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Löhne Anwohner wollen Spielplatz am Löhner Glockenkamp nicht aufgeben

Zusammenschluss: Auf die Fläche im Wohngebiet könne laut Spielplatzbedarfsplanung verzichtet werden

Susanne Barth

Löhne. 42 Spielplätze gibt es in der Stadt. Nicht alle sind gleich groß, haben die gleiche Ausstattung und werden zudem auch unterschiedlich häufig besucht. Das Jugendamt hat alle Flächen unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass auf acht Spielplätze verzichtet werden könne. Einer davon liegt in der Glockenkamp-Siedlung. Die Anwohner fühlen sich von der Nachricht, die sie aus der Zeitung erfuhren, überrumpelt. Dass der Spielplatz am Glockenkamp "platt gemacht" werden soll, können Yvonne Reitz, Mutter von zwei Kindern, und Maike Kahre, Mutter einer Tochter, nicht verstehen. Die beiden Frauen stehen damit nicht alleine da. Unterstützung erhalten sie von Nachbarin Melanie Ziche, zweifache Mutter: "Wir wurden von der Nachricht völlig überrumpelt. Warum befragt man bei so einer Entscheidung nicht die Betroffenen, anstatt eine Entscheidung am grünen Tisch zu treffen?" Gaby Schewe-Ekamp hat die Spielflächenbedarfsplanung im Jugendhilfeausschuss im Juni vorgestellt. Detailliert ist aufgelistet, welche Plätze welchen Sanierungsbedarf haben, wie viele Wohnhäuser im Umkreis liegen, was es für Geräte gibt und welche Spielplätze in unmittelbarer Nähe liegen. Acht Spielplätze seien dabei ins Auge gefallen, auf die verzichtet werden könne. Darunter falle eine eingezäunte Wiese an der Condegastraße, die so unscheinbar ist, dass sie die Bezeichnung Spielplatz gar nicht verdiene. Ob und welche Flächen geschlossen werden, darüber wird im Ausschuss am 7. Dezember diskutiert. Die Anwohner am Glockenkamp wollen vorab gehört werden. Sie laden die Parteien zu einem Ortstermin am Samstag, 3. Dezember, auf den Spielplatz ein. Ilhami Ergül ist sicher, dass die Entscheidung so nicht gefallen wäre, hätte man die Argumente gehört: "Im Gegensatz zu den Behauptungen der Stadtverwaltung, wird dieser Spielplatz sehr wohl intensiv genutzt", erzählt der Vater von Canan Rüveyda (8), die dort mit ihren Freunden spielt. Aus Beobachtungen der Wirtschaftsbetriebe geht hervor, dass die Geräte kaum Gebrauchsspuren aufweisen. Daraus schließt die Stadt, dass der Spielplatz wenig genutzt wird. Ergül hält das für abwegig: "Der Spielplatz liegt keine fünf Meter von Wohnhäusern entfernt. Darum rotten sich hier nicht - wie auf anderen Spielplätzen - Teenager zusammen, so dass es nicht zu Vandalismus kommt." Ganz im Gegenteil werde der Spielplatz laut den Anwohnern auch häufig von Kindern genutzt, die nicht in unmittelbarer Nähe wohnen. Daniela Ortgiese, die mit ihren drei Kindern regelmäßig vor Ort ist, sagt: "Manche Eltern oder Großeltern kommen mit ihren Kleinen aus etwas weiterer Entfernung, um hier einen sauberen und ruhigen Platz zum Spielen zu haben." In der Nähe liegt der Spielplatz der Grundschule Mennighüffen-Ost. Dieser sei keine Alternative. "Wenn die Kinder allein zu diesem Spielplatz wollen, müssen sie die Glockenstraße überqueren, auf der täglich Lkws donnern", sagt Sandra Rieso, Mutter von Celina (8). Zudem stehe dieser Platz auch erst ab 16.30 Uhr nach Schulende zur Verfügung. Und auch der Zustand gefällt den Eltern nicht: "Der Spielplatz ist ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Entsprechend kommt es dort zu Beschädigungen und Verschmutzungen. Herumliegende Zigarettenkippen und Flaschen kann man dort regelmäßig finden. Das wollen wir unseren Kindern nicht unnötig zumuten." So etwas gebe es am Spielplatz am Glockenkamp nicht. "Hier sind die Anwohner nur wenige Meter entfernt. Man kennt sich, und alle achten auf die Kinder. Die funktionierende Nachbarschaftsgemeinschaft sorgt dafür, dass hier nichts passiert. So etwas kann man doch nicht einfach kaputt machen", meint Alev Ates, Mutter von Elyas (7) und Ela (4). Und darum wollen sich Kinder, Eltern und auch Nachbarn ohne Nachwuchs noch nicht damit abfinden, dass das "kleine, mustergültige Spielplatz-Idyll" zerstört werden soll.

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