Mag die praktische Arbeit: Yohannes Tekle macht eine Ausbildung zum Elektroniker bei Gerd Nagel in Mennighüffen. Foto: Dennis Bleck - © Dennis Bleck
Mag die praktische Arbeit: Yohannes Tekle macht eine Ausbildung zum Elektroniker bei Gerd Nagel in Mennighüffen. Foto: Dennis Bleck | © Dennis Bleck

Löhne Bei Elektro-Nagel lernt ein Azubi aus Eritrea

Yohannes Tekle macht seine Ausbildung zum Elektriker in Mennighüffen. Sein Chef lobt seinen großen Einsatz für den künftigen Beruf

Dennis Bleck

Löhne. Yohannes Tekle hat eine bewegte Vergangenheit. Groß darüber sprechen möchte der Flüchtling aus Eritrea nicht. Er blicke nun ausschließlich in die Zukunft, versichert er lächelnd. Die hält für den 22-Jährigen nämlich einiges parat. Seit dem 1. August lässt sich Tekle zum Elektroniker mit Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik ausbilden. „Es war immer mein Traum, in diesem Beruf zu arbeiten. Schön, dass das hier in Deutschland geklappt hat", sagt Tekle mit Stolz in der Stimme. Möglich machte dies Gerd Nagel und dessen Frau Regina. „Im Februar hat Yohannes ein dreiwöchiges Praktikum in meinem Betrieb absolviert. Er war sofort sehr wiss- und lernbegierig und hat sich für die Ausbildung empfohlen", sagt Gerd Nagel. Dabei hatte dieser bislang häufig Pech mit seinen Auszubildenden. Nur ein einziger Azubi hat bisher in dem 1994 gegründeten Elek-trobetrieb die Prüfungen bestanden. Drei weitere haben die Ausbildung abgebrochen. „Bei Yohannes ist die Einsatzbereitschaft und die Eigeninitiative viel höher. Für das Unternehmen ist er ein Glücksgriff", schwärmt der Chef. Schwierigkeiten beim Fachvokabular Trotz des Lobes bleibt der Auszubildende bescheiden. „Ich habe noch viel zu lernen und bin einfach dankbar, dass mir diese Chance ermöglicht wurde." Vor allem die Berufsschule sei anstrengend. „Bei der praktischen Arbeit vergeht die Zeit viel schneller", sagt Tekle und lacht. Gerd Nagel ergänzt: „Yohannes spricht zwar schon sehr gut Deutsch, aber vor allem beim Fachvokabular hat er noch Schwierigkeiten. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass er das alles lernen wird." Seit 2013 ist Yohannes Tekle in Deutschland. Die Voraussetzungen waren nicht immer so gut wie heute. Anfangs wohnte er in einer Sammelunterkunft in Löhne. Dort sei ihm das Lernen schwergefallen. „Es war immer sehr viel Lärm." Mit Hilfe des Sozialamtes durfte er wenig später in eine Wohngemeinschaft mit drei jungen Männern aus Eritrea ziehen. Schulische Leistungen und soziale Integration verbesserten sich. „Ich habe den Realschulabschluss mit Qualifikationsvermerk für das Gymnasium erlangt. Auf das Abitur hatte ich allerdings keine Lust", erklärt Tekle. „Dann wäre ich 25 gewesen. Ich wollte lieber arbeiten." „Sie sind meine Ersatzeltern geworden" Bis er diesem Wunsch nachgehen konnte, war jedoch viel Bürokratie notwendig. Sozialamt, Integration Point und Ausländerbehörde. „Insgesamt war das Asylverfahren eine langwierige Geschichte. Mittlerweile bekommt er aber auch die nötige Ausbildungsbeihilfe", sagt Regina Nagel, die den Geflüchteten bei allen Behördengängen unterstützte. „Wir haben ihm außerdem eine kleine, bezahlbare Wohnung gesucht und mein Bruder hat ihm günstig ein Fahrrad überlassen." Für Gerd und Regina Nagel ist das Engagement Ehrensache: „Das ist unser Beitrag zur Integration", betont das Ehepaar unisono. Und Tekle zahlt mit Dankbarkeit zurück: „Sie sind meine Ersatzeltern geworden", sagt der 22-Jährige. Gerd Nagel unterstreicht: „Ich bin froh, dass ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe. Auch die Rückmeldungen meiner Kunden sind ausschließlich positiv." Für den Elektriker, der auch im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer tätig ist, wäre es dennoch wünschenswert, wenn der Staat die Ausbildung von Flüchtlingen honorieren würde: „Vielleicht würden sich dann auch weitere Unternehmen zu einem solchen Schritt entschließen. Dann würde das Geld direkt in die Basis fließen." Yohannes Tekle fände es schön, wenn viele weitere seinem Vorbild folgen würden. Sein nächstes Ziel ist nun der Führerschein. Ein weiteres Zwischenziel seiner persönlichen Zukunft, die mit der Ankunft in Deutschland begonnen hat.

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