Mit wehenden Haaren: Dorothea Zwölfer spürt den kräftigen Fahrtwind des vorbei rauschenden ICE in Löhne am eigenen Leib. Per Petition will sie das ändern. - © Felix Eisele
Mit wehenden Haaren: Dorothea Zwölfer spürt den kräftigen Fahrtwind des vorbei rauschenden ICE in Löhne am eigenen Leib. Per Petition will sie das ändern. | © Felix Eisele

Löhne Dorothea Zwölfer ist schockiert über die ICE-Geschwindigkeit in Bahnhöfen und startet eine Petition

Mit einer Unterschriftenaktion und der aktuellen Debatte erhofft sich die Bayerin nun Unterstützung für ihr Anliegen: Sie will die Politik einschalten

Felix Eisele

Löhne/Mühlhausen. Wenn Dorothea Zwölfer an den Löhner Bahnhof denkt, packt sie das blanke Entsetzen. Und das, obwohl die Pfarrerin aus dem bayrischen Mühlhausen den heimischen Verkehrsknotenpunkt nur vom Hörensagen kennt. Dass aber ICEs derart schnell am Bahnsteig vorbei fahren, dass sogar Kinder zu Boden gerissen werden, lässt bei ihr alle Alarmglocken schrillen. Mit einer Petition will sie nun für mehr Sicherheit auf deutschen Bahnsteigen sorgen. Grundlage: Ein Artikel der Neuen Westfälischen. „Das ist ja Wahnsinn!" – so schoss es Dorothea Zwölfer durch den Kopf, als sie am vergangenen Freitag in der Löhner Lokalausgabe blätterte (ein Besuch in der Oeynhausener Heimat ihrer Ehefrau machte es möglich). Unter der Überschrift „Gefahren an der Bahnsteigkante" hatte sie soeben erfahren, mit welcher Geschwindigkeit ICEs durch den heimischen Bahnhof fahren. „Dass vom Fahrtwind sogar Kinder zu Boden gerissen werden, finde ich unglaublich", sagt die 52-Jährige angesichts der 160 km/h. „Da muss man doch etwas tun." Lautsprecherdurchsagen würden vieles erleichtern Dorothea Zwölfer weiß, wovon sie spricht. Sie ist nicht nur überzeugte Bahnfahrerin, sondern auch evangelische Pfarrerin – und als solche auch Vertrauensperson und Begleiterin, Seelsorgerin und Kümmerin für unterschiedlichste Menschen. „Manche sind einfach schutzbedürftiger als das Gros der Gesellschaft", weiß Zwölfer aus ihrer Arbeit zu berichten. Menschen mit Alkoholproblemen, mit Magersucht oder Behinderung – für sie könnten durchrauschende ICEs immer zur Todesfalle werden, ist Zwölfer überzeugt. „Weil sie einfach nicht so rational handeln können, wie andere", sagt sie. „Da helfen dann auch Sicherheitslinien oder Warnschilder nicht mehr." Ähnliches gelte auch für Kinder, die von Natur aus einem gewissen Spieltrieb ausgesetzt sind. Auch an Bahnhöfen, wie sie sagt. „Das macht es auch für Eltern schwierig. Auf eins können sie meist noch aufpassen, bei zwei oder drei wird es schon fast unmöglich, alle im Auge zu behalten." Wenn dann die modernen Schnellzüge auch noch recht leise um die Ecke geschossen kommen, kann es aus ihrer Sicht ganz schnell gehen. „Warum man da keine Lautsprecherdurchsagen machen kann, ist mir ein Rätsel", sagt Dorothea Zwölfer. „Das würde schon vieles erleichtern." Allein steht die Theologin mit dieser Meinung nicht. Auch Bahnhofsbeobachter Reinhard Umlauft, der den Fall des gestürzten Kindes erst öffentlich machte, forderte vor Wochenfrist akustische Warnhinweise. Und selbst Heinz-Jürgen Rüberg, Inhaber des Reisecenters im Bahnhofgebäude, erschreckt sich nach eigener Aussage auch nach elf Jahren noch, wenn ein ICE durchrauscht. „Und wenn mir das schon passiert, dann erschrecken sich Kinder doch erst Recht", sagt er. „Kaum zu glauben, dass hier noch nichts passiert ist." Auch er wirbt für Lautsprecherdurchsagen. „Aber die Bahn", so sagt er, „stellt sich seit Jahren quer." "Kosten dürfen nicht über der Sicherheit stehen" Für Dorothea Zwölfer ist das ein Grund mehr, selbst aktiv zu werden. Sie hat ihre Petition vorsichtshalber direkt an Verkehrsminister Alexander Dobrindt gerichtet. „Denn von sich aus wird die Bahn nichts tun", glaubt sie mit Blick auf die Geschäftsinteressen des Unternehmens. „Deswegen ist jetzt die Politik gefragt. Kosten dürfen nicht über der Sicherheit stehen." Zwölfer wünscht sich vor allem eine von Lobbyinteressen unabhängige Untersuchung der ICE-Geschwindigkeiten und der Auswirkungen durch den Fahrtwind. Im Ergebnis dürfe es dann gerne zu einem Tempolimit für Schnellzüge im Bereich von Bahnhöfen kommen. So, wie es im Straßenverkehr längst üblich ist. „Warum das im Bahnverkehr nicht möglich sein soll, erschließt sich mir jedenfalls nicht. Zumal Autos sogar kürzere Bremswege als Züge haben", sagt sie. Die Petition mit dem Titel „Minister Dobrindt: Jetzt für mehr Sicherheit an Bahnsteigen sorgen!" ist im Internet unter www.openpetition.de zu finden. Ob etwas dabei herauskommt, sei eine andere Frage. Zwölfer: „Wichtig ist aber, sich damit zu beschäftigen. Das Thema muss in die Köpfe." Die Online-Petition ist hier zu finden: https://www.openpetition.de/petition/online/minister-dobrindt-jetzt-fuer-mehr-sicherheit-an-bahnsteigen-sorgen

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