Wänden nachgerüstet, um die Hühner nicht nur im engen Stall zu halten. Heinz-Peter Winter vom RGZV Mennighüffen hat für die Laufenten seines Sohnes ein vier mal acht Meter großes Zelt über den Teich gespannt. „Man kann die Tiere ja nicht nur im Stall halten. Das wäre ja Quälerei", so Winter. Auch Uwe Sturhann, Vorsitzender des Löhner RGZV, rüstet kräftig nach. Über den Maschendrahtzaun des Wachtelgeheges hat er eine dichte Abdeckung angebracht. „So kann kein Kot von Wildvögeln eindringen." Für seine Hühner baut er einen überdachten Auslauf. „Sie gehören zur Familie. Auch wenn die Zeiten hart sind, sollen sie es so gut wie möglich haben", sagt Sturhann. Eine Haltung nur im Stall habe Auswirkungen auf das Geflügel. „Qualitativ hochwertige Tiere kriegt man nur mit Freilandhaltung hin", sagt Denis Albrecht, Vorsitzender im RGZV Horst und des Stadtverbands. Daher sei die Stallpflicht „extrem ärgerlich und belastend für uns". Dennoch nehme die Vorsichtsmaßnahme alle Züchter hin: „Es wäre viel zu gefährlich, wenn was passiert", sagt Winter. „Schließlich wollen wir im nächsten Jahr weiterzüchten."

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