Olaf Sundermeyer, Journalist und Rechtsextremismus-Experte, hält einen Vortrag in der Werretalhalle Löhne. Vermittler der Veranstaltung ist die VHS Löhne, die Abendveranstaltung hat das Bündnis für Vielfalt organisiert. - © Susanne Barth
Olaf Sundermeyer, Journalist und Rechtsextremismus-Experte, hält einen Vortrag in der Werretalhalle Löhne. Vermittler der Veranstaltung ist die VHS Löhne, die Abendveranstaltung hat das Bündnis für Vielfalt organisiert. | © Susanne Barth

Löhne Der rechte Terror rückt immer näher

Journalist und Rechtsextremismus-Experte Olaf Sundermeyer spricht vor Schülern und politikinteressierten Löhnern über die Stimmung in Deutschland und den Einfluss von AfD, Pegida und Co

Löhne. Wenn man den Worten von Olaf Sundermeyer lauscht, wird der Rechtsruck in Deutschland greifbarer. Der Journalist ist Rechtsextremismus-Experte und erlebt den Wandel, wie Rechtspopulisten und deren fremdenfeindlichen Positionen zunehmend in die Mitte der Gesellschaft rücken, hautnah mit. Sundermeyer kennt sich aus in der Szene, kennt die Köpfe der Bewegung und die Strategien von AfD, NPD und Pegida. Auf Einladung der kulturpolitischen Reihe, die die Jugendeinrichtungen Raps, Riff und Jugendkunstschule initiiert haben, ist er für zwei Vorträge in die Werrestadt gekommen. Vormittags spricht er vor Schülern, abends vor politikinteressierten Löhnern. Mit ihnen kommt er ins Gespräch über die Alternative für Deutschland (AfD), informiert über die Zustände in der Partei und gibt sein Insiderwissen preis. Seit zwölf Jahren beschäftigt sich der gebürtige Dortmunder und Wahlberliner mit dem Thema Rechtsextremismus. Dabei schaut Sundermeyer nicht von außen drauf. 25 Pegida-Demonstrationen hat er schon besucht, ist mit Nazis, Rechtspopulisten und Bürgern, die sich der Pegida- Bewegung nahe fühlen, ins Gespräch gekommen, beobachtet und berichtet intensiv aus der Szene. So kann Sundermeyer ein realistisches Bild der rechtsextremen Bewegung zeichnen. „Der Rechtsruck ist nicht mehr rückgängig zu machen", sagt er in dem Vortrag, den er vor Neunt- und Zehntklässlern der Städtischen Realschule und der Bertolt-Brecht-Gesamtschule hält. "Das erste Mal so etwas wie Angst erlebt" Mit dem Wissen, dass immer mehr Menschen die Ansichten der rechtspopulistischen Parteien unterstützen und gut finden, müsse man umgehen. „Und zwar bevor Angst in Gewalt umschlägt. Das ist die Realität." Um den Jugendlichen das Thema begreiflicher zu machen, liest er zu Anfang des Vortrags eine Passage aus seinem Buch „Rechter Terror in Deutschland". Es ist eine Anatomie der rechten Gewalt seit den 1970er-Jahren, behandelt die Anschlagsserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ebenso wie die alltägliche Gewalt gegen Andersdenkende, Obdachlose und Migranten. Obwohl er sich seit Jahren mit Tätern beschäftigt und Opfern eine Stimme gibt, hat er bei seiner ersten Pegida-Demonstration im November 2014 „das erste Mal so etwas wie Angst erlebt". Warum? Das zeigt ein „ungefilterter" Filmausschnitt von einer Demo in Dresden. Es ist ein Kontaktversuch zwischen Medien und den über 15.000 Teilnehmern, die für die Pegida 2014 auf die Straße gegangen sind. Deutliche rechtsextreme Äußerungen sind zu hören. Sundermeyer erklärt: „Ein Rassist hält sich selbst für was Besseres und stellt sich und seine Kultur über andere." Auch müsse man sich vom Erscheinungsbild verabschieden: „Nur weil sie keine NPD-Fahne schwenken, sind sie dennoch Rassisten." "Das ist kein Randphänomen mehr" Als Pegida aufkam, war die AfD noch gänzlich unbekannt. Das ändert sich seit zwei Jahren. Die Ansichten der Partei werden immer präsenter, werden immer stärker gehört und angenommen. „Das sind nicht alle Nazis", relativiert Sundermeyer. Dennoch habe die Mehrheit der 24.000 Mitglieder starken AfD etwas gegen Fremde. „Sie sind für die Abschaffung unserer multikulturellen Gesellschaft, wollen ein anderes Land, als das, was Deutschland heute ist – ein Einwanderungsland." Sundermeyer spricht für seine neue Dokumentation fast täglich mit AfD-Anhängern. Er erlebt eine Aufbruchstimmung: „Sie sind euphorisch", sagt der Experte. Nicht zuletzt durch die Entwicklung in der Welt. Donald Trump ist Präsident der USA, in Österreich, Frankreich und Polen werden den Rechtspopulisten immer populärer. „Das ist kein Randphänomen mehr." Auch in Deutschland setzt sich der Anschluss an die bürgerliche Mitte durch die AfD immer weiter fort. In zehn Landtagen sitzt die AfD schon, im Mai 2017 wird in NRW gewählt. Am Wochenende hat die dritte Landeswahlversammlung der Partei in Rheda-Wiedenbrück stattgefunden. Dabei ging es um die Aufstellung der Landesliste zur Landtagswahl.

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