Riesige Schlammfläche: Bis vor wenigen Tagen schwammen im Wasser noch die Fische, wo heute Schlamm ist. - © Dirk Windmöller
Riesige Schlammfläche: Bis vor wenigen Tagen schwammen im Wasser noch die Fische, wo heute Schlamm ist. | © Dirk Windmöller

Löhne Graben des Löhner Wasserschlosses Ulenburg nach Deichbruch leer

Am Wochenende ist der Graben, der das Gebäude umgibt, ausgelaufen / Wasser muss wieder um das historische Gebäude fließen, sonst ist die Statik bedroht

Dirk Windmöller

Löhne. Die Seerosen sind jetzt eher Schlammrosen. Sie stecken in der Matsche, wo noch vor ein paar Tagen viele tausend Liter Wasser den Pflanzen die Lebensgrundlage und dem Wasserschloss die Statik gaben. In der Nacht von Samstag auf Sonntag zog die Natur den Stöpsel. Eine Buche, die auf dem Deich der Gräfte stand, stürzte um, riss ein großes Loch in den Deich. Gräfte ist bei Wasserschlössern die Bezeichnung für umgebende Gräben. In wenigen Stunden war das Wasser aus dem Graben in einen parallel fließenden Bach gelaufen. "Ein aufmerksamer Jugendlicher hat uns alarmiert", sagt der stellvertretende Wehrleiter Christian Ehlert. Einige Feuerwehrleute machten sich ein Bild der Lage. "Wir haben dann Experten vom Technischen Hilfswerk aus Vlotho und Herford hinzugezogen, die sich mit Deichbau und Statik von Gebäuden auskennen", sagt Ehlert. Der Fachmann für die Statik habe dann schnell Entwarnung gegeben. "Eine unmittelbare Gefahr für das Gebäude besteht nicht", so Ehlert. Man habe auch darüber nachgedacht, einen Radlader kommen zu lassen, der das Loch im Deich wieder schließt. "Davon hat der Deichfachmann abgeraten, weil durch das Gewicht des Radladers die Schäden vielleicht noch größer werden könnten", sagt der stellvertretende Wehrführer. Das Problem, das jetzt zum Deichbruch führte, hat sich über Jahrzehnte entwickelt. "Wenn Deiche bewachsen sind, dann ist das kontraproduktiv", so Ehlert. Wahrscheinlich seien die Wurzeln der Buche schon über einen längeren Zeitraum mehr und mehr unterspült worden, bis der Baum keinen Halt mehr hatte. Und so hielt sich der Feuerwehreinsatz in Grenzen. Nachdem klar war, dass keine unmittelbare Gefahr besteht, rückten die Blauröcke wieder ab. Ibrahim Kus ist Sprecher der Ezdai-Stiftung, die von jesidischen Glaubensgemeinschaft getragen wird und der das Schloss gehört. "Ich war am Sonntag vor Ort und habe mir ein Bild gemacht. Das Problem werden wir schnell in den Griff bekommen. Das sehe ich nicht so dramatisch", sagt Kus. Mit dem Landschaftsbauexperten der Stiftung habe er am Montag gesprochen und Lösungsmöglichkeiten erörtert. "Eine Möglichkeit wäre, das Loch durch gefüllte Bigpacks abzudichten. Dann würde die Gräfte wieder voll laufen", sagt Kus. Bigpacks sind riesige und sehr robuste Kunststofftaschen. Sie können zum Beispiel mit Steinen gefüllt sein und werden oft im Wasserbau eingesetzt. Verwendet wurden sie zum Beispiel auch, als die neue Sohlgleite an der Schützenbrücke vor ein paar Jahren gebaut wurde. Gespeist wird die Gräfte, die das Schloss umgibt, durch den Mühlenbach. Von der Ulenburger Buchenallee aus gibt es eine Verbindung. Und so ist im Teil der Gräfte, die der Allee am nächsten liegt, noch so viel Wasser im Graben, dass dort noch Enten schwimmen können. Das Loch muss bald abgedichtet werden. "Die Eichenpfähle, auf denen das Schloss gebaut ist, dürfen nicht austrocknen, dann wäre die Statik gefährdet", sagt Bauamtsleiter Andreas Oepping. Aber auch er sieht keine unmittelbare Bedrohung der Stabilität von Löhnes historischem Gebäude. Er geht auch nicht davon aus, dass der Schlamm, auf dem die Seerosen liegen, mit Schadstoffen belastet ist. "Da haben ja auch Fische drin gelebt." Auch das Kreisumweltamt ist eingeschaltet. "Es geht darum zu prüfen, ob besondere Maßnahmen zum Schutz des Gewässers erforderlich sind", sagt Petra Scholz, Sprecherin des Kreises Herford im Gespräch mit der NW. Da gehe es zum Beispiel um die Frage, wie mit dem Schlamm umgegangen werde. Heute soll es erste Ergebnisse geben.

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