Nichts für Baumliebhaber: Noch vor wenigen Tagen war das Kriegerdenkmal am Pastorenholz von üppigen Linden umwachsen. Mittlerweile ist der pflanzliche Kreuzgang Geschichte. Nur noch die abgesägten Stämme erinnern an die Baumalleen. - © Felix Eisele
Nichts für Baumliebhaber: Noch vor wenigen Tagen war das Kriegerdenkmal am Pastorenholz von üppigen Linden umwachsen. Mittlerweile ist der pflanzliche Kreuzgang Geschichte. Nur noch die abgesägten Stämme erinnern an die Baumalleen. | © Felix Eisele

Löhne 100 Linden am alten Mennighüffener Friedhof gefällt

Kahlschlag am Pastorenholz

Felix Eisele

Löhne. Irgendetwas ist anders am Mennighüffener Pastorenholz. Auf dem stillgelegten Kreuzfriedhof zwischen Ludwig-Dütemeyer- und Postweg ist es licht geworden. Noch vor wenigen Tagen wuchsen hier rund 100 Linden in den Himmel, charakteristisch angelegt in Kreuzform, mit einem Kriegerdenkmal im Mittelpunkt. Jetzt aber mussten die Bäume weichen. Was für alteingesessene Mennighüffener ein erschreckendes Bild darstellt, ist für die hiesige Kirchengemeinde ein „notwendiges Übel". Im Internet bekommt man noch einen Eindruck, wie der stillgelegte Friedhof ausgehen haben muss. Der Kartendienst Google-Maps etwa zeigt noch immer die charakteristische Kreuzform der üppig gewachsenen Linden. Rund 25 Jahre sind vergangen, seit die Bäume unter der Ägide von Pfarrer Hans-Hermann Dittrich gepflanzt wurden. Zur Neugestaltung des abgeräumten Friedhofs, wie es damals hieß. Längst ist aus dem einstigen Gottesacker ein idyllischer Park geworden. Gräber finden sich hier kaum noch, lediglich eine Handvoll Male erinnern noch an den ursprünglichen Zweck des Areals. Ruhebänke und nicht zuletzt der Kreuzweg aus Linden machten die Grünanlage zu einem beliebten Ausflugsziel, den insbesondere ältere Mennighüffener Bürger gern für Erholungsgänge nutzten. Damit aber dürfte es nun vorerst vorbei sein. Am Donnerstag wurden Anwohner und Einheimische vom neuen Bild am Pastorenholz überrascht: Sämtliche Bäume entlang der kreuzförmigen Alleen waren gefällt worden. „Und das ohne sichtbare Erkrankung und ohne jede Ankündigung", wie Beobachter beklagen. Tatsächlich bestätigt Kai Sundermeier, Pfarrer der Kirchengemeinde Mennighüffen, dass die Bäume kerngesund waren. Dennoch sei eine Fällung unumgänglich gewesen. Denn: „Sie sind damals falsch gepflanzt worden", sagt Sundermeier. Das zumindest habe ein Baumsachverständiger festgestellt. „Demnach standen die Bäume viel zu eng zusammen und auch viel zu nah am Weg." Teilweise habe der Abstand zu den Gehwegplatten gerade einmal 30 Zentimeter betragen. „So konnten sich die Wurzeln nicht richtig entfalten und auch die Baumkronen hatten beim Wachsen nicht genug Platz." In der Folge seien bei mehreren Linden bereits Schiefstellungen festgestellt worden. Zwar habe Friedhofsgärtner Detlef Nagel versucht, die Stämme mit Gurten zu sichern, allerdings ohne dauerhaften Erfolg. Weil das für Spaziergänger ein Risiko darstellte, war Handlungsbedarf angesagt. Allerdings nicht von Seiten der Stadt, wie Bernd Hoffmann von den Wirtschaftsbetrieben Löhne bestätigt. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass sich in Löhne die Kirchengemeinden um die Friedhöfe kümmern", sagt er. „In anderen Kommunen ist das tatsächlich städtische Aufgabe." Um die Sicherheit zu gewährleisten, boten sich der Kirchengemeinde drei Alternativen. Die erste, eine vollständige Schließung des alten Friedhofes, sei wegen einzelner noch bestehender Gräber nicht infrage gekommen, sagt Kai Sundermeier. Die zweite Variante wäre ein Kappschnitt der Baumkronen gewesen. „Das hätte regelmäßig für viel Geld wiederholt werden müssen", sagt der Pfarrer. Mit Blick auf die vielen Baumpflegemaßnahmen an Kirchplatz, Kindergärten, Friedhöfen und anderen Gemeindegrundstücken habe man davon schließlich abgesehen. „Die Kosten hätten wir auf die Bestattungsgebühren umlegen müssen, das hätte den Rahmen gesprengt." Letztlich habe sich die Kirchengemeinde „schweren Herzens" entschlossen, die Bäume fällen zu lassen. „Das tat auch uns sehr weh", beteuert Sundermeier. „Wir hatten dort einen wunderschönen Platz mit schönen, alten Bäumen, die wir gerne erhalten hätten." Am Ende sei aber der Sicherheitsaspekt höher zu bewerten. Um den Schaden in Grenzen zu halten, möchte die Gemeinde nun Ersatzpflanzungen vornehmen. Wann und in welcher Form das passieren wird, stehe noch nicht fest.

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